Schüler sollen beim Projekt "Karriere mit Lehre" des Vereins Justament von den Profis lernen, um festzustellen, für welchen handwerklichen Beruf sie geeignet sind.
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Schüler sollen beim Projekt "Karriere mit Lehre" des Vereins Justament von den Profis lernen, um festzustellen, für welchen handwerklichen Beruf sie geeignet sind.

Brücke in den Beruf

Justament-Pilotprojekt in Oberursel steht auf der Kippe

  • vonAlexander Wächtershäuser
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Der Verein sucht händeringend Seniorpartner und Handwerker, die Praktika-Plätze anbieten.

Hochtaunus - Der Verein "Justament" unterstützt an der Erich-Kästner-Schule und der Integrierten Gesamtschule Stierstadt in Oberursel sowie der Friedrich-Stoltze-Schule in Königstein und der Gesamtschule am Gluckenstein in Bad Homburg rund 200 Schüler auf dem Weg in das Berufsleben. Rund 40 Seniorpartner bieten in enger Abstimmung mit den Schulen Workshops an. Themen sind dabei das Verhalten im Berufsleben, Praktika, eine bessere Kommunikationsfähigkeit und Kompetenzen zur gewaltfreien Lösung von Konflikten. "Das alles hat in der Vergangenheit prima geklappt", sagt Frank Pietzsch von Justament, "Aber dann kam Corona!"

Schüler lernen Handwerk kennen

Das Prinzip von Justament fußt darauf, dass Seniorpartner aufgrund ihrer Lebenserfahrung Wissen und Kompetenzen an Schüler vermitteln, die an der Schwelle zum Berufsleben stehen . Und wie der Name schon sagt, bedeutet Seniorpartner auch, dass viele dieser Ehrenamtler vom Alter her zur Corona-Risikogruppe gehören. Der Lockdown mit Schulschließungen tat ein Übriges, um die Aktivitäten weitgehend zum Erliegen zu bringen und nicht wenige Seniorpartner beendeten ihre Tätigkeit.

Besonders betroffen von der Pandemie ist das Justament-Pilotprojekt "Karriere mit Lehre", das an der EKS durchgeführt wird. Ausgewählte Schüler, die über eine entsprechende Eignung besitzen, sollen hier über einen Zeitraum von 18 Monaten an einen handwerklichen Beruf herangeführt werden. Dabei sollen den jungen Leuten verschiedene Berufe vorgestellt und Praktika vermittelt werden, damit sie sich in Theorie und Praxis ein umfassendes Berufsbild machen können.

Praktika sind vorgeschrieben

Doch mit der Praxis ist es so eine Sache: "Wir finden niemand, der derzeit Praktika-Plätze anbietet", sagt Pietzsch. Aber auch Schüler mit nicht-handwerklichen Berufszielen geht es nicht besser. Egal, ob Verwaltungsangestellte, Altenhelfer oder Erzieher, Praktikumsplätze werden derzeit aus Pandemiegründen nicht vergeben.

Nach drei Tagen intensiven Telefonierens hatte Pietzsch gerade mal drei Praktika-Stellen an Land ziehen können. Die Situation ist umso prekärer, da Praktika zwingend für den Schulabschluss vorgeschrieben sind und in die Abschlussnote einfließen.

Das mit großen Ambitionen gestartete Justament-Pilotprojekt "Karriere mit Lehre" steht nun auf der Kippe. Pietzsch hofft, dass sich noch einige Handwerker melden, die den junge Leuten - trotz Coronazeiten - eine Chance auf einen Praktika-Platz geben. Noch besser wäre es, wenn ein Mitarbeiter de Betriebs auch mal einen Workshop besuche und dort seinen Beruf vorstelle. Dass sich das auch für den Betrieb lohnt, davon ist Pietzsch überzeugt. Schließlich werde landauf, landab über den Fachkräftemangel und über fehlende geeignete Bewerber geklagt. Hier gebe es die Möglichkeit für Firmen, einen geeigneten Lehrling schon früh für sich zu gewinnen.

Immerhin hat sich an anderer Stelle die Situation für den Verein entspannt. Durch intensive Werbung ist es gelungen, neue Seniorpartner für das Projekt zu gewinnen, die nun geschult wurden. Finanziert wurde das durch den Lions-Club Bad Homburg Weißer Turm. "Wir werden also unsere Tätigkeit im gewohnten Umfang aufnehmen können", sagt Pietzsch.

Handwerker, die sich für das "Karriere mit Lehre"-Projekt interessieren, aber auch andere Firmen, die Praktika-Plätze anbieten, können sich bei Frank Petzsch, E-Mai unter der Adresse f.k.pietzsch47@t-online melden.

Von Alexander Wächtershäuser

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