Auch bei ernsthaften Problemen: Vanessa Rückemann legt bei ihren Beratungsgesprächen Wert auf eine entspannte Atmosphäre. Da darf dann auch schon mal gelacht werden.
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Auch bei ernsthaften Problemen: Vanessa Rückemann legt bei ihren Beratungsgesprächen Wert auf eine entspannte Atmosphäre. Da darf dann auch schon mal gelacht werden.

Hilfe bei der Ausbildung

Manchmal genügt schon ein Schubs

Mitunter haben Azubis Probleme mit ihrer Lehrstelle. Was sollen sie tun, wenn beispielsweise Arbeitszeiten nicht eingehalten werden oder aber wichtige Lehrinhalte einfach nicht vermittelt werden. Für solche Fälle ha ben sie jetzt eine neue Ansprechpartnerin.

Von CHRISTINE ?ARAC

Was tun, wenn es im Job oder in der Schule gerade nicht so gut läuft? Auf dem Weg ins Erwachsenen- und Berufsleben stellen sich manchmal Probleme, auf die man als Jugendlicher nicht gleich eine Antwort parat hat. Die meisten wollen aber in so einer Situation nicht unbedingt mit den Eltern drüber reden. Dann ist guter Rat teuer – oder auch nicht: Denn seit dem 1. April betreut Vanessa Rückemann als Ausbildungsbegleiterin Jugendliche an der Feldbergschule.

Ihre Tür steht im wahrsten Sinne des Wortes immer offen. Im Untergeschoss der Dependance der Feldbergschule im Gewerbegebiet An den Drei Hasen klebt ein großes Plakat mit der Aufschrift „Die Ausbildung schaffen“ und fröhlich dreinblickenden Jugendlichen an ihrer Tür. Immer montags von 8.30 bis 14 Uhr können die Schüler der Feldbergschule bei ihr im Raum B 002 vorbeischauen, wenn es nicht so rund läuft. „Meistens geht es um Schwierigkeiten in der Ausbildung“, weiß Rückemann aus Erfahrung. „Zum Beispiel, dass die Arbeitszeiten vom Betrieb nicht eingehalten werden, mancher fühlt sich auch schikaniert oder zu Unrecht angegriffen, und es kommt auch vor, dass Ausbilder ihre Schützlinge zu viel sich selbst überlassen und zu wenig Inhalte vermitteln“, zählt Vanessa Rückemann nur einige Beispiele aus ihrer alltäglichen Praxis auf. Aber auch schulische Probleme und in seltenen Fällen auch persönliche schwierige Lebensumstände werden von den Jugendlichen angesprochen.

Weg zur Selbstständigkeit

„Doch bei meiner Beratung geht es nicht darum, dass mir ein Problem vorgetragen wird und ich dann die Lösung präsentiere“, erklärt die gebürtige Wiesbadenerin. „Die eigentliche Arbeit mit den Jugendlichen besteht darin, sie bei der Lösung ihrer Schwierigkeiten zu unterstützen, Möglichkeiten aufzuzeigen und gemeinsam Ziele auszuloten und zu definieren“, so Rückemann. Sie wolle Wege in die Selbstständigkeit aufzeigen, nicht bevormunden. „Der ideale Ratsuchende hat schon einen Plan gemacht und braucht nur noch einen kleinen Schubs von mir in die richtige Richtung“, erzählt die 34-Jährige schmunzelnd. „Die meisten trauen sich das aber nicht“, weiß sie. Für ihren Job braucht die Ausbildungsbegleiterin viel Fingerspitzengefühl, aber genau das mache der Reiz ihrer Tätigkeit aus. „Die Arbeit mit den Jugendlichen ist toll“, schwärmt sie.

Ursprünglich hat Vanessa Rückemann an der Uni Mainz Germanistik und Komparatistik studiert. „Sprache hat mich schon als Jugendliche fasziniert. Ich habe mit drei Jahren zum ersten Mal Theater gespielt und war viele Jahre in einer Theatergruppe aktiv. Und eine große Leseratte bin ich bis heute geblieben“, erzählt sie. Ihre erste Stelle trat sie als Assistentin der Geschäftsleitung bei den Rhein-Main-Hallen in Wiesbaden an. „Da wurde mir irgendwann die Ausbildungsleitung übertragen, weil ich mit den Azubis gut konnte“, sagt sie lachend. Das war gewissermaßen der Wendepunkt in ihrem beruflichen Leben. „Ich habe gemerkt, dass mir diese Aufgabe unglaublich viel Freude macht“, erinnert sie sich.

2010 schloss sie ihre Ausbildereignung bei der IHK ab und bildete sich auf diesem Sektor weiter fort. Sie wechselte zum Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft in Hofheim und arbeitete dort zwei Jahre lang in verschiedenen Projekten. Danach wechselte sie zur VHS nach Rüsselsheim und bereitete dort Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz gefunden hatten, auf ihre Suche auf dem Ausbildungsmarkt vor. Zurzeit macht Vanessa Rückemann eine Zusatzqualifikation mit IHK-Abschluss zur Aus- und Weiterbildungspädagogin. „Bei diesem Fernstudium geht es darum, wie man richtig berät, man lernt etwas über Lernmethodik oder wie man zum Beispiel Lernschwächen bei Jugendlichen erkennt“, erklärt sie.

Programm QuABB

Und weil sie all dies als Ausbildungsbegleiterin praktisch einsetzen kann, hat sich die 34-Jährige auf die entsprechende Stellenausschreibung beworben. Ihr Gehalt bekommt sie wieder vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft. Es handelt sich dabei um ein Programm mit dem Namen QuABB des Ministeriums, das über den europäischen Sozialfonds und den Hochtaunuskreis finanziert wird. QuABB steht dabei als Abkürzung für „Qualifizierte Ausbildungsbegleitung in Betrieb und Berufsschule“.

Die teilnehmenden Schulen – Vanessa Rückemann bietet dienstags Sprechzeiten in der benachbarten Hochtaunusschule und mittwochs an der Saalburgschule in Usingen an – stellen die Räume zur Verfügung.

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