Die Akazienstraße in Stierstadt ist regelmäßig zugeparkt. Hier finden Anwohner nicht immer einen Parkplatz.
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Die Akazienstraße in Stierstadt ist regelmäßig zugeparkt. Hier finden Anwohner nicht immer einen Parkplatz.

Parksituation in Oberursel

Mehr Kontrollen sind gewünscht

  • VonManuela Reimer
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Dem Anwohnerparken in Oberursel und Stierstadt stehen viele Betroffene skeptisch gegenüber

Oberursel -Manchen ist das Parken zu teuer, was eine Innenstadt nicht gerade attraktiver mache, anderen zu günstig, was zugeparkte Straßen zur Folge habe; manch einer beklagt zu wenig Stellplätze oder findet als Anwohner keinen, der Nächste zu viele und zu wenig Platz für Fuß- und Radverkehr - kurzum: Das Thema Parken wird oft kontrovers diskutiert. "Und man muss so ehrlich sein: Bei Parkraumkonzepten gibt es Gewinner und Verlierer", sagt Diplom-Ingenieur Andreas Schmitz.

Schmitz weiß, wovon er spricht: Er ist geschäftsführender Gesellschafter des Büros IKS Mobilitätsplanung (Kassel), das schon für Parkraumkonzepte und Bewohnerparken in Städten wie Kiel, Leipzig und Eschwege verantwortlich zeichnete. Aktuell sitzt IKS an einem Konzept für die Brunnenstadt - Arbeitsauftrag: die Erarbeitung einer rechtssicheren Grundlage zur Einführung des Bewohnerparkens.

Weil das beste Konzept nichts nutzt, wenn es von den Betroffenen nicht akzeptiert wird, haben dabei auch die Oberurseler ein Wörtchen mitzureden. Die Informationsveranstaltung mit Workshop am Mittwoch war gut besucht: Rund 50 Anwohner waren ins Rathaus gekommen, um den Planern Anliegen und Anregungen mit auf den Weg zu geben - aber auch ihre Bedenken.

Bei ersten Untersuchungen haben sich Anfang 2020 drei Gebiete herauskristallisiert, die in Frage kommen: Orschels Altstadt, das Bahnhofsgebiet mit Liebfrauenquartier, außerdem Stierstadt, wie Projektleiter Schmitz zu Beginn erläuterte. In allen drei Gebieten herrsche in vielen Bereichen vormittags, aber auch nachts "hoher Parkdruck", so Schmitz. Der bedeutet eine Auslastung zwischen 80 und 90 Prozent und ist eine der Voraussetzungen dafür, dass eine Kommune überhaupt Anwohnerparkzonen ausweisen darf.

"Die Anforderungen sind hoch und werden zum Teil gerichtlich überprüft", erklärte der Fachmann. So dürfen Bewohner des Quartiers "mangels privater Stellflächen und aufgrund eines erheblichen allgemeinen Parkdrucks regelmäßig keine ausreichende Möglichkeit haben, in ortsüblich fußläufig zumutbarer Entfernung von ihrer Wohnung einen Stellplatz für ihr Kraftfahrzeug zu finden", heißt es in einer entsprechenden Verwaltungsvorschrift.

8000 Fahrzeuge

erfasst

Vor zwei Wochen hat IKS - nach langer Corona-Pause - die drei "Vertiefungsgebiete" erneut unter die Lupe genommen: Bei mehreren Rundgängen morgens, vormittags, mittags, nachmittags, abends und nachts haben die Fachleute die Kennzeichen von zusammen 8000 abgestellten Fahrzeuge erfasst, um die Nutzergruppen zu identifizieren - Kurzparker, die nur einmal notiert wurden, Pendler, die den ganzen Tag über stehen, Bewohner, die nachts parken.

In der Altstadt beispielsweise seien 245 Fahrzeuge als Dauerparker, also Berufspendler, aufgefallen. Schmitz: "Das ist die Masse, die man verdrängen könnte." Insgesamt belaufe sich die Auslastung der zusammen 1980 öffentlichen Stellplätze in der Spitzenstunde um 11 Uhr auf durchschnittlich 90 Prozent - in den Altstadt-Parkhäusern indes seien es zeitgleich nur 11 Prozent. Ein ungenutztes Potenzial, so Schmitz, der feststellte: "Parkprobleme sind immer auch Verteilungsprobleme."

Auch rund um den Bahnhof ist 11 Uhr die Spitzenstunde, wobei die durchschnittliche Auslastung etwas niedriger ausfällt als in der Altstadt - einzelne Straße sind auf dem Plan, den Schmitz zeigte, aber genauso rot eingefärbt. Fazit: "Wir würden Bewohnerparken nicht für die Gesamtgebiete vorschlagen, aber in einigen Straßen ist es durchaus möglich." Die Auswertung sei noch nicht abgeschlossen, sagte Schmitz.

Nicht regelkonform

abgestellte Autos

Das gilt auch für Stierstadt. Dort verzeichnet man die höchste Belastung um 15 Uhr; auch viele illegale Parkvorgänge fielen auf. Generell sei das "nicht regelkonforme Parken" in Oberursel ins Auge gestochen. "Jede Regel bedarf der Überwachung - das gilt auch fürs Bewohnerparken", stellte Schmitz fest.

Zumindest in diesem Punkt stimmten die Anwohner zu: Bevor man sich neue Maßnahmen wie Bewohnerparken überlege, gelte es, erst einmal die bestehenden Regeln durchzusetzen, waren sich die Workshop-Teilnehmer einig. "Schon die Regeln, die wir haben, werden nicht kontrolliert", beschwerte sich ein Stierstädter. Er habe schon zwei Mal mitbekommen, dass der Rettungswagen im Ortskern nicht durchgekommen sei. Man müsse, sofern vorhanden, in der eigenen Garage parken, warf ein anderer Bürger ein.

Ein weiterer Teilnehmer verlas ein Urteil des Frankfurter Verwaltungsgerichts: "Sie brauchen 100 Prozent Auslastung. Und der zumutbare Weg darf 1000 Meter lang sein." In der Brunnenstadt werde Bewohnerparken folglich schwierig, meinte er. Die Teilnehmer hielten - größtenteils - 300 Meter für zumutbar; eine Entfernung, in der es beispielsweise in Stierstadt, wo die Akazienstraße wegen ihrer Nähe zur Bahn und der gesamte alte Ortskern problematisch sind, drei größere Parkplätze gibt.

Auch in der Altstadt gelte es, die Parkhäuser besser auszuschildern, regten die Anwohner an. Eventuell müsse man dort die Tarife senken. Die Anlieger rund um den Bahnhof sprachen sich dafür aus, den dortigen großen Parkplatz aus der Bewirtschaftung zu nehmen. "Er ist nicht ausgelastet, weil das Parken dort Geld kostet. Damit wälzt die Stadt das Problem auf andere Bereiche um", sagte ein Anwohner.

Am 16. und 17. November will IKS ein Konzept für die drei Bereiche vorstellen. Wenn die Politik zustimmt, könnte das Bewohnerparken von 2023 an gelten. Die Frage nach den Kosten blieb am Mittwoch erst einmal unbeantwortet. Von Manuela Reimer

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