Jetzt muss nur noch befüllt werden: Mit den neuen Bewässerungssäcken werden nun alle Kastanien mit Wasser versorgt. Bei der Maßnahme mit dabei BSO-Teamleiter Jakob Schäfer und die mit der Bodenverbesserung beauftragte Iris Schweizer.
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Jetzt muss nur noch befüllt werden: Mit den neuen Bewässerungssäcken werden nun alle Kastanien mit Wasser versorgt. Bei der Maßnahme mit dabei BSO-Teamleiter Jakob Schäfer und die mit der Bodenverbesserung beauftragte Iris Schweizer.

Jeder Tag zählt

Oberursel: Bewässerungssäcke sollen Bäume retten

  • vonGabriele Calvo Henning
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Stadt weitet Maßnahmen zum Schutz der Kastanien an der Adenauerallee aus. Ziel ist es, die Bäume stark zu machen.

Oberursel -Lautes Bohren ist an der Adenauerallee zu hören. Zwei Mitarbeiter des Bau & Service Oberursel (BSO) bohren mit schwerem Gerät Löcher in den Rasen der dortigen Parkanlage. Immer fünf bis sechs rund um jede Kastanien. Die Bohrpunkte wurden zuvor so festgelegt, dass die Hauptwurzeln der Bäume unbeschädigt bleiben.

Diese Bohrungen, die gestern von statten gingen, sind Teil eines Maßnahmenbündels, mit dem die Kastanien in der Allee gerettet werden sollen. "Der Pflegebedarf nimmt immer weiter zu", so der Betriebsleiter des BSO, Michael Maag, gestern beim Ortstermin. Als Folge des Klimawandels habe es im dritten Jahr in Folge viel zu wenig geregnet. Die Böden seien extrem trocken und sehr verdichtet. Einzelne starke Regengüsse bringen nichts. Das Wasser bleibt an der Oberfläche, fließt ab oder verdunstet.

Sandige Erde rieselt durch die Finger

Ein Griff in die bei den Bohrungen heraufgeholte Erde reicht, um die Dramatik buchstäblich zu begreifen. Die Erde rieselt trocken durch die Finger. In eines der Bohrlöcher wurden 36 Liter Wasser geschüttet. Das Wasser steht und versickert kaum. "Das ist wie eine Sperrschicht im dichten Boden. Und wenn unten nichts zieht, dann geht oben nichts rein", stellt Iris Schweizer plastisch fest, die mit ihrer Firma für die Bodenverbesserung beauftragt ist. Mit einem von ihr entwickelten grobkörnigen Substrat, das in die Bohrlöcher gefüllt wird, soll der Boden lockerer und damit besser belüftet und mit nützlichen Mikroorganismen versorgt werden, erklärt sie. Und stellt klar: "Wir müssen dafür sorgen, dass die Bäume überleben."

Bereits im Frühjahr wurde in einer Art Testlauf rund um zehn der insgesamt 42 Kastanien eine solche Bodenverbesserung vorgenommen. Parallel zu Baumpflegemaßnahmen wurden die ausgewählten Bäume vom BSO zudem mit dunkelgrünen Bewässerungssäcken (je drei á 60 Liter Fassungsvermögen) versehen. "Die geben das Wasser stetig und tröpfchenweise ab", so Maag. Ziel müsse es sein, so lange wie möglich die Feuchtigkeit im Boden und an den Wurzeln zu halten. Das erwähnte Substrat lockere dabei nicht nur auf: "Es ist zugleich ein Wasserspeicher", erklärt er.

Auswertungen des Testlaufs im August hätten für fast alle Bäume ein positives Ergebnis gebracht. Ihr Erscheinungsbild bei Wuchs und Blättern sei gut gewesen, und es habe keine Schäden durch Pilze unter den Säcken gegeben. Nur eine Kastanie ging dennoch ein, bei zwei weiteren könnte es eng werden.

Jetzt ist also die Rettungsmaßnahme für weitere 32 Kastanien mit Bodenverbesserung und Bewässerungssäcken angelaufen. Das alles gibt es nicht umsonst. Alleine eine Befüllung aller Säcke mit insgesamt 7560 Liter Trinkwasser schlägt mit 615 Euro zu Buche. Je nach Witterung muss das zwei Mal pro Woche gemacht werden. Nach Angaben des BSO hat die beschriebe Testmaßnahme 3000 Euro gekostet. Die Kosten für die gesamte Allee belaufen sich auf rund 13 000 Euro. Die alte Zeder und die Friedenseiche fallen übrigens nicht in die Verantwortung der Stadt beziehungsweise des BSO. Als Naturdenkmäler ist für sie der Kreis zuständig.

Kosten und Nutzen abwägen

Die Kosten sind das eine, der Nutzen das andere. "Es geht darum, die Bäume durch die Maßnahmen stark zu machen", betont Jakob Schäfer, beim BSO Teamleiter für die Grünpflege. Er weiß, dass zwei Bakterienarten, die bei einigen Bäumen festgestellt wurden, diese zusätzlich schwächen. Deshalb gelte es, die Widerstandskraft zu erhöhen. Für BSO-Betriebsleiter Maag spielt auch die Diversität eine wichtige Rolle. Müssen Bäume ersetzt werden, so sei es angeraten, auf andere Arten zu setzen, die weniger anfällig für den Bakterienbefall und robuster sind, was das Klima anbelangt.

Nicht nur die Alleebäume, im Grunde leiden alle 9000 Bäume im Stadtgebiet unter der Trockenheit. Allein, sie alle so zu bewässern, würde immense Kosten verursachen. Für 900 000 Liter Wasser pro Gießvorgang müssten mehr als 70 000 Euro in die Hand genommen werden, rechnet Maag vor. "Das ist nicht leistbar".

Klar ist aber auch, die Bäume müssen gerettet werden. Der BSO-Chef plädiert deshalb für ein städtisches Gesamtkonzept mit Maßnahmen, die auf den jeweiligen Standort, den Zustand der Bäume und die Bodensituation abgestimmt sind. Das gehe nur mit den Bürgern, um letztendlich die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen. Mit Blick auf die laufenden Maßnahmen in der Adenauerallee stellt Maag fest: "Wir kaufen uns damit etwas Zeit." Trotzdem zähle jeder Tag. (Von Gabriele Calvo Henning)

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