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Ein klasse Zug beim Zug: Alte Faschings-Fotos aus dem Taunus

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Von: Christine Sarac

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Hohemark-Bewohner beim Fastnachtszug, vermutlich 1938 oder 1939 in Oberursel. Fuhrwerk der Firma Schott. 

Bild gehört zur Sammlung von Peter Lieder


Repro: Priedemuth
Hohemark-Bewohner beim Fastnachtszug, vermutlich 1938 oder 1939 in Oberursel. Fuhrwerk der Firma Schott. Bild gehört zur Sammlung von Peter Lieder Repro: Priedemuth © Repro: Priedemuth

Wir hatten unsere Leser aufgerufen, in alten Fotoalben zu blättern und nach Bildern vom Taunus-Karnevalszug in Oberursel zu suchen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – finden wir.

Das Feiern mit Gott Jokus hat in Oberursel eine lange Tradition. Wie fest diese in vielen Familien über Generationen verankert ist, zeigen die folgenden alten Aufnahmen aus dem Orscheler Karneval, die uns Leser auf unseren Aufruf hin zugeschickt haben. Gisela Hergenhan zum Beispiel hat gleich die alte Fotokiste ihrer Mutter herausgeholt und dort drei hübsche Bilder von derselben Zugnummer entdeckt, die sie allerdings nicht mehr einem bestimmten Jahr zuordnen kann. „Ich vermute, die Aufnahmen müssen vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden sein“, sagt sie.

Die Eltern von Gisela Hergenhan, Elisabeth und Philipp Centgraf, waren bei der Turn- und Sportgemeinde Oberursel als Turner aktiv. „Besonders mein Vater war sehr sportlich und die Bilder zeigen Mitglieder des Turnvereins in Verkleidung“, berichtet die Oberurselerin. Als Lok mit vielen Anhängern und Zugschaffnern ziehen die Turner durch die Korfstraße und die Untere Hainstraße. Auf einem Plakat, das an einem der Anhänger befestigt ist, steht: „Der Kohl ist ganz fürchterlich. Jawohl! Herr Dr. Dieterich.“ Worauf die Turner anspielten, steht leider nicht auf der Rückseite der Bilder. Die Fotos stammen aus dem Nachlass von Gisela Hergenhans Mutter, die im Alter von 99 Jahren im Jahr 2013 verstarb.

Für Käthe Haustein aus Weißkirchen ist die Erinnerung an die Kindheit auch immer mit dem Taunus-Karnevalszug verbunden. „Ich wohnte mit meiner Familie damals in der Unteren Hainstraße und da lief der Zug ja praktisch vor der eigenen Haustür vorbei. Da war es selbstverständlich, dass wir das Geschehen vom Fenster aus mitverfolgten und oft kamen auch noch Verwandte und Bekannte vorbei, um mit uns das Spektakel zu betrachten“, erinnert sie sich. Daher hat Käthe Haustein auch zwei schöne Bilder in ihrem Zugalbum entdeckt. Das erste zeigt die Faschings-Prinzessin der Hohemark von 1950. „Damals war es so, dass die Hohemark zum Frankfurter Gebiet zählte und die hatte eben eine Faschingsprinzessin“, erinnert sich die 74-Jährige.

Das Besondere daran war jedoch, dass sie selbst damals eine der Pagen der Prinzessin sein durfte. „Die Prinzessin hieß Frau Lindner und ihr gehörte ein Hotel an der Hohemark, ganz in der Nähe des heutigen TIZ. Allerdings existiert das Hotel heute nicht mehr“, sagt Käthe Haustein. Ihre Mutter, gelernte Schneiderin, entwarf sogar die Kostüme für die Tollität und ihre Begleiterinnen. Das andere Foto zeigt Käthe Haustein vor einem geschmückten Haus in der Unteren Hainstraße, das das Alte Rathaus darstellen soll.

Der Schlüssel zum Taunus

Ein großes Gruppenfoto vermutlich aus dem Jahr 1938 oder 1939 hat Peter Lieder beigesteuert. Zu sehen ist eine Gruppe bunt verkleideter Hohemark-Bewohner, die auch einen Mottowagen, der von Pferden gezogen wird, gebaut haben. Auf dem Wagen ist ein großes Tor zu erkennen und eine junge Dame hält den goldenen „Schlüssel zum Taunus“ in der Hand. „Dieses Foto ist in meiner Familie ziemlich herumgegangen und ich habe es schließlich angeboten bekommen, weil ich alte Fotos von der Hohemark sammle“, sagt er.

Die Großmutter von Peter Lieder, Erna Böcher, arbeitete während des Zweiten Weltkrieges im ehemaligen Hotel Lindner, welches damals zum Lazarett umgebaut war. „Die Hohemarker sind ein Schlag für sich, waren aber dadurch, dass sie weit weg vom Schuss lebten, nicht so richtig integriert“, so Lieder. Auf diese Situation soll wohl auch das Plakat mit der Aufschrift „Mir sein aach Orscheler“ anspielen, das der kleine, als Cowboy verkleidete Junge links im Bild hochhält.

Als Volker Serth unseren Aufruf in der TZ las, nahm er dies zum Anlass, sich mit seinem 78-jährigen Vater Heinz zusammenzusetzen. Gemeinsam durchforsteten sie das Familienalbum und entdeckten eine Reihe von Aufnahmen, geschossen von Heinz Serth am 28. Februar 1954. Zu sehen sind Mottowagen und Fußgruppen bei der Aufstellung an der Bleiche, der Zug durch die Innenstadt sowie die Prinzengarde und der Prinz Karneval des Jahres 1954, Günther I. (Habighorst). „Mein Vater war immer interessiert am Karnevalstreiben in der Stadt, hat gern den Zug besucht und tut dies noch, wenn es das Wetter zulässt“, erzählt Volker Serth.

Ein Kleinod ist das Bild von Karnevals-Legende Heinz Ohl, Gründer des Vereinsrings und Mitbegründer des Brunnenfestes. Er ist „als letzter Fußgänger“ mit bandagierten Armen unterwegs. „Ich vermute, Ohl wollte damit auf die sich verändernde Verkehrssituation in Orschel anspielen, denn die Zahl der Autofahrer stieg ja damals immer weiter an.“ Zeitkritische und politische Themen anzupacken, das war typisch für Heinz Ohl, den Mann mit der prägnanten Nase und der tiefen Stimme. Ihm gewidmet ist auch der Preis für die beste politische Zugnummer im Taunus-Karnevalszug: der Ohlenspiegel.

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