+
Geschäftsführerin Jutta Stahl im TSGO-Fitness-Studio: Hier gibt es keine Berührungsängste zwischen jüngeren und älteren Mitgliedern.

TSGO

Hier soll sich jeder aufgehoben fühlen

Mit knapp 4400 Mitgliedern ist die Turn- und Sportgemeinde Oberursel (TSGO) der größte Sportverein in der Stadt und deckt sowohl den Leistungssport als auch den Breitensport ab. Auch in Zukunft setzt man auf den Vereinsgedanken und sieht sich weniger als Dienstleister in Sachen Sport.

Es ist die Gretchenfrage, mit der sich viele Sportvereine herumschlagen, wenn es darum geht, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Will man Verein bleiben oder doch den Weg in Richtung sportlicher Dienstleister einschlagen, mit ausgewählten und eher teureren Angeboten, dafür aber mit weniger persönlicher Bindung oder gar ehrenamtlichem Engagement.

Auch die Oberurseler Turn- und Sportgemeinde (TSGO) beschäftigt dieser Spagat. Mit zurzeit nach eigenen Angaben 4375 Mitgliedern, Tendenz steigend, ist sie der größte Sportverein in der Stadt, ist im Handball im Leistungssport aktiv und hält ein vielfältiges Angebot im Breitensport bereit.

„Unser Stichwort ist der Breitensport“, sagt Geschäftsführerin Jutta Stahl und macht im Gespräch mit dieser Zeitung gleich klar, dass es in Zukunft möglichst auch so bleiben soll. Das heißt, dass das Modell mit etwa 95 Prozent Dauerangeboten zu festen Zeiten vom Eltern-Kindturnen, über Parkour und Geräteturnen, Tanz, Body Workout und Yoga bis hin zum den Mannschaftssportarten so lange wie möglich so weiter geführt werden.“

Feste Termine

Die Leute haben so ihre festen Termine und wissen: Donnerstags um 18.45 Uhr geht es zum Zumba“. Stahl ist sich sicher, dass es genau solche Strukturen sind, die die Menschen suchen würden - dem Trend zur mehr Individualität und Flexibilität zum Trotz.

Dennoch muss auch hier auf die sich verändernde Gesellschaft reagiert werden: Mütter steigen früher wieder in ihren Beruf ein, mehr Kinder werden länger in Kita und Grundschule betreut, gleichzeitig ändert sich die Erwartungshaltung bei den Freizeitangeboten nach dem Motto: „Ich zahle das, jetzt mach mal!“ Diese Tendenzen beobachte man auch bei der TSGO genau, schon allein vor dem Hintergrund, dass es wie in vielen Vereinen immer schwerer wird, geeignete ehrenamtliche Übungsleiter und Trainer zu finden, so Stahl.

Möglichst geringe Beiträge

Den Schritt zum reinen Dienstleister in Sachen Sport wolle man aber nicht machen. Auch und gerade im Hinblick auf die Kosten nicht: „Wir wollen die Beiträge möglichst gering halten, damit jeder sich das leisten kann und trotzdem ein qualitativ gutes Angebot machen“, so Stahl.“

Besuch im vereinseigenen Fitnessstudio, das hauptamtlich geleitet wird. Es ist Mittwochmorgen: Bernd Hora stemmt fleißig Gewichte. Der 73-Jährige ist seit zehn Jahren Mitglied und drei Mal pro Woche hier. „Ich bin wegen meiner Diabetes dabei. Wenig Zucker, viel Sport, da brauche ich keine Tabletten.“ Aber nicht nur darum geht es für ihn. „Es ist familiär hier, man sieht sich, kennt sich“ und alle zwei drei Monte gehe man in einer größeren Gruppe auch mal essen.

„Wir sind hier der harte Rentnerkern“, nennt es Isolde Löhr (70) die ebenfalls zur Gruppe gehört und wegen der persönlichen Atmosphäre zusammen mit Ehemann Herbert regelmäßig an die Fitnessgeräte geht. Die beiden verbringen den Sommer in den Bergen, „und das hier ist ein gutes Vortraining.“ Während sie das sagt, schaut sie einer jungen Frau beim Muskeltraining zu und stellt ihr anschließend Fragen. Im Fitnessstudio der TSGO gibt es offenbar keine Berührungsängste zwischen Alt und Jung.

Das ist ganz im Sinne von TSGO-Geschäftsführerin Jutta Stahl. Wie sie setzt die Führungsriege des Vereins mit seinen insgesamt zehn Abteilungen, auf den Vereinsgedanken, auf das Miteinander. „Der Verein als soziales Umfeld, in dem man sich aufgehoben fühlt, motiviert dazu über Jahre zu bleiben“, ist sich Stahl sicher. Und wer länger dabei ist, sei eher bereit selbst an verantwortlicher Stelle aktiv zu werden, ob als Übungsleiter oder Trainer, geringfügig beschäftigt oder in Teilzeit oder als rein ehrenamtliches Mitglied, das auch mal mit anfasst.

Keiner wisse, ob es in zehn Jahren noch möglich ist, in diesem Sinne als Verein zu wirken und Menschen zum Sport zu bringen. Vorerst aber gelte: „Das was wir hier machen und wie wir es machen, wollen wir auch in Zukunft so tun und trotzdem ein moderner Verein sein“, so Stahl.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare