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Alberti-Gebäude

Kulturzentrum in weite Ferne gerückt

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Wie geht es weiter mit der Windrose? Der traditionsreiche Oberurseler Integrationsverein sucht dringend eine neue Bleibe. Denn die Idee, Teil eines soziokulturellen Zentrums in den Alberti-Räumen an der Strackgasse zu werden, lässt sich in absehbarer Zeit nicht verwirklichen.

Zurzeit, sagt Reinhard Dunger, ergehe es dem Internationalen Verein Windrose so wie den vielen Flüchtlingen, um die sich die Aktiven kümmern. „Wir stehen vor einem totalen Nichts“, erklärt der Vorsitzende. Der Oberurseler Integrationsverein, der seit 1976 besteht, sucht schon länger eine neue Bleibe: Das marode Vereinsheim mit dem Lokal der Windrose in der Neutorallee – das Gebäude befindet sich in städtischem Besitz – soll abgerissen werden. Zudem sei den Aktiven jetzt das historische Bahnwärterhäuschen durch den städtischen Eigenbetrieb BSO gekündigt worden, zum Jahresende 2019, wie Dunger berichtet.

Bekanntlich gibt es Pläne, das Areal am Bahnhof stadtplanerisch zu entwickeln. Mehr Platz – an einem neuen Standort – benötigt auch die ehrenamtliche Fahrradwerkstatt Flickwerk, die bislang in der Oberen Hainstraße untergebracht ist. „Alle Räume sind uns gekündigt“, sagt der Windrose-Chef.

Und die Lage spitzt sich zu: Denn während es vor Kurzem noch so aussah, als könnte die Windrose mit ihren verschiedenen, im Stadtgebiet verstreuten und improvisiert untergebrachten Gruppen und Aktivitäten Teil eines Kommunikations-, Kultur- und Begegnungszentrums für alle Nationen werden, das die Stadt im Alberti-Gebäude an der Strackgasse einrichten wollte, ist diese Möglichkeit jetzt in weite Ferne gerückt. „Die notwendige Investition ist ein Thema – auch wenn ich noch nicht ausschließen würde, dass es an diesem Standort doch klappt“, sagt Michael Behrent, Vize-Chef der Windrose.

„Alles unausgegoren“

Heiner Alberti hält sich gestern auf Nachfrage dieser Zeitung bedeckt: Über die künftige Nutzung des Hauses mache man sich Gedanken. Allein: „Das ist alles noch unausgegoren“, so der Seniorchef. Es gebe verschiedene „Denkmodelle“, mehr könne er dazu noch nicht sagen. Ebenso wenig steht laut Alberti fest, wann genau der Traditionsbetrieb die Altstadt verlässt und seinen Neubau im Gewerbegebiet Nördliche Riedwiese bezieht.

Klar indes ist: Die Stadt wird es entgegen der ursprünglichen Idee nicht sein, die dort das soziokulturelle Zentrum entwickelt. „Das ist nicht darstellbar“, unterstreicht Rathauschef Hans-Georg Brum (SPD) im Gespräch mit dieser Zeitung. Hintergrund ist eine Absage des Landes Hessen; in Wiesbaden hatte man sich um Fördermittel bemüht. Brum: „Wir haben das Projekt angemeldet – aber nicht den Zuschlag bekommen.“

Am und im Haus hätte laut Rathauschef für die neue Nutzung viel gemacht werden müssen – 80 Prozent der Kosten, Hunderttausende von Euro, hätte das Land bei positivem Bescheid getragen. „Eine solche Investition ist uns dort nicht möglich. Das wäre auch gegenüber anderen Vereinen nicht vertretbar“, meint der Rathauschef. Gleichwohl unterstütze man die Windrose, die eine für Oberursel sehr wertvolle Arbeit leiste. So gebe es bereits Alternativen, um die man sich bemühe. „Der Platz in der Innenstadt ist limitiert, aber ich denke, dass wir da etwas hinbekommen.“ Ziel sei ein „geordneter Übergang“. Das Vereinsheim werde niedergelegt, wenn die Windrose es nicht mehr benötige. „Aber das kann auch nicht mehr ewig gehen.“

Ziel des Vereinsvorstands ist, im kommenden Jahr eine Lösung zu finden, wie Windrose-Vize Behrent betont. Fest steht, dass man in die Mitte von Oberursel will. „Wir wollen sichtbar sein.“ Benötigt werden Räume und Büros für Unterricht, Schulungen, Meetings, Supervision und die Sozialarbeit.

Auch für das geplante gastronomische Angebot gibt es schon Ideen: So soll am neuen Treffpunkt ein Kulturcafé mit internationalen Speisen und wechselndem Programm entstehen. Behrent: „Wir wollen Menschen aller Kulturen und Generationen zusammenbringen.“ Die Gewinne aus dem Café sollen in die Bildungs- und Sozialprojekte der Windrose fließen.

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