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Betty Marris probt schon einmal ihre Rolle als sterbender Baum auf dem Umzugswagen. Winfried Dorn ist derweil noch am Bauen.

Karneval

Kleiner Rat nimmt lokalen Aufreger des Jahres auf die Schippe

Der Umzugswagen des Kleinen Rates vom Karnevalverein Frohsinn beschäftigt sich in diesem Jahr mit Kunst. Er nimmt das umstrittene Lindenbaum-Naturdenkmal im Oberurseler Feld ins Visier.

Von der Bratwurstkönigin zum Naturdenkmal – diese Karnevalskarriere absolvierte Betty Marris vom Karnevalverein Frohsinn 1890 innerhalb eines Jahres. Denn während die Närrin in der vergangenen Saison zur Regentin gekrönt wurde, ziert sie in diesem Jahr den Umzugswagen des Kleinen Rates als Baum. Denn sie stellt das Lindenbäumchen im Oberurseler Feld dar, das zum umstrittenen Kunstwerk avanciert ist, und daher als Motiv den aktuellen Karnevalswagen der Korporation des Karnevalvereins Frohsinn ziert.

Betty Marris soll beim Taunus-Karnevalszug am 11. Februar aus einem Stamm-Nachbau springen. In der Feldscheune von Jörg Steden, bei der Vorstellung des Umzugswagen des Kleinen Rates, schlüpft sie erstmals in ihre Rolle. „Das schaukelt ganz schön hier oben“, meint sie, als sie sich in die extra für sie angefertigte Holzvorrichtung begibt, die von braunen Säcken bedeckt ist.

Außerdem könne sie sich nicht hinsetzen wie ursprünglich geplant. Denn sie müsse den Ast in ihrer Hand höher halten. So jedenfalls lautet die Anweisung von Winfried Dorn, dem Chefkonstrukteur des Wagens. Bei der Gestaltung wurde er in diesem Jahr von fünf Mitstreitern jeweils samstags unterstützt, wobei sie nach Weihnachten mit dem Bau angefangen haben.

Beim Motiv habe man sich in diesem Jahr von dem umstrittenen rund 80 000 Euro teuren Lindenbaum-Kunstwerk, das im Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes gelandet ist, inspirieren lassen, erläutert er. Der Stahlrahmen rund um das geschichtsträchtige Naturdenkmal sowie der Betty-Baum dominieren auch den Wagen, der von mehreren kleinen und einem großen Buch geschmückt wird. Aussagen wie „Sterbender Baum grüßt seine Fans“ oder „Schafe in Orschel, schlau wie Sau“, sollen Anspielungen auf die Lesungen sein, die am Lindenbaum im Oberurseler Feld veranstaltet werden.

„Wir sind mit diesem Motiv weder pro noch contra, sondern wollen nur zum Nachdenken anregen“, meint Dorn. Daher werde der Umzugswagen von der Fußtruppe in Schafskostümen, die eine überdimensionale Brille tragen sowie Pappbücher mit sich führen, begleitet. „Die Bücher bestehen aus umgestalteten Pizza-Calzone-Kartons“, erzählt der Wagenbauer lachend. Die Titel, die von Grass Blechtrommel bis zum Tod im Taunus reichen, habe er extra ausgesucht, um eine vielfältige Mischung zu bieten. Wie das Naturdenkmal unter Schafsbegleitung beim Umzug aussehen wird, darauf dürfen die Besucher des Taunus-Umzuges also gespannt sein.

Auch die Orscheler Kerbeborsche setzen in diesem Jahr bei der Gestaltung ihres Umzugswagens auf Baummotive. Außer einem großen Baum sowie verschiedenen kleinen Christbäumen wird ein Brunnen ihren Wagen schmücken, wobei aus letzterem sogar Wasser sprudeln werde, versprechen Kai Hofstetter und Valentin Steden. Sie gehören zu einer Gruppe von etwa acht Kerbeborsche, die bei der Gestaltung des Umzugswagens mit dem Motiv „Wunschbrunnen mit Märchenwald“ mitmachen.

„Der Wunschbrunnen soll uns unsere Wünsche erfüllen. Einer davon ist, dass bald ein Wirt für das Gasthaus Zum Adler, unsere Stammkneipe, gefunden wird“, sagen die beiden. Die Tatsache, dass der alte Wirt aufhört, sei auch die Inspiration zum Bau des diesjährigen Umzugswagens gewesen. Doch das ist nicht der einzige Wunsch der Kerbeborsche. „Dass der Marktplatzbrunnen Apfelwein führt, das wäre auch nicht schlecht“, sagen beide grinsend.

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