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Das wohl kleinste, frei stehende Wohnhaus Deutschlands steht im Taunus

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Von: Constantin Hoppe

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In Oberursel findet sich das vielleicht kleinste, frei stehende Wohnhaus Deutschlands. Wie es sich auf 14 Quadratmeter Wohnraum lebt, erzählen die Besitzer.

Oberursel – Leben in einer Trafostation: Was sich zuerst nach eine Mutprobe anhört, ist die Leidenschaft von Achim Schollenberger und Simone Stiefel. Meistens leben sie in einem ehemaligen Wasserturm in Usingen im Hochtaunuskreis, als Wochenenddomizil haben sie sich aber im nahen Oberursel in einer früheren Trafostation häuslich eingerichtet. Auf 14 Quadratmetern befinden sich –wie in einem Tiny House – Schlaf-, Wohnzimmer, Küche und Bad.

„Villa Stierstadt“ hat das Paar sein Häuschen mitten im gleichnamigen Stadtteil genannt, das dort längst zur Sehenswürdigkeit avanciert ist. Die Außengestaltung ist von der Alten Oper im nahen Frankfurt inspiriert; der 2017 verstorbene Graffiti-Künstler Markus Janista hatte das Gebäude entsprechend besprüht, inklusive der Aufschrift „Dem Wahren Schoenen Guten“.

Mini-Wohnhaus in ehemaliger Trafostation
Simone Stiefel und ihr Lebensgefährte Achim Schollenberger stehen gemeinsam vor ihrem kleinen Wohnhaus im Stadtteil Stierstadt. © Frank Rumpenhorst/dpa

Oberursel: „Villa Stierstadt“ lanciert zur Sehenswürdigkeit

Zwei Jahre lang hat das Paar, nach Feierabend und im Urlaub an dem Mini-Häuschen gewerkelt. Ganz am Anfang stand die Idee, ein solches Gebäude wohnlich umzugestalten. Deutschlandweit gebe es etliche umgebaute Transformatorenstationen, schreibt der Ingenieur Ilo-Frank Primus in seinem Buch „Geschichte und Gesichter der Trafostationen“. Sie dienen als Atelier, Glockenturm oder Hotel. Im mittelhessischen Weilmünster wurde eine ehemalige Station in das Mini-Museum Lichthäuschen Laubuseschbach verwandelt.

Schollenberger hatte sich damals mehrere Stationen angeschaut, bevor seine Wahl auf das etwa 100 Jahre alte, etwas über zwei mal drei Meter große Oberurseler Tiny House fiel. Er bezahlte den Kaufpreis von einigen Tausend Euro, danach steckte das Paar etwa 65 000 Euro in das ehemalige Trafohäuschen.

Leben auf 14 Quadratmetern in Oberursel: Wenig Platz, aber viel Komfort

Der Villa im Miniaturformat mangelt es zwar etwas an Platz, auf Komfort wollten die Besitzer jedoch nicht verzichten: Eine elektrische Fußbodenheizung sorgt für angenehme Wärme, die schallgeschützten Fenster halten den Verkehrslärm draußen und dank ausgeklügelter Technik gibt es einen satten Sound aus der Musikanlage. An der Mikrowelle in der Küche ist ein altes Autoradio inklusive Zigarettenanzünder verbaut. „Damit laden wir auch die Handys auf“, erklärt der Hausherr.

Im ersten Stock befindet sich das Wohnzimmer: Eine Sitzecke lässt sich abends mittels weniger Handgriffe in eine Couch verwandeln, sodass man hier gemütlich fernsehen kann. Zur Toilette und Dusche auf derselben Etage sind es nur wenige Schritte. Ganz oben unter dem Dach wird geschlafen, das Bett füllt den kompletten Raum. Durch die großen Dachfenster kann der Feldberg gesehen werden. „Hier kann man es gut aushalten“, erklärt Stiefel zufrieden.

Tiny House „Villa Stierstadt“ in Oberursel: Erst kam die Bürokratie, dann der Holzwurm

Laut Schollenberger ist die „Villa Stierstadt“ das kleinste, frei stehende Wohnhaus Deutschlands. Ein echtes Tiny House. Nach dem Kauf erlebte das Paar gleich mehrere böse Überraschungen: Von der ersten Besichtigung bis zum Einzug dauerte es fast zehn Jahre. Der erste Bauantrag wurde abgelehnt und als es endlich losgehen konnte, fanden die neuen Besitzer Holzwürmer in den Balken und ein riesiges Wespennest.

Das Paar nahm es jedoch mit Humor und nutzte jeden kleinen Fortschritt zum Feiern, etwa als dem Holzwurm endlich der Garaus gemacht wurde. (con/dpa)

In Eppstein (Main-Taunus-Kreis) soll ein ganzes Dorf von Tiny Houses entstehen eine entsprechende Fläche wird derzeit gesucht.

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