Kita-Streik

„So kann es nicht weitergehen“

Wie Eltern die Betreuung ihres Nachwuchses während des Kita-Streiks meistern, erzählten sie am Donnerstag am Rande der Demo vorm Rathaus. Nötig sind Flexibilität und Organisationstalent.

Von Carla Marconi

Sie schaut mit weit aufgerissenen Augen um sich und kuschelt sich in den Arm ihrer Mutter: Hanna, viereinhalb Monate alt, gehörte wohl zu den jüngsten Teilnehmern der Demonstration am Donnerstag vor dem Rathaus. Wie berichtet, waren etwa 150 Eltern mit ihren Kindern auf die Straße gegangen, um gegen den Streik in den Kitas zu protestieren.

Hanna ist zwar nicht direkt betroffen, aber ihre drei Jahre alte Schwester Matilda, die die Kita Schatzinsel besucht. Diese wird seit drei Wochen bestreikt, es gibt lediglich eine Notbetreuung, die jedoch einer Lotterie gleiche. „Man wird relativ kurzfristig darüber informiert, ob das eigene Kind dabei ist oder nicht“, sagt Hannas und Matildas Mutter, die ihren Namen nicht nennen will. Bestehe ein größerer Bedarf, als Betreuer zur Verfügung stünden, würden die Plätze ausgelost. Die junge Frau ist auf die Betreuung für ihre große Tochter angewiesen, denn sie studiert. „In den letzten zweieinhalb Wochen bin ich mal daheim geblieben, dann hatten wir eine Notbetreuung, danach wieder nicht. Einige Vorlesungen mussten dran glauben, und Matilda ist ganz schön durcheinander“, erzählt sie. Baby Hanna nehme sie mit zur Uni, das gehe in dem Alter noch. Bei Matilda müsse sie sehr flexibel sein und sich spontan organisieren.

Daheim ruhig sitzen zu bleiben und nichts zu tun sei schwer, daher demonstriere sie. „Wir hoffen, dass ein Weg gefunden wird, der nicht zulasten der Kinder geht“, sagt die Studentin und wiegt behutsam Hanna in ihrem Arm, die immer noch große Augen macht.

Fünfjähriger mit Plakat

Ein paar Meter von ihr entfernt steht der fünfjährige Matteo mit einem Plakat auf dem Rücken, einer Klatschklappe in der Hand und einem umgedrehten Käppi auf dem Kopf. Er ist der Sohn von Linda Lehmann, die die Demo mitorganisiert hat – und zwar aus Überzeugung: „Die Parteien benehmen sich wie Kleinkinder. Es wird Zeit, dass sie sich endlich einigen. So kann es nicht weitergehen“, sagt die Immobilienkauffrau aufgebracht. Bereits seit drei Woche wechselt sie sich mit einer anderen Mutter ab, um die Kinder irgendwie betreut zu bekommen. Darunter litten ihre Arbeit sowie ihre Nerven. Auch das Verhältnis zwischen Eltern und Erziehern sei angespannt, das sei bei der Notbetreuung deutlich zu merken. Doch das Schlimmste sei, dass die Kinder unter dem Streik litten. „Matteo war jetzt drei Wochen schon nicht mehr da, er vermisst seine Kita-Freunde“, erzählt Lehmann. Es fehle aber nicht nur die soziale Komponente. Vorschulkinder verpassten wichtigen Unterricht als Vorbereitung auf die Schule. „Ich will wieder spielen“, steht auf dem Plakat, das Matteo trägt, und er nickt bekräftigend.

Ein anderer Vater sagt: „Es ist ja überhaupt kein Ende in Sicht.“ Glücklicherweise sei er mit seiner Frau und seiner vierjährigen Tochter im Urlaub gewesen. Bei seiner Rückkehr dann der Schock: Streik in der Kita. „Wir sind beide berufstätig und wussten erstmal nicht, wohin mit der Kleinen“, berichtet der Vater. Glücklicherweise sei er Physiotherapeut und konnte so Termine verlegen oder verschieben, um nach seiner Tochter zu schauen. Und einige Tage hätten sie Glück gehabt und einen Platz in der Notbetreuung bekommen. Aber wie solle es weitergehen? „Das ist doch kein Dauerzustand“, betont er und hofft, dass das Motto der Demo Gehör findet. Dieses lautet: „Einigt euch endlich!“

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