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Ein schwieriger Fall: Die Suche nach der Ursache, warum die Solarlampe nicht mehr funktioniert, nahm einige Zeit in Anspruch.

So macht Reparieren Spaß

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Wegwerfen? Nein danke! Fortan heißt es einmal im Monat „Oberursel repariert“. Die Premiere der Netzwerk-Bürgerengagement-Initiative am Samstag war ein voller Erfolg. Und auch wenn nicht allen der 29 mitgebrachten Bügeleisen, Musikanlagen, Handmixern und Co. neues Leben eingehaucht werden konnte – den Versuch war’s wert.

Wenn die Technik nicht will, wie man selbst, dann ist das ziemlich ärgerlich. Zumal wenn Gerätschaften urplötzlich den Geist aufgeben, die tagtäglich zum Einsatz kommen (sollen). Noch ärgerlicher und fast schon eine Kapitulation ist es allerdings, Kaffeemaschine, Telefon und Co. dann mir nichts, dir nichts wegzuwerfen. Das produziert Müll und Kosten.

Für alle, die da nicht mitmachen wollen, aber für etwaige Reparaturversuche weder über das notwendige Werkzeug noch das ebenso erforderliche Know-how verfügen, hat das Netzwerk Bürgerengagement Oberursel (NBO) nun ein neues Angebot ins Leben gerufen, und zwar in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC) Bad Homburg. Fortan heißt es einmal im Monat, immer am ersten Samstagvormittag, „Oberursel repariert“ im Georg-Hieronymi-Saal. Vergangenen Samstag war Premiere – und die war ein voller Erfolg.

Gegen 12 Uhr blättert ein zufriedener Harald Pratt vom NBO am Empfangstresen durch mehrere Listen. „Gerade kam Kunde Nummer 25 – die Resonanz hat unsere Erwartungen übertroffen.“ Man habe sich unter anderem schon einer Brotschneidemaschine, eines Faxgeräts, eines Radiorekorders, einer Kaffeemaschine und einer Solarlampe angenommen. „Die wird immer noch repariert, da sind wir schon seit über einer Stunde dran“, berichtet Pratt, einer der Initiatoren des Projekts, und deutet auf einen der vier Arbeitsplätze in seinem Rücken.

An den gut ausgeleuchteten Tischen voller Werkzeug, Steckdosenleisten und Kabeln sitzen sich die ehrenamtlichen „Reparierer“ von NBO und DARC – heute sind es ganze zehn, weil Premiere ist – und die hoffnungsfrohen Haushalts- und Unterhaltungselektronikbesitzer gegenüber, dazwischen wird mit Schraubenzieher, Lötkolben, Spannungsmesser und Co. am offenen Herzen operiert. Für die Nerven gibt’s zwischendurch Kaffee, Käsekuchen und einen netten Plausch.

Dass die Kunden dabei bleiben – und teilweise sogar angeleitet assistieren – gehört, wie Pratt berichtet, zum Konzept. „Das ist

Hilfe zur Selbsthilfe

“, erklärt der Engagement-Lotse, was allerdings auch mit versicherungstechnischen Gründen zu tun habe; selbstverständlich können weder das NBO noch die Experten garantieren, dass ihr Einsatz Erfolg hat. Dafür ist das Ganze für die Kunden kostenlos, lediglich Ersatzteile müssen unter Umständen bezahlt werden. „Gut 50 Prozent der Geräte haben wir hier und heute wieder hinbekommen“, berichtet Pratt nicht ohne Stolz.

Dass das Dampfbügeleisen Modell „Freestyle“ zu Ersteren gehört, hofft auch Ellen Schmidt, die gerade angekommen ist – bis 13 Uhr werden es insgesamt 29 Kunden sein, und zwar auch aus Nachbarstädten. Das Bügeleisen der Oberurselerin spinnt – „ich dachte erst, es ist ganz kaputt, aber dann ging es plötzlich mal wieder; mein Mann hat schon gesagt, Bügeleisen kann man nicht reparieren, aber ich dachte, einen Versuch ist es wert“, erklärt sie Daniel Grohmann. Der 34 Jahre alte Elektrotechnik-Student aus der Brunnenstadt, der gern tüftelt und deshalb auch gleich von der Idee begeistert war, auf die er über die sozialen Medien aufmerksam wurde, prüft erst einmal das Kabel. „Hier kann ich auf den ersten Blick nicht erkennen, dass das lose wäre.“ Ob es an der heimischen Steckdose liegen könne, fragt die 68 Jahre alte Besitzerin. „Das ist eher unwahrscheinlich“, weiß der Experte. „Es wird der Thermostatschalter sein – aber da kommen wir nicht dran, ohne das Bügeleisen komplett zu zerstören.“ So sei es heutzutage bei vielen Geräten, sie ließen sich nicht auseinanderbauen, ohne sie zu beschädigen, und wenn, dann sei es schwieriger als früher, den Schaden auszumachen. Nach vielen Jahren treuer Dienste werde dann wohl doch mal ein neues Bügeleisen fällig, „schade“, sagt Ellen Schmidt. Von „Oberursel repariert“ ist sie dennoch begeistert. „Ich werde wiederkommen.“

NBO-Geschäftsführerin Margit Fell freut’s. „Das ist unser erstes eigenes Angebot – schön, dass das so gut anläuft.“ Ähnliche Reparatur-Cafés gebe es schon in 40, 50 hessischen Kommunen, das Land unterstütze das Projekt finanziell. Von dem Budget, einem niedrigen vierstelligen Betrag, habe man unter anderem die Arbeitsleuchten angeschafft, berichtet Fell.

Ihre Mitstreiter und sie suchen übrigens noch interessierte Tüftler; Kontakt: (0 61 71) 5 02–180, Zeit_spenden@oberursel.de. Die nächste Reparaturwerkstatt im Hieronymi-Saal am Rathaus findet am 5. März statt, wieder von 10 bis 13 Uhr.

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