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Oberursel: Bestnoten für das junge Federvieh

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Von: Florian Neuroth

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Knapp 100 Hühner, Zwerghühner und Tauben gab es am Wochenende auf der Anlage des Geflügelzucht-Vereins Weißkirchen zu bestaunen. Nach zwei Jahren Corona-Pause hatte der Verein wieder zur Jungtierschau geladen.
Knapp 100 Hühner, Zwerghühner und Tauben gab es am Wochenende auf der Anlage des Geflügelzucht-Vereins Weißkirchen zu bestaunen. Nach zwei Jahren Corona-Pause hatte der Verein wieder zur Jungtierschau geladen. © flon

Bei der Schau des GZV können Veranstalter und Züchter gleichermaßen zufrieden sein. Und die interessierten Gäste hat’s bei Sommerfest mit Tag der offenem Tür gefreut.

Oberursel -Sanft ruht der kleine Vogel in den Armen von Ivan Tvarog. Behutsam streicht der 75-Jährige über die Flügel des Zwerghuhns, so als wolle er es nach all der Aufregung erst einmal beruhigen. Schließlich hat die fasanenbraune Henne eine Art Premiere hinter sich. Gut sechs Monate nachdem das Zuchttier im Februar aus dem Ei geschlüpft ist, stellte es sich im Rahmen der Jungtierschau des Geflügelzucht-Vereins 1908 Weißkirchen (GZV) am Samstag erstmals den strengen Blicken der angereisten Preisrichter und konnte dabei voll überzeugen. „97 Punkte“ und „Zuchtstand vorzüglich“ steht auf der Bewertungskarte. Der Züchter schaut dementsprechend stolz auf das Huhn. „Das ist die Höchstzahl“, sagt der Oberurseler. Heißt: Bei der Henne, einem indischen Zwergkämpfer, ist im Endeffekt „alles schön“.

Um Form, Farbe, Art, Figur und andere Äußerlichkeiten wie etwa die Ausgestaltung von Kamm, Schnabel oder Füßen geht es an diesem Wochenende. „Die Tiere müssen einen vorgegebenen Standard erfüllen und werden dahingehend bewertet“, erklärt Vereinsvorsitzender Oliver Huß. Er weiß um die Tücken der Jungtierschau: „Die Tiere sind alle in diesem Jahr geschlüpft, so dass es schon passieren kann, dass ein Tier unbewertet bleibt, weil es noch nicht fertig entwickelt ist und Mängel bestehen, die bis zur Lokalschau im Oktober noch rauswachsen“, erklärt der Experte und meint: „Das gehört dazu.“ Er hat 17 deutsche Zwerglachshühner am Start. Die züchtet der 53-Jährige seit einigen Jahren in drei verschiedenen Farbschlägen - weiß, schwarz und lachsfarben. „Zwerglachshühner sind vom Aussterben bedroht und stehen unter Artenschutz. Das ist der Hauptgrund fürs Züchten. Wir wollen bestimmte Arten erhalten“, sagt Huß.

Die stets am ersten Septemberwochenende stattfindende Jungtierschau ist ein Fixpunkt im Vereinskalender, fiel in den vergangenen beiden Jahren allerdings wegen Corona aus. Umso mehr freut sich Huß, dass es jetzt weitergeht und die Züchter auch mal wieder in gemütlicher Runde beisammensitzen können. Denn traditionell verbindet der Verein die zweitägige Schau mit einem Sommerfest. Im Mittelpunkt stehen allerdings die Tiere. Insgesamt sind knapp 100 Hühner, Zwerghühner und Tauben am Start. „Das letzte Mal waren es mehr“, weiß Huß, der dennoch zufrieden ist. Denn die Bewertungen passen. „Im Schnitt erreichen die Tiere zwischen 93 und 95 Punkten. Das ist sehr gut.“

Vereinsleben durch Veranstaltungen stärken

Besonders gut bewertet werden wie immer die Zuchttiere von Günter Hanxleden. Der 75-Jährige gilt als „bester Züchter“ im Verein und hat wie jedes Jahr seine Wyandotten im Wettbewerb. Seit 50 Jahren hat der Oberurseler sich auf diese aus den USA stammenden Hühnerart spezialisiert. „Ich züchte nur Wyandotten. Bei denen ist alles rund. Die Brust, der Körper und der Schwanz - das gefällt mir“, sagt der Veteran, der jährlich um die 50 Tiere in den Farbenschlägen schwarz, weiß-blau-columbia und gelb zieht. Gemeinsam mit Tvarog zeichnete er auch für die diesjährige Brut der GZV-Hühner verantwortlich und sah in den vergangenen Monaten in der Brutmaschine täglich nach dem Rechten. „Das machen wir gerne. Schließlich ist das unser Hobby“, sagen sie.

Auf ebensolche ehrenamtliche Unterstützung der Mitglieder sei der Verein angewiesen, sagt Huß. „Wir machen viel in Eigenleistung.“ Dazu zählte in jüngerer Vergangenheit etwa die Renovierung des Vereinsheims oder der Bau einer neuen Lagerhalle in diesem Jahr. Geholfen hätte das Engagement der Mitglieder auch in der Pandemie. „Ohne Rettungsschirm“ habe der Verein in einer „schweren Zeit alles selbst bewältigt“ und die Mitgliederzahl sogar kräftig ausgebaut. 226 Mitglieder bedeuten einen Zuwachs von rund 60 Personen in den vergangenen drei Jahren. Dazu zählen 28 Züchter, die in ebenso vielen Parzellen auf dem Vereinsgelände bis zu 400 Tiere halten, und zahlreiche Privatzüchter. Die profitieren davon, dass der Verein alle sechs Wochen gegen die Hühnergrippe impft und seine Mitglieder mit Impfstoff ausstattet. Das habe sich herumgesprochen. „Als Privatperson kommst du an den Impfstoff sonst nicht heran“, erklärt er.

Mit verantwortlich für den Run auf den GZV ist sicherlich auch das Bemühen des Vereins, „feste Punkte im Jahr zu etablieren“, an dem „die Mitglieder zusammenkommen“, sagt Huß und zählt auf. Die im vergangenen Jahr erstmals an den Adventswochenenden durchgeführten Adventsmärkte werden ob des großen Andrangs wiederholt, gleiches gilt für die Premiere des Teichfests am ersten Augustwochenende und der Frühschoppen am Sonntag sowie der dienstägliche Dämmerschoppen gehörten im Vereinsheim ohnehin zum festen Programm. Hinzu kommt ein Oktoberfest am 1. Oktober mit Live-Musik vom Feldberg-Duo. Huß: „Wir sind schon voll in der Planung und wollen das mal testen.“

Die Bestnote staubte Züchter Ivan Tvarog (li.) für seine „indische Zwergkämpfer“-Henne in Fasanenbraun ab. Der Vorsitzende des GZV, Oliver Huß, freut sich über solche guten Bewertungen.
Die Bestnote staubte Züchter Ivan Tvarog (li.) für seine „indische Zwergkämpfer“-Henne in Fasanenbraun ab. Der Vorsitzende des GZV, Oliver Huß, freut sich über solche guten Bewertungen. © flon

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