Motorradfahrer dürfen den Parkplatz in der Applauskurve zwischen Hohemark und Sandplacken nicht mehr nutzen. Das soll der Verkehrssicherheit dienen, hat aber schon Vandalen auf den Plan gerufen. Das Verbotsschild für Motorradfahrer, das an der Hauptverkehrsachse zwischen Oberursel und dem Feldberg aufgestellt wurde, ist aber in der Nacht zum Dienstag aus dem Boden herausgerissen und gestohlen worden. Die Schilderstange und Befestigungsmaterial wurden unter Bäumen "entsorgt". Es folgen weitere Bilder vom "Tatort".
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Motorradfahrer dürfen den Parkplatz in der Applauskurve zwischen Hohemark und Sandplacken nicht mehr nutzen. Das soll der Verkehrssicherheit dienen, hat aber schon Vandalen auf den Plan gerufen. Das Verbotsschild für Motorradfahrer, das an der Hauptverkehrsachse zwischen Oberursel und dem Feldberg aufgestellt wurde, ist aber in der Nacht zum Dienstag aus dem Boden herausgerissen und gestohlen worden. Die Schilderstange und Befestigungsmaterial wurden unter Bäumen "entsorgt". Es folgen weitere Bilder vom "Tatort".

Unfall in Applauskurve vor Gericht

Motorradraser dreht eigenen Unfall mit Helmkamera

  • vonAlexander Schneider
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In diesem Fall blieb der Applaus in der Kurve gleichen Namens aus, es herrschte eher blankes Entsetzen: Ein Biker verunglückt bei extremer Schräglage. Der Unfall wird gefilmt, nicht von Gaffern, vom Biker selbst. Im Prozess trat jetzt die Feldberginitiative als Zeuge auf.

Es ist knapp zwei Jahre her, dass ein damals 20-jähriger Oberurseler mit seinem schweren Motorrad zum Sandplacken rast, die Applauskurve in extremer Schräglage nehmen will und dabei stürzt. Dass weder ihm noch den beiden in den drohenden Horror-crash verwickelten Autofahrern außer einem gehörigen Schrecken und Blechschäden nichts passiert ist, dürfte einem ganzen Geschwader von Schutzengeln zu verdanken sein.

Der Fall wurde jetzt vor dem Bad Homburger Jugendgericht verhandelt. Der Biker war zum Zeitpunkt des Unfalls noch Heranwachsender. Gleichwohl wurde er wegen vorsätzlicher Straßenverkehrsgefährdung nach Erwachsenenstrafrecht zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 10 Euro sowie drei Monaten Fahrverbot verurteilt.

Ein Unfall, wie er in Deutschland häufig passiert und wie er auch am Feldberg nicht ungewöhnlich sein dürfte. Dennoch – der Fall war außergewöhnlich: Denn der Biker hatte seinen Unfall per Helm-Kamera gefilmt und nicht nur das.

Nachdem sich die Maschine unter ihm selbstständig gemacht und er den Kontakt zu ihr verloren hatte, rappelte er sich auf, blickte dem über die Straße gegen den entgegenkommenden Wagen eines 50-Jährigen schliddernden Bike hinterher, wobei die Helm-Kamera das Kennzeichen einfing.

Das allein hätte den Oberurseler noch nicht vor Gericht gebracht. Da außer Sachschaden nichts passiert war, einigten sich der Biker und der Fahrer, in dessen Auto das Motorrad unter Verursachung eines wirtschaftlichen Totalschadens eingeschlagen war, darauf, die Sache „unter sich zu regeln“ und darauf zu verzichten, die Polizei zu rufen.

Doch der Motorradfahrer hatte das Filmchen in seiner Facebook-Gruppe gepostet – und die hielt offenbar nicht dicht. Im Prozess sagte der Anwalt der Feldberginitiative, Steffen Stohrer, als Zeuge aus. Mitglieder der Initiative, die sich für mehr Sicherheit und weniger Lärm auf den Straßen um den Feldberg einsetzt, seien im Internet auf das Video gestoßen, woraufhin er, Stohrer, die Angelegenheit zur Anzeige gebracht habe. Da das Kennzeichen gefilmt wurde, habe man „endlich einen handfesten Beweis“, um gegen die Raser vorzugehen.

In dem etwa zehnminütigen Video ist zu sehen und zu hören, wie das Motorrad von der A 661 aus kommend den Tunnel mit ohrenbetäubendem Getöse durcheilt und der Fahrer, der sich im Nachhinein als der Angeklagte erwies, seine „1000er“ dem Publikum praktisch vorstellt. Weiter ist zu sehen, wie der ohnehin schon recht hurtige Biker von einem noch schnelleren überholt wird und daraufhin den Hahn komplett öffnet. Wenig später dann der Unfall in der „großen Kurve“.

120 Sachen in der Kurve

Er sei wohl auf einer Ölspur ausgerutscht, begründete der im Übrigen geständige Angeklagte die Havarie. Ein Polizeibeamter, der das Video später in Augenschein genommen hat, geht jedoch von einem Tempo von 120 Kilometern pro Stunde aus. Das lasse sich aufgrund des Abstands zwischen den Leitpfosten und der Zeit, die der Biker benötigt hatte, die Strecke zu durchfahren, genau berechnen. Ein Unfallzeuge, selbst auch Motorradfahrer, wollte sich auf eine Temposchätzung nicht einlassen, meinte aber, dass der Angeklagte bei der Schräglage für die Kurve zu flott gewesen sein muss.

Offenbar gibt es von den Fahrten des Angeklagten noch weiteres Videomaterial, womöglich auch vom Feldberggebiet. An einer Stelle sieht man die von der Helm-Kamera beobachtete Tacho-Nadel: Sie steht bei 246 Kilometern pro Stunde. Ob der Mann, der dann bei einem Stopp mit geschlossenem Visier um das Bike herumgeht und dabei auch das Kennzeichen filmt, der Angeklagte ist, kann sein, muss aber nicht sein. Nachzuweisen ist es ihm nicht.

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