1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus
  4. Oberursel

Oberursel: Bangen um die "Brennnesselfarm"

Erstellt:

Kommentare

Noch steht das ehemalige Stationswärterhäuschen an der Hohemark 9. Doch der Abriss des Gebäudes ist bereits in der Planungsphase.
Noch steht das ehemalige Stationswärterhäuschen an der Hohemark 9. Doch der Abriss des Gebäudes ist bereits in der Planungsphase. © Niklas Müller

Der Sohn des früheren Wasserwarts der Stadtwerke möchte den Abriss des idyllischen Hauses im Wald an der Hohemark verhindern.

Oberursel -Abgelegen und halb zugewuchert im Wald steht in Oberursel seit mehr 100 Jahren an der Hohemark 9 ein kleines Häuschen. 1911 erbaut, diente das Gebäude mit dem roten Schindeldach seither als Stationswärterhäuschen für den Wart der Wasserversorgung, die den Norden Oberursels abdeckte.

Eigentümer sind die Stadtwerke. Seit Juli 2021 steht das Haus leer. Nachdem von den städtischen Mitarbeitern niemand in das Haus einziehen wollte, wurde es zum Verkauf angeboten. Zahlreiche Interessenten hätten sich gemeldet. Doch dann zogen die Stadtwerke das Inserat zurück. Wegen zu hoher Auflagen sei ein Verkauf nicht möglich. Nun droht der Abriss.

Verkauf nicht zustande gekommen

"Also ich finde es eine Schande! Da sollte man sich schämen!", sagt Frank Fiek. Der 50-Jährige ist fassungslos. 1980 bezog seine Familie das kleine Häuschen im Wald. Sein Vater, Karl Fiek, arbeitete bei den Stadtwerken, war für die Wasserversorgung von Nord-Oberursel zuständig. Nach seinem Renteneintritt durfte der Vater mietfrei bis zu seinem Tod im Haus bleiben. Seine gesamte Kindheit habe Frank Fiek hier verbracht. Entsprechend viele Erinnerungen und Emotionen verbindet er mit dem massiven Steinhaus. Nach dem Tod des Vaters im September 2020 bewohnte der Bruder von Frank Fiek zeitweise das Objekt. Kurz nach dessen Auszug im vergangenen Jahr hätten die Stadtwerke die Wasserversorgung abgestellt. Fiek vermutet deshalb, dass die Stadt nie wirklich Interesse an einem Verkauf gehabt habe. Trotz reger Nachfrage und Angeboten weit über den angesetzten Verkaufspreis sei dieser schließlich nie zustande gekommen.

Auf Anfrage dieser Zeitung bei den Stadtwerken bestätigt man, dass das Haus vergangenes Jahr zum Verkauf angeboten wurde. Eine Sanierung und eine damit verbundene Möglichkeit der Weitervermietung habe man aus wirtschaftlichen Gründen ausgeschlossen. Es sei ebenfalls richtig, dass es einen Interessenten für das Haus gegeben habe.

Während des Verkaufsprozesses habe sich jedoch herausgestellt, dass der Verkauf aufgrund der besonderen Lage des Hauses und den damit verbundenen hohen Auflagen nicht möglich gewesen sei. Um welche strengen Auflagen es sich dabei im Einzelnen handelt, wollten die Stadtwerke nicht mitteilen. Möglicherweise spielt die Lage in einem Wasserschutzgebiet dabei eine Rolle.

Daraufhin habe man den Abriss beschlossen, heißt es. Ein konkretes Datum für diesen gebe es noch nicht, da dies von der Verfügbarkeit der benötigten Firmen abhänge. Allerdings habe man bereits, wie Fiek bestätigt, mit den Vorarbeiten begonnen. Frank Fiek kennt die Argumente der Stadtwerke. Dennoch kann er die Entscheidung nur schwer nachvollziehen. So ein Objekt abgelegen im Wald sei doch einmalig, meint er. Das Häuschen wäre ideal für junge Familien, die ihre Kinder dort fernab von Stress und Hektik in der Natur aufwachsen lassen wollten. Sicherlich würden sich auch Interessenten finden, welche die hohen Auflagen akzeptieren würden, ist er überzeugt. Oder man könnte das Haus zu einem Waldkindergarten umfunktionieren, ein Pfadfinderheim, es gäbe doch so viele Möglichkeiten. Das Argument der Stadt, dass dies aufgrund der hohen Auflagen nicht möglich sei, will er nicht gelten lassen. Man müsse es eben auch wollen.

Erinnerungen an Vater und Kindheit

Das Haus sei in Oberursel bekannt, genauso wie einst sein Vater zu dessen Lebzeiten. Er hatte den Spitznamen "Brennnesselfarmer", erinnert sich Fiek. "Die Leute haben uns Postkarten geschrieben, da stand drauf: Karl Fiek, Brennnesselfarm Oberursel. Da wusste jeder genau, wer das ist."

Im Winter habe man freie Sicht auf das Haus. Frank Fiek habe an Weihnachten dann immer Weihnachtsbeleuchtung in die Fenster gehängt, wenn er seinen Vater besucht habe. Er habe ihn oft besucht in seinem Häuschen im Wald. "Und dann ist das halt alles weg. Ich finde es schade um das Andenken meines Vaters."

Auch interessant

Kommentare