Die Leidenschaft und darstellerische Kraft ist den Akteurinnen und Akteuren anzusehen.
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Die Leidenschaft und darstellerische Kraft ist den Akteurinnen und Akteuren anzusehen.

Für Auge und Ohr

Musical unter widrigen Umständen in Oberursel

  • VonMatthias Pieren
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Das Gymnasium präsentiert "Nimmerland" live und in Farbe - trotz allem und nach nur drei Wochen Proben.

Oberursel -"Es ist berührend, so viele Menschen nach so langer Zeit wieder bei uns in der Aula zu sehen." Zutreffender, berührender und ehrlicher hätten die Worte zur Begrüßung der Besucher in der Aula des Gymnasiums Oberursel nicht gewählt werden können.

Monate der Kulturabstinenz hatten am Montagabend zumindest in Oberursel ein Ende. Das Musical "Nimmerland" fiel nicht der Pandemie zum Opfer. Ende 2019 begannen die Proben für das auf dem Stück "Peter Pan" von J. M. Barrie basierenden Musicals, die nur drei Monate später ein jähes Ende fanden - wie so vieles im Leben der Schülerschaft.

Es folgten Monate der Ungewissheiten für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrende mit Distanz- und Wechselunterricht. Auch die Verantwortlichen des Ensembles, Diana Tappen-Scheuermann, Marc Ziethen und Sebastian Polag, waren sich der Bedeutung des von ihnen begleiteten Musicals für die Aktiven - sei es auf der Bühne oder Instrumentalisten hinter der Bühne - gerade während der Pandemie bewusst.

Deshalb hatten sie den Kontakt zu ihrer "Truppe" nie abreißen lassen. Ein paar Wochen nach Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts und durch die vom Hessischen Kultusministerium angestoßenen Lockerungen hatten sie vor drei Wochen tatsächlich überlegt, "was geht".

"Wir haben uns zu einer Aufführung entschlossen und haben seitdem unter Hochdruck gearbeitet und geprobt. Die Akteure wurden täglich getestet", berichten Diana Tappen-Scheuermann und Marc Ziethen. "Das auf 60 Minuten gekürzte Musical ist gewiss nicht das längste Stück, das wir einstudiert haben. ,Nimmerland' ist aber gewiss das wichtigste Stück, das hier im Gymnasium aufgeführt wird."

Es genügte der Spot, der alsdann auf die Mitte des roten Vorhangs gerichtet war, um ein unbeschreibliches Gefühl unter den gewiss 200 Besucherinnen und Besuchern zu wecken. Was die Ensemblemitglieder aus den Jahrgangsstufen 7 bis Q4 in der folgenden Stunde den ebenfalls getesteten oder nach ihrer Impfung überprüften Besuchern boten, wird wegen der besonderen Rahmenbedingungen gewiss in die Schulannalen eingehen.

Endlich

wieder Kultur

Grund dafür war keinesfalls nur die Erlösung, endlich wieder Kultur, Gesang, Musik und Theater live auf der Bühne erleben zu dürfen. Es war die Freude und Hingabe, mit der Musik, Gesang und Schauspiel präsentiert wurden, wie auch die liebevoll gestaltete Bühne und Kulisse, die Eltern und Geschwister sowie Mitschülerinnen und Mitschüler mit Dankbarkeit erfüllten.

Die Tatsache, dass wegen der fehlenden Probemöglichkeiten und der widrigen Umstände das Musical auf eine 60-minütige Fassung gekürzt werden musste, entwickelte einen ganz besonderen Charme. Ein in die Rolle des schottischen Schriftstellers Sir James Matthew Barrie geschlüpfter Conférencier fasste in humorvollen Kurzauftritten stets das Geschehen zusammen, das angesichts der Kürze der Zeit nicht mehr einstudiert werden konnte.

"An dieser Stelle hätten sie jetzt eigentlich Pyrotechnik, Laserstrahlen, Hologramme und sogar ein echtes Krokodil aus dem Opel-Zoo gesehen. Wir wollten ursprünglich keine Kosten scheuen", so sein Einwurf. "Doch leider ging unser gesamtes Budget für diese verdammten Corona-Schnelltests drauf und wir konnten nur das aufblasbare Krokodil bezahlen."

An anderer Stelle trat der eingeplante Chor nicht live auf, sondern es wurde per Beamer eine jener virtuellen Chorproben eingespielt, bei der alle Sängerinnen und Sänger alleine zu Hause vor dem Bildschirm gesungen hatten und sich von einer kleinen Video-Kamera dabei haben filmen lassen.

Die Video-Produktion, bei der die Chorstimmen aus 15 Einzelaufnahmen zu einem emotionalen Klangbild zusammengeführt waren, entwickelte im Publikum eine ganz spezielle Dichte, die sich in einem tosenden Applaus entlud.

Unter den Musical-Darstellern nun einzelne Akteure besonders hervorzuheben, würde der Leidenschaft aller Aktiven nicht gerecht. Mit frenetischem Applaus wurde allen gleichermaßen gedankt. Matthias Pieren

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