Katholische Liebfrauen-Kirche

Liebfrauen wird 50 Jahre alt

Seit 50 Jahren besteht die katholische Liebfrauen-Gemeinde. Das Gotteshaus ist nicht nur Treffpunkt für Gläubige, sondern auch für Freunde der Kirchenmusik.

Von Christine ?arac

Der rote Backstein leuchtet in der Sonne, unterbrochen von Sichtbeton. Die katholische Liebfrauenkirche an der Berliner Straße ist ein typisches Bauwerk der 60er Jahre. Wer die schwere Holztür zum Kirchenraum öffnet, hält automatisch inne. Das liegt daran, dass der schlichte Raum mit den großen Buntglasfenstern unverhofft riesig erscheint.

„Ja, es ist eine sehr große Kirche“, sagt Uta Pevec, Vorsitzende des Ortsausschusses Liebfrauen in der Großgemeinde St. Ursula. Seit 20 Jahren lebt die heute 47-Jährige in der Gemeinde, und ebenso lange engagiert sie sich hier. „Ich bin aus beruflichen Gründen nach Oberursel gezogen und über den Jungen Chor in die Gemeinde gekommen“, erinnert sie sich. Bis heute singt sie dort mit, vor acht Jahren wurde sie in den jetzigen Ortsausschuss gewählt. Mit ihrem Team hat sie das Jubiläumsfest zum 50-jährigen Bestehen der Gemeinde organisiert (siehe ZUM THEMA).

Die Kirche wurde 1963/64 nach den Plänen des Kirchenbaumeisters Professor Dr. Rudolf Schwarz errichtet. Wie der von Gemeindemitglied Jürgen Krick zum Jubiläum gestalteten Info-Broschüre zu entnehmen ist, handelt es sich um eine Marienkirche, die nach dem Vorbild der Trierer Liebfrauenkirche gestaltet wurde. Am 1. Mai 1965 wurde die Pfarrei Liebfrauen durch ein Dekret des damaligen Limburger Bischofs, Dr. Wilhelm Kempf, geschaffen. Die Kirche wurde erst zwei Jahre später durch Weihbischof Walter Kampe eingeweiht, obwohl bereits im Juni 1964 der erste Gottesdienst gefeiert worden war. Warum das so war, geht aus der Chronik nicht hervor.

Als erster Pfarrer der Gemeinde war Erich Einig tätig. Derzeit betreut Pfarrer Andreas Unfried die Gläubigen. „Man hat damals einen so großen Bau geplant, weil man dachte, dass hier ein großes Neubaugebiet erschlossen würde, das schließlich doch nicht kam“, weiß Uta Pevec. Die Kirche bietet etwa 500 Menschen Platz.

Imposant sind die acht Glasfenster des Wiener Künstlers Giselbert Hoke. Sie kamen erst 1967 hinzu. Die Gemälde entstanden aus der Inspiration des Gesanges der Jünglinge im Feuerofen, Texte aus dem Buch Daniel, die nicht in den biblischen Kanon aufgenommen wurden.

Zurzeit gehören etwa 1300 Mitglieder zu Liebfrauen, die somit eine der kleinsten Pfarreien der Stadt ist. Die wohl größte Veränderung für die Mitglieder kam am 1. Januar 2012 mit der Schaffung der Pfarrei neuen Typs St. Ursula Oberursel/Steinbach, zu der acht Gemeinden gehören. „Wir bewegen uns da in einem Spannungsfeld“, sagt Uta Pevec. „Einerseits bietet die Großpfarrei Schutz und Hilfe, auf der anderen Seite versuchen wir natürlich, unsere Eigenständigkeit und unsere Individualität durch Gruppen und Kreise beizubehalten.“ Was die Liebfrauen-Gemeinde besonders auszeichne, erläutert Uta Pevec, sei der Schwerpunkt auf musikalische Angebote und Veranstaltungen.

Dass sich dies so entwickeln konnte, dazu hat sicher die Anschaffung der Klais-Orgel beigetragen, auf die die Gemeinde sehr stolz ist. Nach vierjähriger Planungs- und Bauzeit wurde das Instrument am 10. Oktober 1970 eingeweiht. Die Orgel umfasst vier Manuale, 52 Register und 3814 Pfeifen und wurde von der Firma Klais aus Bonn gebaut.

Der 1992 gegründete Förderkreis der Gemeinde hat sich deshalb als Schwerpunkt die Förderung der Kirchenmusik zur Aufgabe gemacht. So gastierten in den vergangenen Jahrzehnten viele hochkarätige Musiker wie Giora Feidman oder Ludwig Güttler in dem Gotteshaus.

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