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Junge Oberurseler Brückenbauer mit großer Kreativität

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Von: Manuela Reimer

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Felix (9) und George (6) haben im Rushmoorpark eifrig Brücken gebaut.
Felix (9) und George (6) haben im Rushmoorpark eifrig Brücken gebaut. © mrm

Mehr als 60 kleine und große Bastler im Rushmoorpark am Start. Verein Kunstgriff freut sich über große Resonanz.

Oberursel -"Es hat richtig Spaß gemacht!", sagt Felix und strahlt. Der Neunjährige ist stolz auf sein Werk: In den Händen hält er eine Landschaft auf einem Stück Styropor, über die eine kleine, gerade Brücke aus Zweigen, Flaschenkorken und Plastiknetzen führt. Auch Rampen zur Brücke hat der Junge gebaut, aus bunt bemalten Eisstielen. Die Bodenplatte hat er grün beklebt und darauf ein paar kleine Plastikbüsche und Holzstücke befestigt. Er habe seiner Fantasie freien Lauf gelassen, erzählt der Grundschüler. "In Kunst machen wir auch manchmal solche Projekte. Kunst ist eines meiner Lieblingsfächer!"

Derzeit sind freilich Ferien, auch in Oberursel, aber zum Glück gibt es den Orscheler Sommer des Vereins Kunstgriff. Noch bis einschließlich Donnerstag läuft eine ganz besondere Veranstaltung im Rushmoorpark am Urselbach-Ufer: die Werkstatt "Kinder bauen Brücken", die eine Premiere im Programm ist. Schon am Montag war die Resonanz riesig: Mehr als 60 kleine und große Bastler seien dabei gewesen, freuen sich die Initiatorinnen Regina Clauß und Claudia Bady, die beide Kunstgriff-Mitglieder sind, am frühen Abend. Bady deutet auf die Wiese, auf der kurz vor Schluss um die 20 fertige Brücken liegen. "Manche Kinder haben ihre nicht mitgenommen, weil sie mit dem Fahrrad hier waren oder weil sie morgen wiederkommen. Ein paar Mädchen haben ihre Brücken auch freigegeben - Kinder, die Interesse haben, dürfen daran weiterbauen. Ist das nicht eine schöne Idee?"

Auch der kleine George (6) hat eine Brücke konstruiert, Papa Alfred Winter hat ein bisschen geholfen. Gut zwei Stunden haben Vater und Sohn getüftelt. "Die Brücke geht über einen Fluss, es gibt auch Bäume", berichtet George. Er hat nicht nur den Grund, sondern auch seine Brücke, die hoch und imposant ist, bunt bemalt: Die breiten Streifen sind gelb, grün, rot, blau, braun und grau, das hat ihm besser gefallen als holzfarben. Oberurselerin Lili (7), die mit ihrer kleinen Schwester Zoe da ist, hatte Unterstützung von ihrem Opa. "Ich habe aber nur ein paar Tipps gegeben, sie hat alles allein gebaut!", sagt Paul Güra lächelnd. Um ihre gebogene Brücke, die aus Pappe ist und die Geländer aus Schreibblock-Spiralen - der erste Versuch aus Holz war nichts geworden -, hat Lili ein paar Häuschen aus Styropor- und Holzklötzen platziert. Die Siebenjährige greift zur Leimflasche: "Das hier muss ich noch mal festkleben!" Die Styroporplatte unter der Brücke und den Häuschen hat sie blau und grün bemalt: See und Wiese.

Lunis, der ebenfalls sieben Jahre alt ist, hat seine Styroporplatte nicht bemalt, dafür durchziehen sie kleine Aussparungen - durch die Kanäle, unter seiner Brücke kann nämlich echtes Wasser aus dem Urselbach fließen, wie er stolz berichtet.

Material aus Natur und Verpackungsmüll

Die Werkstatt "Kinder bauen Brücken" bietet der Kunstgriff statt der beliebten Kinder-Holzwerkstatt an, die es nicht mehr gibt, weil der Künstler andere Verpflichtungen hat. "Brücken sind das Thema in der aktuellen politischen Situation, aber auch sonst. Brücken verbinden Länder, Menschen, Generationen, Opa und Enkel, Mutter und Tochter, dich und mich", erklärt Regina Clauß, die Kunstpädagogin und Lerntrainerin ist. Das Thema sei außerdem für Mädchen und Jungen attraktiv, für kleine Kinder, aber auch Jugendliche, die ebenso kreativ werden können. "Die Kleinen, ab drei, haben heute eher gemalt, die Älteren haben geschraubt und gehämmert. Es war ein ganz freudiges, harmonisches, wuseliges Beisammensein", berichtet Clauß.

Die kleinen Künstler nutzten nur Dinge aus der Natur wie Zweige und Zapfen sowie recyceltes Material, betont die 61-Jährige. "Wir haben alte Stoffe gesammelt, haben Styropor-Verpackungen, Obst-Netze und Kisten aus Pappe bekommen, Fahrrad-Verpackungen. Dazu Farben aus dem Keller, die wir zusammengesucht haben, bevor man sie wegwirft, Sachen von den Nachbarn, manches habe ich auf dem Sperrmüll gefunden." Clauß zeigt ein Stück festes Netz: "Das hier war Teil einer Kellerschacht-Abdeckung. Das ist alles Upcycling!" Und die Mädchen und Jungen, das sei faszinierend, wüssten mit allem sofort etwas anzufangen, ergänzt die 65 Jahre alte Tanzpsychotherapeutin Claudia Bady.

Mit im Boot sitzt auch Landschaftsgärtner Robert Kommraus. Während die Kleinen kleine Brücken bauen, arbeitet Kommraus nebendran an einem neun Meter langen Exemplar, das am Donnerstag fertig sein soll: einer Hängebrücke aus Stahlseilen und Brettern, die vom Ufer bis zur Insel im Weiher führen soll. Clauß und Bady wollen mit den Kindern noch lebensgroße Figuren aus Pappe und Holz herstellen, die die Kinder zum Finale auf der echten Brücke bespielen dürfen: "Da kommen die Charaktere, der Ängstliche, die Coole, der Starke, der Klassenclown, dann in Bewegung und interagieren. Fremd ist man sich nur bis zum Moment der Begegnung", sagt Clauß, die sich schon auf den Donnerstag freut.

Wer noch mitmachen beziehungsweise selbst eine Brücke bauen möchte, hat am heutigen Mittwoch und morgen noch die Gelegenheit dazu (Rushmoorpark, jeweils 14 bis 18 Uhr).

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