Urselbach-Gymnasium

Insolvenzverfahren der Privatschule läuft

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Einen Interessenten für das ehemalige Urselbach-Gymnasium-Gebäude gibt es bereits. Das Insolvenzverfahren der Privatschule läuft und möglicherweise gibt es demnächst auch einen Vertragsabschluss.

Mit Beginn des zweiten Halbjahres hatte das Urselbach-Gymnasium geschlossen. Das private Gymnasium musste Insolvenz anmelden, da zuletzt die Spender ausgeblieben waren, die einen wesentlichen Teil der Kosten der Privatschule übernommen hatten.

Hintergrund für die zuletzt zögerlichen Spendenzusagen war die Nähe der Schule zur Gülen-Bewegung und die Furcht der Geldgeber vor dem langen Arm des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Bis zuletzt hatten die Eltern versucht, die Schule doch noch weiter zu führen. Doch die Bemühungen kamen zu spät. Die Schule musste ihren Betrieb bereits zum Ende des ersten Halbjahres einstellen, die Schüler auf andere Schulen verteilt werden. Schule zu, Sache erledigt? Mitnichten.

Denn inzwischen kümmert sich Rechtsanwältin Katja Dönges von der Kanzlei Schiebe und Kollegen als Insolvenzverwalterin um die Auflösung der Schule. Das Insolvenzverfahren, das im März eröffnet wurde, ist in vollem Gange, wie Vaniti Paul, Sprecherin der Kanzlei gegenüber dieser Zeitung erklärte. Während zu Beginn noch die Unterbringung der Schüler und Lehrer im Fokus stand, galt es danach eine Bestandsaufnahme der Vermögenswerte aber auch eine Forderungsliste der Gläubiger zu erstellen.

„Ein Insolvenzverfahren endet nicht mit dem Verkauf des vorhandenen Inventars. Vielmehr ist es Aufgabe eines Insolvenzverwalters, alle vorgefundenen und später noch ermittelten Vermögenswerte zu realisieren, sprich deren Gegenwert in Geld zu vereinnahmen“, erklärte Paul. Zu diesen Vermögenswerten gehören zum Beispiel auch Forderungen gegen Dritte, Haftungsansprüche und Steuererstattungsansprüche. Um diese realisieren zu können, müsse auch eine Prüfung und Aufarbeitung der Buchhaltung erfolgen. Sollten die Ansprüche nicht freiwillig erfüllt werden, erfolge eine Klage gegen den jeweiligen Anspruchsgegner. Das Inventar sei anderen Schulen angeboten worden „und der Mietvertrag konnte inzwischen vorzeitig aufgelöst werden“, sagte Paul.

Ursprünglich hatte die Schule den Vertrag auf etwa zehn Jahre abgeschlossen und zu Beginn des Verfahrens sei noch nicht sicher gewesen, ob sich dieser vorzeitig kündigen lasse. Mit der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ende der Mietvertrag nicht automatisch. Der Eigentümer beabsichtige das Gebäude zu verkaufen, Besichtigungen hatte es bereits zu Beginn des Jahres gegeben. Wem das Gebäude gehört, wollte Paul allerdings nicht sagen. Wohl aber, dass es nicht im Besitz der Schule gewesen sei.

Ein Abschluss des Insolvenzverfahrens sei erst möglich, „wenn alle Vermögenswerte“ abschließend bearbeitet seien. Außerdem müssten auch alle Forderungen der Gläubiger abschließend geprüft sein. Danach könne die Schlussrechnung dem Insolvenzgericht vorgelegt und dort geprüft werden. Nach Abschluss der Prüfung und Zustimmung durch das Insolvenzgericht würden die angefallenen Kosten für das Verfahren beglichen und der Überschuss auf die Gläubiger verteilt. Erst danach sei das Verfahren beendet. „Hierfür ist noch ein Beschluss des Gerichts notwendig“, erklärte Paul.

Bei einem Insolvenzverfahren einer Kapitalgesellschaft werde häufig eine Dauer von mindestens zwei Jahren notwendig sein, damit alle vom Gesetzgeber normierten Aufgaben von dem Insolvenzverwalter erfüllt und die Prüfungen seitens des Insolvenzgerichts vorgenommen werden können. Aktuell wird das Gebäude von „Stil und Wohnen Immobilien“ für rund 5,8 Millionen Euro angeboten. „Einen Interessenten gibt es mit dessen Kaufpreisvorschlag der Insolvenzverwalter wohl auch einverstanden wäre“, sagte Maklerin Mathilde Gezer gegenüber dieser Zeitung. Nun liege das Angebot des Interessenten dem Eigentümer vor, dessen gebotene Summe sich am Gutachterpreis von 5,8 Millionen Euro orientiere. Das Gebäude soll dem Vernehmen nach erhalten bleiben.

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