Bürgermeister Hans-Georg Brum, Björn Eisinger und Stadtbrandinspektor Valentin Reuter (v. r.) bei der neuen Anlage auf dem Rathausdach.
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Bürgermeister Hans-Georg Brum, Björn Eisinger und Stadtbrandinspektor Valentin Reuter (v. r.) bei der neuen Anlage auf dem Rathausdach.

Katastrophenschutz

Neue Sirenen auf dem Rathausdach

  • Alexander Seipp
    VonAlexander Seipp
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Am morgigen Samstag werden alle Sirenen in Oberursel getestet. Das System soll für den Ernstfall auch weiter ausgebaut werden.

Oberursel -Ein lautes Heulen hallt über Oberursel hinweg. Deutlich sind die Warnsirenen zu hören, die im Ernstfall den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen können. In Katastrophenfällen, wie etwa bei den Überschwemmungen in anderen Teilen Deutschlands in den vergangenen Tagen, sollen sie die Einwohner warnen. Doch wer in Oberursel den Alarm am morgigen gegen 12 Uhr hört, der muss sich keine Sorgen machen: Es handelt sich nur um einen Probealarm.

Hinter dem Test der städtischen Warnsirenen steckt jedoch eine ernstzunehmende Problematik: Immer wieder wurde bei vergangenen Naturereignissen bemerkt, dass die "modernen" Mittel, wie etwa Warn-Apps und Radio, nicht funktionieren, wenn etwa die Mobilfunknetze zusammenbrechen. Außerdem nutzt längst nicht jeder Bürger diese Möglichkeiten der Alarmierung. Und wenn doch, so sind oftmals die Geräte auf stumm geschaltet und die Alarmierung verpufft unbemerkt. Daher erleben die altmodischen Sirenen, jahrzehntelang deutschlandweit abgetan und abgebaut, derzeit eine Renaissance.

Auch in Oberursel ist dies zu sehen. Gleich zwei neue Warnsirenen wurden kürzlich installiert, Beim morgigen Test sollen sie erstmals benutzt werden.

Viermal pro Jahr

Viermal im Jahr wird so in der Brunnenstadt der Ernstfall geprobt, immer am vierten Samstag eines neuen Quartals. "Die Sirenen werden heutzutage nur noch als Redundanz für die sonst digitale Alarmierung der Feuerwehren vorgehalten, der Fokus und Grund des Ausbaus des Sirenennetzes ist die Warnung der Bevölkerung bei größeren Einsatzlagen oder Katastrophen", sagt Stadtbrandinspektor Valentin Reuter.

Installiert sind die Sirenen auf den Dächern der Feuerwachen und, das ist neu, auf dem Dach des Rathauses und dem Neubau des Betriebsgebäudes des Bau und Service Oberursel (BSO) in der Oberurseler Straße. Getestet werden soll nun, wie gut die Sirenen zu hören sind. "Aufgrund des Umbaus des Feuerwehrhauses in Weißkirchen ist die dortige Sirene nicht einsatzbereit und wird entsprechend am Samstag nicht laufen", informiert Björn Eisinger von der städtischen Stabstelle Brand- und Zivilschutz.

Die Sirenen werden einen einminütigen Dauerton, der zweimal unterbrochen wird, signalisieren. Dies bedeutet im Normalfall die Alarmierung der Feuerwehr. "Der eine Minute auf und abschwellende Heulton für die Warnung der Bevölkerung soll die Bürger dazu veranlassen, sich in den Medien wie Radio oder dem Internet über eine Gefahrensituation zu informieren, ein einminütiger Dauerton stellt die dazugehörige Entwarnung dar", erklärt Reuter.

Sirenen sollen weiter ausgebaut werden

Doch die zwei neuen Sirenen sind erst der Anfang. "Wir planen im kommenden Jahr, das Sirenennetz noch weiter auszubauen, so dass der Alarmton zukünftig im gesamten Stadtgebiet gut zu hören ist", so Bürgermeister und Feuerwehrdezernent Hans-Georg Brum (SPD). Bis Ende 2022 sollen erneut zwei Sirenen dazukommen.

Denn etwa am Ortsrand kann es bei Wind dazu kommen, dass die Sirenen nicht gehört werden. Die langgezogene geografische Lage von Oberursel unterstützt dies. Besonders betroffen sind außerdem Neubaugebiete, an die bei der ursprünglichen Verteilung der Sirenen noch nicht gedacht wurde.

Im Anschluss an den Test können sich Bürger online unter www.oberursel.de/sirene melden, um mitzuteilen, wie gut der Ton hörbar war. Ergeben sich große Lücken, wird geprüft, ob weitere Sirenen diese Lücken schließen könnten.

Gezielt auf Notlagen hinweisen

Die zwei neuen Sirenen, die die Stadt 20 000 Euro gekostet haben, sollen außerdem digitalisiert werden, sie können damit nicht nur Warnsignale verbreiten, sondern sogar unmittelbar per Sprachnachricht auf die Gefahrenlagen hinweisen. Bei einem Gasleck kann so etwa unmittelbar darauf hingewiesen werden, dass Fenster und Türen zu schließen sind.

Zusätzlich zu den nun sieben Sirenen gibt es außerdem mobile Lautsprecher auf Feuerwehrfahrzeugen, die im Ernstfall zum Einsatz kommen können. Allein lösen können die Sirenen das Problem nicht, erst im Zusammenspiel mit Apps und dem Radio können sie flächendeckend im Ernstfall die Bevölkerung vor Katastrophen warnen.

Oberursel hat dabei Glück, dass man die Sirenen nie ganz abgeschafft hat, sonst wären diese Kosten für diese Art des Warnens deutlich höher. Andernorts haben sich viele Kommunen auf "modernere" Methoden konzentriert und die Sirenen abmontieren lassen. Entsprechend teuer ist jetzt wieder die Nachrüstung beziehungsweise die flächendeckende Neuanschaffung.

"Wenn die Sirenen am Samstag losgehen, besteht also kein Grund zur Sorge, dass es im Stadtgebiet zu einer Notsituation gekommen ist. Es handelt sich lediglich um eine Überprüfung", so Bürgermeister Brum abschließend. Von Alexander Seipp

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