Die Nachfrage nach Krippenplätzen wächst - auch in Oberursel.
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Die Nachfrage nach Krippenplätzen wächst - auch in Oberursel.

Ausbau soll forciert werden

70 Krippenplätze fehlen in Oberursel

  • vonManuela Reimer
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Eltern haben einen Rechtsanspruch, aber die Stadt will Klagen vermeiden und sieht zusätzliche Kapazitäten in der Nachbarschaft - der Blick richtet sich nach Bad Homburg.

Oberursel -Für Kinder unter drei Jahren stehen in Oberursel in Krippen und bei Tagesmüttern rund 550 Betreuungsplätze zur Verfügung - das ist nicht genug: Legen doch die Zahlen im Online-Anmeldesystem Little Bird nahe, dass der hiesige Bedarf bei knapp 80 Prozent liegt. Mit anderen Worten: Mehr als 70 Plätze für die Jüngsten fehlen, Tendenz steigend.

Wie die anderen Kommunen mit Kitaplatz-Mangel steht deshalb auch die Brunnenstadt in der Pflicht, den Ausbau der Kapazitäten voranzutreiben - schließlich muss sie ein bedarfsgerechtes Angebot vorhalten, und zwar auch im Krippen- beziehungsweise Tagespflegebereich, schließlich gilt der Rechtsanspruch auf frühkindliche Betreuung und Förderung seit 2013 bereits ab dem vollendeten ersten Lebensjahr.

"Die Nachfrage nach frühkindlicher Betreuung ist akut hoch", heißt es in einer Beschlussvorlage des Magistrats, die jetzt im Sozial-, Bildungs- und Kulturausschuss (SBKA) auf der Tagesordnung stand. Aktuell gebe es zwar keine Rechtsanspruchsfälle, berichtete Erster Stadtrat Christof Fink (Grüne), und auch in den vergangenen Jahren handelte es sich um Einzelfälle. Die Zahl habe zwischen null und fünf geschwankt. Allein: "Unser Ziel sollte sein, diese Klagen komplett zu vermeiden", so Fink. Dafür würden die Spielräume aber immer enger.

Der Aktionsplan, den das Stadtparlament im vergangenen Jahr beschlossen hat, beschreibe zwar auch im Krippenbereich Optionen - die seien aber alle nur mittel- bis langfristig umsetzbar. Um zeitnah Plätze für Mädchen und Jungen zwischen eins und drei zu schaffen, geht die Stadt jetzt andere Wege: Geplant ist, dass die Kapazitäten, die Oberursel in der benachbarten Kurstadt belegt, und zwar in der Kita Taunuskrebse auf dem Gelände der Hochtaunus-Kliniken, ausgeweitet werden. Seit Januar sind es zehn Plätze, bis zu zehn weitere sollen jetzt zu den gleichen Konditionen eingekauft und Oberurseler Kindern zur Verfügung gestellt werden.

Ein Drittel der Plätze bei Tageseltern

Bedingt durch den Festzuschuss - 1000 Euro pro belegtem Platz und Monat - seien die Kosten für die Stadt gut planbar, und "der geforderte Zuschuss liegt im Vergleich zu den anderen Krippeneinrichtungen im Durchschnitt", argumentiert die Verwaltung. Pro Jahr muss die Stadt dem Träger der Taunuskrebse, der KiT GmbH, künftig also bis zu 240 000 Euro überweisen.

"Die Familien sind dort hochzufrieden", weiß Daniela Neuhäuser aus dem Rathaus. Der Fahrtweg sei kein Problem - gerade für Eltern, die in Frankfurt arbeiteten - und auch die langen Öffnungszeiten würden geschätzt. Die neuen Plätze sollen deshalb auch gezielt Familien, die eine Betreuung bis 17 Uhr oder länger benötigten, angeboten werden, außerdem jenen, die schon in Kontakt mit dem Jugendamt stehen, weil sie keinen Platz haben.

Der SBKA gab geschlossen sein Okay - mit Kritik sparten die Ausschussmitglieder dennoch nicht. So forderte die SPD-Fraktion, dass die "Mangelverwaltung" aufhöre. "Zehn Plätze sind ein Tropfen auf den heißen Stein", meinte Brigitte Geißler-Burschil, die sich ärgerte: "Wir schmücken uns mit der Bezeichnung ,familienfreundlich'. Für viele Familien ist das aber nicht so." Susanne Kügel (CDU) plädierte dafür, die Tagespflege zu stärken. "Dann können wir den U3-Bereich künftig besser abdecken."

Das will auch die Stadt: Ein Drittel der Plätze steht bei Tageseltern zur Verfügung, und das gelte es beizubehalten, stellte Erster Stadtrat Fink klar. Die beiden Tagespflegevereine erfreuten sich "stabiler Nachfrage" und dass die Tagesmütter nach dem Corona-Lockdown die Arbeit schon vor den Kitas wieder aufnehmen durften, habe einen "großen Imagegewinn" mit sich gebracht.

Dr. Claudia Koch-Brandt (AfD) unterdessen fürchtete eine "Überversorgung - danach hören sich zehn Plätze an, wenn es aktuell keine Rechtsanspruchsfälle gibt". "Dass keine Familie mit dem Rechtsanwalt beim Jugendamt auf der Matte steht, heißt nicht, dass es keine Kinder gibt, die keinen Platz haben", entgegnete Fink. Die Stadtverordnetenversammlung, die am 1. Oktober tagt, hat das letzte Wort. mrm

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