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Narren strahlen um die Wette

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CV Heiterkeit
CV Heiterkeit © Jochen Reichwein

165 Gruppen reihten sich in diesem Jahr beim Taunus-Karnevalszug in Oberursel ein. So viele wie noch nie. Bei strahlendem Sonnenschein genossen Tausende von Zuschauern das närrische Treiben und verbreiteten selbst beste Stimmung.

Von Carla Marconi

Es war ein Tag, an dem sich ganz unterschiedliche Promis in Oberursel zum Stelldichein trafen: Die Beatles (Interessengemeinschaft Kirdorfer Feld) feierten zusammen mit mehreren Tinker-Bell-Feen, Peter Pan sowie Lucky Luke beim diesjährigen Taunus-Karnevalszug. Insgesamt 165 Gruppen marschierten tanzend, lachend und bonbonwerfend durch die Orscheler Straßen und erfreuten damit circa 50 000 Besucher, die mit der Sonne um die Wette strahlten. „Es ist ein Rekordzug ohne Ende“, freute sich Zugmarschall Harry Hecker.

Die Teilnehmer kamen aus dem gesamten Taunus, ebenso die Zuschauer. Unter ihnen auch Liliana Beyer, die vor 15 Jahren von Frankfurt nach Oberursel gezogen ist und seit dieser Zeit keinen einzigen Umzug ausgelassen hat. „Wir sind immer hier und verkleiden uns jedes Jahr neu. Diesmal bin ich als Flamenco-Tänzerin unterwegs“, sagt die 62-Jährige. Sie findet die Veranstaltung in Oberursel viel besser als in Frankfurt, denn es laufe um einiges „flüssiger“.

„Der Umzug in Orschel ist einfach der beste und der schönste“, stimmte ihr auch Nicole Müller zu, die schon als Kind zugeschaut hat. Nun kommt sie jedes Jahr mit ihren Töchtern Leoni und Nora hierher. Die Acht- und Vierjährigen sind natürlich verkleidet: als Prinzessin und Monster-High-Figur warten sie erwartungsvoll auf den Bonbon-Regen, der von den vorbeifahrenden Wagen niederfällt.

Und da kam zur Freude der kleinen Besucher einiges herabgerieselt. Doch auch die „Großen“, gingen nicht leer aus und wurden mit Konfetti-Raketen des SCC Steinbach oder mit der Rodheimer Weihnachtsmänner-Kanone „beschossen“. Und es gab einige tolle Wagen zu sehen: Während man sich mit dem Kransberger Narrenclub bei Old Shatterhand und Winnetou sowie mit dem VIP-Klub Bommersheim und ihrem Lucky-Luke-Motivwagen im Wilden Westen wähnte, vereinten die Carneval Freunde Usinger Land Himmel und Hölle auf ihrem Fahrzeug. Auch tuckerte ein pinkfarbener Cadillac der Kolpingfamilie Kirdorf durch die Taunus-Stadt und ebenso eine Harley von den Freunden der Orscheler Fassnacht.

Standesgemäß schwebte das Bommersheimer Kinderprinzenpaar Fiona I. und Simon I. in einem Festwagen mit weißem Ross vorbei, beim Fußvolk des Bommersheimer Carnevals Verein, die als Schmetterlinge durch die Stadt marschierten, war’s besonders bunt. Ebenso wie bei den Kollegen des CluGeHu, die als leuchtende Blumen vorbeihuschten. Denn ihr Motto lautete: „Gute Laune und viel Spaß beim CluGeHu, da blüht euch was“.

Politische Themen griffen die Narren ebenfalls auf. Beispielsweise der Verein Kunstgriff, der mit seiner „AG-Narrhalla“ eine Parodie auf Pegida lieferte. So verwandelten sich die Kunstgriffler zur Pogeva, was für „Patriotische Orscheler gegen Eppelwei von anderswo“ stand, ihre Hüte schmückten Apfelwein-Gläser.

Gleich zwei mal wurde die Bau-Politik in der Taunus-Stadt auf die Schippe genommen. Während die Orkas 08 ein „New Orschel“ hinter sich herzogen und den Städtebau als haarsträubend bezeichneten, bewarben die Lustigen Stierstädter die „Baggerfreie Zone“. Sie betonten: „Die Stierstädter Heide bleibt unsere Weide.“ Außerdem machten sich die Orscheler Kerbeborschen als Panzerknacker mit der Stadtkasse davon und der Frohsinn schickte auf dem Motivwagen des Kleinen Rates „Brum und Schorr in den Ring“ zum sechsmonatigen Bürgermeisterwahlkampf.

Überhaupt bildeten die Gruppen des Frohsinn ein würdiges Finale für den Umzug. In seinem Jubiläumsjahr zum 125-jährigen Bestehen hatte sich der Verein nicht nur die Zugnummer 125 gesichert – die Zeichen standen zudem „Voll auf Grün“. Gemäß dieses Mottos gaben sich außer kleinen, grünen Kaktussen unter anderem als Peter Pan, Tinker Bell und Robin Hood kostümierte Abteilungen des Vereins die Ehre.

Und auf dem höchsten Wagen thronte, natürlich auch in leuchtendem Grün, Prinz Jürgen I., der mit beiden Händen aus dem Vollen schöpfte und Süßigkeiten auf sein Narrenvolk regnen ließ.

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