Jetzt sind Ideen gefragt

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Die Zeichen stehen auf Sanierung statt Abriss des Rathauses: Mehrheitlich stimmten die Stadtverordneten am Donnerstag dafür, in diese Richtung weiter zu planen. Die FDP überraschte mit einem neuen Vorschlag samt Kostenschätzung.

Jetzt kann es an die Verbesserung des Brandschutzes und die Planungen für eine Sanierung des Rathauses gehen: Mehrheitlich votierten die Stadtverordneten am Donnerstagabend – wie schon zuvor im Bau- und im Haupt- und Finanzausschuss – dafür, das Rathaus an seinem Standort zu belassen und zu sanieren, anstatt es neu zu bauen. Zumindest – so die offizielle Lesart – soll in diese Richtung weiter geplant werden.

Wie berichtet, hatte das Bad Homburger Architekturbüro Dr. Vliamos und Partner dem von 1968 bis 1972 gebauten Verwaltungssitz noch eine relativ gute Bausubstanz bescheinigt und eine schrittweise Modernisierung empfohlen. Während diese wohl erst in zwei bis drei Jahren beginnen könnte – so die Schätzung von Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) bei der Vorstellung der Vorschläge –, muss die nun beschlossene Brandschutzsanierung rasch beginnen. Bereits für dieses Jahr stehen Mittel im Wirtschaftsplan des für die Gebäude zuständigen städtischen Betriebs Bau und Service Oberursel (BSO). Insgesamt soll die Brandschutzsanierung 750 000 Euro kosten.

An den Kosten für die allgemeine Sanierung des Rathauses scheiden sich die Geister. Das Gutachten geht von etwa 13,75 Millionen Euro aus, während ein Neubau nach Berechnungen der Architekten mit etwa 23 Millionen Euro zu Buche schlagen würde. Dass diese Zahlen deutlich nach oben gehen können, ist den Stadtverordneten klar. Die Grünen zum Beispiel, die das Rathaus als „Stein gewordene Demokratie“ (Wolfgang Schmitt) gern am Standort erhalten wollen, gehen von Sanierungskosten von mehr als 20 Millionen Euro aus.

Die FDP hat sich derweil beim Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern (BKI) informiert und für einen Neubau auf stadteigener Fläche Kosten von 15 Millionen Euro inklusive Abriss des alten Gebäudes ermittelt. Die FDP möchte bekanntlich das gesamte Rathausareal anderweitig entwickeln. Ihr Änderungsantrag, eine vergleichende Kostenschätzung für die Sanierung des Rathauses sowie für den Neubau auf einer anderen Fläche auf Grundlage des BKI vorzulegen, wurde jedoch abgelehnt. Die Zahl kam den anderen Stadtverordneten doch sehr niedrig vor. „Für 15 Millionen Euro geben wir Ihnen den Auftrag – zum Festpreis“, sagte Andreas Bernhardt (OBG) nicht ganz ernst gemeint in Richtung FDP.

Dabei hatten die Freidemokratinnen Katja Adler und Eva-Maria Kuntsche mit einem Vorschlag überrascht. Sie regten an, das Rathaus am Bahnhof – auf einer Fläche zwischen S- und U-Bahn-Gleisen – zu errichten. Diesen Standort hatte die FDP nach eigener Aussage zuvor nicht benannt, weil sie warten wollte, bis die Stadt ihre neuen Pläne für die Verkehrsführung am Bahnhof vorgestellt hat, erklärte Parteichefin Adler. Das ist bekanntlich in dieser Woche geschehen.

„Wir verbauen uns eine Chance“, sagte Adler in Bezug darauf, dass das Rathaus stehen bleiben soll. Fraktionschefin Kuntsche sprach von „11 000 Quadratmetern in 1-A-Lage“, auf denen wieder „klein-klein“ und kein homogenes Ganzes entwickelt werde. Vorgeschlagen sind bekanntlich neue Bauten auf dem Parkplatz an der Oberhöchstadter Straße und auf dem Wirtschaftshof zwischen Café Arte und Rathaus. Was genau sie sich für diese Fläche vorstellt („etwas, das nach Oberursel passt“), konnte die FDP allerdings nicht sagen.

Deutlich ist inzwischen, dass die Kommunalpolitik einem großen Einkaufszentrum skeptisch gegenübersteht. Dahingehende vormalige Planungen sind längst tief in der Schublade verschwunden. „Wir müssen einen eigenen Weg gehen und ein entsprechendes Profil entwickeln“, sagte Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD).

Im Einzelhandel habe sich viel geändert. „Das lässt die Ansiedlung eines Einkaufszentrums riskant erscheinen“, sagte SPD-Fraktionschef Dr. Eggert Winter und nahm sowohl Bezug auf bereits vorhandene Einkaufszentren in der Region als auch auf den zunehmenden Online-Handel. Ähnlich äußerte sich Michael Reuter (CDU), der auch Chef des Selbstständigenforums Fokus O. ist und großes Interesse an einer Stärkung des Einkaufsstandorts Oberursel hat. In der Innenstadt fehle zum Beispiel ein Vollsortimenter mit mehr als 700 Quadratmetern Verkaufsfläche.

Winter und Reuter machten aber auch deutlich, dass Abriss und Neubau des Rathauses wirtschaftlich nicht machbar seien. Zum Beispiel für die Verkehrsführung am Bahnhof und den Kommunalen Finanzausgleich kommen weitere Kosten auf die Stadt zu. „Ob 30, 20 oder 15 Millionen, wir haben weder das eine noch das andere“, sagte denn auch OBG-Mann Bernhardt.

Laut dem Beschluss wollen die Gremien vor der Sanierung ein Raumkonzept samt Flächenbedarfsplan für die Verwaltung haben. Das eigentliche Sanierungskonzept soll bei einem informellen Ideen-Wettbewerb entwickelt werden. Der Zusatz „informell“ war der SPD wichtig, um klar zu machen, dass es sich um keinen offiziellen Wettbewerb handelt. Auch für die Flächen rund ums Rathaus soll es einen solchen informellen Ideenwettbewerb geben. Die CDU hatte im Zuge der Beratungen angeregt, dass der von den Grünen vorgeschlagene Wettbewerb nicht nur fürs Rathaus, sondern auch für die sogenannten Umgriffsflächen des Rathauses gilt.

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