In der Kita Schatzinsel mussten zuletzt Betreuungszeiten gekürzt werden. Dem will die Stadt jetzt mit einem neuem Konzept begegnen.
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In der Kita Schatzinsel mussten zuletzt Betreuungszeiten gekürzt werden. Dem will die Stadt jetzt mit einem neuem Konzept begegnen.

Oberurseler Kindertagesstätte

In der Schatzinsel gibt es nun betreute Spielzeit

Die Stadt Oberursel will mit einem neuem Konzept Erziehermangel begegnen und wieder mehr Stabilität bei den Betreuungszeiten sicherstellen

Oberursel -Der Markt für Erzieher ist leergefegt. Händeringend suchen alle Kommunen nach Fachkräften. Da ist auch Oberursel keine Ausnahme. Besonders prekär war zuletzt die Lage an der Kita "Schatzinsel" im Hammergarten. Dort mussten in den zurückliegenden Monaten wegen nicht besetzter Stellen und einem hohen Krankenstand sogar die Betreuungszeiten gekürzt werden. Gerade für berufstätige Eltern war das eine logistische Herausforderung, wenn die Kita bereits um 15.30 Uhr schloss. Seit den Sommerferien ist nun Betreuungsschluss um 16 Uhr - aber auch das ist für die Eltern sicherlich nicht optimal.

Die Stadt versucht daher auf verschiedenen Wegen gegenzusteuern. So wurden nach den Sommerferien keine neuen Kita-Kinder in der Einrichtung aufgenommen. Dadurch - und durch den Weggang der Abc-Schützen - hat sich die Zahl der betreuten Mädchen und Jungen auf 18 Krippenkinder und 40-Kita-Kinder reduziert. Insgesamt teilen sich dort 14 Angestellte 11 Vollzeitstellen. Damit ist der gesetzlich vorgegebene Erziehungsschlüssel erfüllt.

Als zweites Mittel wurde in der ersten Jahreshälfte das Konzept einer "betreuten Spielzeit" entwickelt. "Unser Ziel ist es, in Zukunft wieder stabile und zuverlässige Betreuungszeiten anzubieten", sagt der zuständige Erste Stadtrat Christof Fink (Grüne), der einräumt, dass die Kritik der betroffenen Eltern an der Situation der "Schatzinsel" berechtigt gewesen sei.

Doch eine längere Betreuungszeit ist nur mit mehr Personal möglich, also Fachkräften, die es auf dem Arbeitsmarkt nicht gibt. Deswegen habe man mit den "betreuten Spielzeiten" versucht, einen Kompromiss zu finden, mit dem alle Beteiligten leben können, so Fink. Dieser sieht vor, dass von 7.30 bis 14.30 Uhr, in der sogenannten Kern-Betreuungszeit, das Stammteam der Kita die pädagogische Betreuung übernimmt. Gleichzeitig sollen an den Nachmittagen freie Zeiten geschaffen werden, um den Fachkräften Raum für Dienst- und Elterngespräche und für Vor- und Nachbereitungszeiten zu geben - Dinge, die in der Vergangenheit, obwohl wichtig, zu kurz gekommen seien.

Nicht nur

Fachpersonal

Kinder, die bis 16 Uhr den Nachmittag in der Kita verbringen, werden in den eineinhalb Stunden von 14.30 Uhr an nicht unbedingt von Fachkräften betreut. Allein, auch das dafür notwendige Personal fehlt noch. "Wir suchen vor allem zuverlässige Personen, die eine Affinität dafür haben, mit Kindern zu arbeiten", sagt Fink. Daher suche man vonseiten der Stadt im Umfeld von Fachschulen und höre sich auch bei "jungen Rentnern" um, die in Kitas früher gearbeitet haben. An dem Ziel, dass alle Kinder in der Kitas gezielt und individuell gefördert sowie entsprechende Bildungspläne eingehalten werden, werde nicht gerüttelt, versichert der Sozialdezernent.

Familien, die einen höheren Betreuungsbedarf hätten, können das betreute Freispiel nutzen. Der Vorteil: Den Kindern steht ihre gewohnte Umgebung in der Einrichtung zum freien Spiel zur Verfügung, die pädagogischen Angebote finden ihren Schwerpunkt in der Zeit am Vormittag.

Für Fink ergeben sich aus diesem Konzept noch weitere positive Aspekte:

Jungen Menschen, auch aus anderen Berufsfeldern, können über diese Zusatzbeschäftigung einen Einblick in die pädagogische Arbeit zu erhalten und so vielleicht für den Erzieher-Beruf gewonnen werden.

Ältere, erfahrene Fachkräften können nach dem Eintritt in den Ruhestand - zeitlich begrenzt - in ihrem Beruf weiterarbeiten.

Das Haus kann sich so einen "Aushilfspool" für Vertretungen aufbauen.

Langfristig gesehen gibt es Eltern eine Planbarkeit durch verlässliche Betreuungszeiten.

Das Konzept, so Fink habe man im Vorfeld mit dem Elternbeirat der Einrichtung besprochen. Dort sei man zwar der Auffassung gewesen, dass eine durchgehende pädagogische Betreuung wünschenswert wäre, anderseits habe man aber auch das Bemühen der Stadt anerkannt, eine tragfähige Lösung zu finden, die zukünftige Stabilität verspreche. von Alexander Wächtershäuser

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