Junge Menschen abholen und integrieren ? das hat sich der von der Gemeinde St. Ursula angestoßene Visionsprozess zum Ziel gesetzt.
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Junge Menschen abholen und integrieren ? das hat sich der von der Gemeinde St. Ursula angestoßene Visionsprozess zum Ziel gesetzt.

St. Ursula-Gemeinde

Wie muss Kirche heute sein?

  • vonAlexander Schneider
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„Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“: Natürlich hat die Pfarrgemeinde St. Ursula diesen Satz nicht geprägt, aber sie hat ihn verstanden und arbeitet daran, damit es, „bei Gott“, so weit nicht kommt.

Der Josef Neckermann zugeschriebene Aphorismus „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“ stand am Samstag Pate für den „Visionsprozess“, mit dem die für Oberursel und Steinbach zuständige Pfarrei St. Ursula wohl Neuland beschritten hat. Wie kann, muss sich Kirche verändern, damit die Menschen sie nicht verlassen und die, die sie bereits verlassen haben, zurückkehren?

350 Interviews in Oberursel und Steinbach waren geführt, jeweils 14 Leitfragen gestellt und so rund 4000 Antworten gesammelt worden (TZ berichtete). Am Samstag kamen sie bei einem besonderen Symposium alle auf den Tisch. Zuvor hatte es eine Sichtung und Unterteilung in Schwerpunktthemen gegeben.

Lösungsansätze suchen

Die Veranstaltung in der Stadthalle mit 220 Gläubigen, längst nicht nur Katholiken, wollte anhand der Umfrageergebnisse Weichenstellungen vorbereiten, gemeinsam nach Lösungsansätzen suchen. Denn: Mit „Gut zu wissen“, war es nicht getan. „Was lernen wir daraus?“ und, mehr noch, „Wie setzen wir es um?“ stand im Fokus des Tages, der Aufbruchsstimmung vermittelte.

„Gänsehautfeeling pur“: Am Ende standen alle Teilnehmer, Hand in Hand, als Menschenkette mit dem Rücken zu den Stadthallenwänden und riefen mit einzelnen Worten, auch kurzen Sätzen, das in den Raum, was sie nach diesem Tag empfanden: Motivation, Dankbar-keit, Geduld, Begeisterung, Überraschung, Glück, Zuversicht, Mut, Neugier – für 220 Antworten fehlt der Platz. Zwei seien aber noch erwähnt: „Jetzt geht’s los!“ von Harald Schwalbe und „Whow . . .!“ von Pfarrer Andreas Unfried. Aufbruch und Begeisterung lassen sich kaum besser formulieren.

63 Interviewer hatten sich in den beiden Städten aufgemacht, Men-schen jedes Alters anzusprechen, denen man es natürlich nicht an der Nasenspitze ansah, in welche Kirche sie gehen und ob überhaupt. Es galt zu erfahren, wie Kirche heute sein muss, damit sie morgen noch auf der Höhe der Zeit ist, Menschen mitnimmt, begeistert und ihnen Halt in einem lebendigen, modernen Glauben gibt.

So vielen Menschen so viele Fragen zu stellen und nicht zu wissen, wie angenehm oder unangenehm die Antworten ausfallen werden, sei schon mutig und im deutschspra-chigen Raum bisher einmalig, sagte Pastoralreferent Daniel Dere und zitierte damit Christian Hennecke. Der Geistliche ist Leiter der Haupt-abteilung Pastoral im Bistum Hil-desheim und hatte sich letzte Wo-che bei der „Pastoralwerkstatt“ in Limburg begeistert über die Idee der Pfarrei St. Ursula geäußert.

25 Arbeitsgruppen

„Wir wollen die Menschen dort abholen, wo sie sind“, sagte Dere. Glaube, sein Habitus und seine Sprache dürften nicht abgehoben sein, sondern müssten lokal auf die Menschen am Ort, in Oberursel und Steinbach, zugeschnitten sein. In den 25 Arbeitsgruppen seien vielfältigste Botschaften erfasst und Bedürfnisse erspürt worden, sagte Dere.

Die „Causa Tebartz“ sei allen-falls am Rande direkt angesprochen worden. Der vielfach geäußerte Wunsch nach mehr Nähe, Ehrlich-keit und Authentizität von Kirche sei aber Ausdruck dessen gewesen, was die Menschen darüber denken. Auch der Zölibat kam kaum direkt zur Sprache. Auch hier war aber zwischen den Zeilen in großen Let-tern zu lesen, dass viele Katholiken mit einer modernen, menschenzu-gewandten Kirche auch mehr Frau-en im Priesteramt sehen wollen.

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