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Die Macht der Fastnacht

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Trotz bescheidener Wetterverhältnisse ließen sich die Narren beim diesjährigen Taunus-Karnevalszug die Laune nicht vermiesen. Mehr als 30 000 Besucher säumten die Straßen der Oberurseler Altstadt und erlebten ein farbenfrohes Spektakel der Spitzenklasse.

Von CARLA MARCONI

Pünktlich um 14.11 Uhr hatte Petrus ein Einsehen mit den Oberurseler Narren, die Wolkendecke riss auf und es hörte auf zu regnen. So konnten die rund 2700 Akteure sowie die mehr als 30 000 Besucher des diesjährigen Taunus-Karnevalszuges trockenen Fußes einen der Höhepunkte der Kampagne erleben.

Und der drittgrößte Zug in Hessen konnte sich nicht nur sehen lassen, sondern übertraf so manche Erwartung. Während alle Teilnehmer beste Laune verströmten und ordentlich „Kamelle“ in die ebenso fröhliche Besuchermenge, die nicht ganz so groß wie im vorigen Jahr war, warfen, hinterließen einige der insgesamt 167 Zugnummern – übrigens so viele wie noch nie – einen besonders nachhaltigen Eindruck. Da sei der Motivwagen der Frohsinn-Sänger erwähnt, der das Thema Star Wars auf eine eigene Weise interpretierte und mit einem besonderen Raumschiff durch die Orscheler Galaxie fuhr. Angeführt von Darth Vader und dem frommen Wunsch „Möge die Macht des Faschings mit euch sein“, war ein äußerst erschreckender „Todesstern“ auf den Planeten Ursella gerichtet.

Beim Todesstern handelt es sich um diverse Einkaufszentren, die den Einzelhandel in der Taunus-Stadt bedrohten, was im folgenden Spruch deutlich wurde: „Der Todesstern, der ballert glatt unseren Einzelhandel platt!“

Geballte Power verströmten etliche Fußgruppen, beispielsweise die Zwerge des BCV, die mit ihren aufwendigen Kostümen – einem rotweiß gepunkteten Pilzrock, darüber kleinen Beinchen, Zipfelmütze sowie Bart und Schürze – ihr diesjähriges Kampagnen-Motto unterstrichen: „In jedem noch so dollen Verein kann auch mal ein Giftzwerg sein.“ Ebenso farbenfroh und nicht minder aufwendig waren auch die Raupen-Kostüme des CluGeHu aus Weißkirchen. Überhaupt waren die marschierenden Karnevalisten oft eine Augenweide. Seien es die elegante Masken tragenden Mitglieder der Orkas 08, die zum Carnevale di Venezia einluden, die Staabacher Pitschetreter, die den Teufel mitgebracht hatten und mit Hörnchen und Gabel ganz schön gefährlich wirkten, oder die Orscheler Kerbeborschen, die hinreißende Hühnertänze hinlegten.

Es gab einiges Tierisches zu sehen: Vorneweg der Pinguin on Tour der TCC Pinguine Schwalbach mit Iglu. AKK Kelkheim ging mit Giraffen, Zebras und Löwen an den Start. Und die Dallas Dream Boys des Männerballetts Oberhöchstadt verbreiteten als Giraffen und Hühner kostümiert beste Stimmung. Sogar das Blasorchester Stierstadt trat in Kuh-Kostümen an. Ebenfalls zu den musikalischen Hörgenüssen zählten das mit ihren Hüten auffallende Fanfarencorps Königstein, die schaurig-schönen Kinziggeister sowie die Samba-Trommeln-Musikgruppe.

Ebenso lautstark wurde auf diversen Motivwagen gefeiert – etwa auf der Puder-Rosa-Ranch des TV Obernhain, auf dem Schiff des UCV Usingen, das gen New York fuhr, beim Kransberger Narrenclub mit Weißbier, Dirndl und Lederhos und im golden schimmernden Palast der Usinger Narrenzunft. Und wie sieht es mit markanten Sprüchen aus? Wie wäre es mit „Wer ein Idol will sein, der spielt zuerst in Bommersheim“? Damit präsentierten sich die Kids des SV Bommersheim. Und die Väter mit Herz aus Oberstedten meinten: „Superhelden ohne Umhang heißen Papa“, die sich aber beim Taunus-Umzug in Superman-Kostüme bewundern ließen.

Auch einige Zuschauer zogen die Blicke auf sich. Beispielsweise zwei 48-jährige Damen in Pink und mit rosa Schärpe geschmückt, die verkündete: Playmate 1986. „Das waren unsere besten Jahre“, meinten Antje Franke und Nicole Henrich gut gelaunt, die jedes Mal beim Taunus-Umzug mit von der Partie sind und sich immer anders kostümieren. Der siebenjährige Noah hingegen, der eine Darth-Vader-Maske trug und das dazugehörige Lichtschwert, freute sich besonders auf eines. Nachdem er die vergangenen Jahre beim Zug mitgelaufen ist, konnte er nun endlich jede Menge „Kamelle“ fangen.

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