+
Im Hof der Familie Brüderle wurden so manche Caipis geschlürft.

38. Oberurseler Brunnenfest

In den Höfen geht’s gemütlich zu

Beim 38. Oberurseler Brunnenfest erlebte die Tradition des Feierns in den Innenhöfen ein kleines Revival. Langjährige Betreiber, aber auch neue Gastgeber, die ihre Höfe fürs Publikum öffneten, schwärmten ebenso wie ihre Gäste von der geselligen Atmosphäre.

So, wie es bei der heimischen Party oft in der Küche am gemütlichsten ist, durften es die Besucher des Brunnenfestes in den Innenhöfen erleben. Diesen Eindruck vermittelten Besucher und Gastgeber der vielen Höfe in der Oberurseler Altstadt, die ihre Tore beim 38. Oberurseler Brunnenfest geöffnet hatten. Und während sich zahlreiche Gäste durch die Altstadtgassen schlängelten oder auf dem Marktplatz das Bühnenprogramm verfolgten, wagten etliche Gäste den Blick hinter die Fassaden und schwärmten von der familiären Hofatmosphäre.

„Wir kommen immer hierher, das ist unser Startpunkt beim Gang übers Brunnenfest“, sagen Heike (49) und Alexander Engels (49). Zusammen mit ihren Freunden Tina (45) und Rainer Böhme (47) standen sie im Hof von Daniela und Stefan Brüderle in der Kronberger Straße.

Der Firmensitz der Dachdeckerei Brüderle ist seit 2009 auch ein beliebter Treffpunkt auf dem Brunnenfest. „Es ist einfach toll hier. So ein Innenhof hat Charme. Es ist persönlicher und geselliger als auf dem überfüllten Marktplatz“, sagte Heike Engels. Außerdem seien der hausgemachte Eierlikör und die Caipis lecker.

„Wir haben im vergangenen Jahr an den vier Festtagen 880 Caipirinhas verkauft“, so Daniela Brüderle. Vor acht Jahren habe sich die Familie zum Öffnen des Hofes entschlossen. „Damals hatten wir und unsere Freunde kleine Kinder, was bedeutete, dass ein Gang übers Fest einiges kostete, sollten alle mit Essen und Trinken versorgt werden. So haben wir uns entschlossen, Alternativen anzubieten, und geschaut, wie wir Getränke günstiger verkaufen könnten“, berichtet sie.

Unterstützt wurden die beiden von vielen Freunden, die nicht nur beim Betreiben der Bar mithelfen, sondern mittlerweile auch mit selbst produzierten Limes-Getränken dazu beitragen. Einen Teil der Einnahmen würden die Brüderles auch spenden, meinte Daniela Brüderle, die noch in den nächsten zehn Jahren den Hof beim Brunnenfest öffnen will.

Erstmals im Kreise der Innenhofbetreiber war Familie Gogolin in der Eppsteiner Straße. „Wir wohnen hier seit 2014. Nun haben wir alle Renovierungsarbeiten beendet und beschlossen, auf dem Brunnenfest etwas in unserem Hof anzubieten“, sagte Stefan Gogolin. Der 47-Jährige stand hinter der Theke und zapfte Bier, und das vor allem seiner Frau Nadja (41) zuliebe, die „unbedingt mal Gastgeberin sein wollte“. Da die beiden sehr Frankreich-affin sind, verkauften sie überbackene Brezeln à la Provence, Elsass oder Normandie, die mit unterschiedlichen Kräutern oder Zutaten wie Ziegenkäse zubereitet wurden. Unterstützt wurden sie bei Vorbereitung und Verkauf von 15 Freunden, die alle ein einheitliches rosafarbenes T-Shirt trugen, Stefan Gogolin mit der Aufschrift „Missjöh“. Auch lud der Innenhof ins „Schee nuu“ (aus dem französischen „Chez nous“) ein. „Der Aufwand im Vorfeld war schon enorm, alle Wasser- und Stromleitungen mussten wir nach draußen verlegen. Aber so etwas macht man aus Idealismus“, bekannte der Versicherungskaufmann.

Unter die Gäste mischten sich auch Kathrin Nüchter (50) und Claudia Börner (40), die von der Location schwärmten: „Es ist total familiär und gemütlich hier. Außerdem ist es nicht so kommerziell, und man trifft hier alte Bekannte.“

Die beiden 20-jährigen Patryk Korkmaz und Luka von Hacht hatten Premiere mit ihrer Theke am Eingang zur Herrenmühle. „Sollte sich das Ganze etablieren, wollen wir beim nächsten Brunnenfest auch den restlichen Hof betreiben“, erklärten sie. Die beiden brachten Cocktails und Shots an den Mann, und das zu einem günstigen Preis, den sich das junge Zielpublikum der beiden leisten konnte. Weiter wurden viele Innenhöfe von Vereinen wie dem Rotary Club betrieben oder standen unter einem bestimmten Motto wie die „Wilden Zwillinge“, eine Location, die Wildspezialitäten anbot.

Fazit: Die Innenhöfe beim Brunnenfest erlaubten nicht nur Einblicke hinter so manche Fassade, sondern boten Raum für gemütlichen Austausch mit Freunden. Eine Tradition, die es verdient hat, bewahrt zu werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare