Winfried Schmidt ist ein waschechter Bommersheimer und gehört dem Beirat des Stadtteils schon seit dessen Gründung an.
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Winfried Schmidt ist ein waschechter Bommersheimer und gehört dem Beirat des Stadtteils schon seit dessen Gründung an.

Bommersheim

Oberursel: Bommersheimer sind alle engagiert

  • vonManuela Reimer
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Mit Bommersheims Beiratsvorsitzendem Winfried Schmidt durch den Stadtteil

Bommersheim -Landwirtschaftliche Prägung, grüne Idylle und ein traditionsreicher Reitverein, der zu den mitgliederstärksten in Hessen zählt - Bommersheim gilt als das landesweit größte Pferdedorf. Aber auch aus einem anderen Grund sticht der Ort heraus, der sich im Osten Oberursels von der Grenze zu Frankfurt bis hoch zur Alten Leipziger erstreckt: Eingemeindet wurde Bommersheim, das auf Trinkwasser aus Oberursel angewiesen war, schon 1929, ist also jener Stadtteil, der mit Abstand am längsten zur Brunnenstadt gehört. Was nicht heißt, dass man Charakteristika oder auch das Zusammengehörigkeitsgefühl verloren hätte.

"Alle hier sind engagiert und gut integriert. Wir haben starke Vereine", sagt Stadtrat Winfried Schmidt (SPD), Vorsitzender des Beirats für die Belange des Stadtteils Bommersheim, mit dem sich diese Zeitung zum Rundgang zwischen altem Ortskern und den Feldern im Süden trifft. Apropos Vereine - Ausgangspunkt der Tour ist an diesem Nachmittag die nach zweijähriger Bauzeit Anfang 2009 eingeweihte Burgwiesenhalle unweit der einstigen Raubritterburg. Die schicke städtische Mehrzweckhalle, die sechs Millionen Euro gekostet hat, nutzten nahezu alle Bommersheimer Klubs, so Schmidt, von Sport bis Karneval. "Eigentlich ist das ein Vereinszentrum" - deshalb soll der Bau auch den Beinamen Haus Bommersheim erhalten, so hieß auch der Vorgänger. Aufwendig, sprich teuer, wäre die Maßnahme nicht, meint der sportbegeisterte 79-Jährige, der lange Chef im Turnverein war. "Man müsste nur vor ,Bommersheim' das Wort ,Haus' setzen", deutet Schmidt gen Fassade, "das ist auch schon lang genehmigt." Allein: Wann endlich die Umsetzung erfolgt, ist nach wie vor unklar.

Ein "kommunalpolitischer Fauxpas", so Schmidt, mit weit gravierenderen Folgen lässt sich ein paar Meter weiter bestaunen. Schmidt spaziert die historische Hauptverbindung entlang, die Lange Straße, an der nicht nur der Grundschulneubau, sondern auch die uralte Schule liegt, und zeigt auf das Gebäude gegenüber. "Hier hat man damals nicht an die Fußwegverbindung zwischen Wallstraße und Lange Straße gedacht. Jetzt müssen die Schulkinder außen rum laufen."

Nebenan steht die katholische Kirche St. Aureus und Justina. "Bommersheim ist von Grund auf ein katholischer Ort", berichtet Schmidt, evangelische Einwohner gab es bis in die 50er-Jahre nur wenige. Später, etwa mit dem Baugebiet Bommersheimer Straße, seien sie in größerer Zahl zugezogen. Die evangelische Gemeinde gründete sich 1959, Mitte der 60er-Jahre wurde die Kreuzkirche gebaut.

Schmidt, ein waschechter Bommersheimer, der in der Steingasse aufwuchs - "die meisten Leute kennt man irgendwie" -, steht in der Ortsmitte, an der Kreuzung Lange/Bommersheimer Straße, im Rücken den neuen "Finanzpunkt" und ein Thai-Massage- und Kosmetikstudio. "Früher hieß das, wir treffen uns an der Kreuzgass. Hier war der Grüne Baum." Das Traditionslokal kann man sich heute nur noch von außen anschauen - auch nach dem jüngsten Pächterwechsel 2017 gingen die Lichter wieder aus. Eine unschöne Entwicklung, die um sich greift: "Wenn man abends in Ruhe ein Bier trinken will, da gibt's nichts mehr in Bommersheim." Früher waren es zum Teil vier Gaststätten, die man habe ansteuern können, erinnert sich Schmidt. Übrig geblieben ist das Restaurant Zur alten Schmiede, während die Zukunft des geschlossenen Schützenhofs unklar sei.

Auch die ehemals drei Metzger hätten aufgegeben - dafür gibt es frische Fleisch- und Wurstwaren von der Dose Eisbein bis zum Schweinekammsteak jetzt auf Knopfdruck, immerhin: Der neue Falkenhof-"Regiomat" neben der traditionsreichen Bäckerei Larem an der Bommersheimer Straße ist beliebt. Generell sei was los in den vier Straßenzügen, die von der "Kreuzgass" abgingen: "Hier haben wir mal über 50 kleine Unternehmen und Dienstleister gezählt", berichtet der Beiratschef. In dem Gebiet steht auch noch eine größere Maßnahme aus: der Umbau der Lange Straße zwischen Bommersheimer Straße und Ölgarten, vom Kanal, an den man sowieso ranmüsse, bis hin zur Umgestaltung der Oberfläche. "Ich habe eine Simulation gesehen, das wird richtig schön", freut sich Schmidt. "Wir warten nur noch aufs Geld. Mit dem Zuschuss kommt man fast pari hin."

Ein weitaus größeres - und stark kritisiertes - Projekt ist das geplante Wohnquartier Mutter-Teresa-Straße hinter der Wallstraße. Schmidt steht am zugewucherten Zugang, durch den man gerade noch auf jene Wiesen schauen kann, auf denen um die 130 Wohnungen gebaut werden sollen, in bis zu viergeschossigen Mehrfamilienhäusern. Eine dichte, hohe Bebauung - was vor allem den Anwohnern in der unmittelbaren Nachbarschaft missfällt, die sich zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen haben.

Schmidt, der dem Beirat Bommersheim von Anfang an angehört, das sind mehr als 40 Jahre, davon jetzt neun als Vorsitzender, meint: "Wir müssen davon abkommen, dass jeder ein Einfamilienhaus mit 800-Quadratmeter-Grundstück haben kann, gerade hier im Ballungsraum. Viele denken noch so, aber diese Zeiten sind vorbei." Die modifizierte Variante - abfallende Höhe zur Wallstraße hin, größere Abstände, geringere Ausnutzung - könne man "ohne Probleme durchwinken", sagt Schmidt, der weiß, dass das Vorhaben das seit langem strittigste ist. Schließlich sei Bommersheim bislang immer nur moderat gewachsen, um Einfamilien- oder kleinere Mehrfamilienhäuser. Die Kritik am B-Plan Mutter-Teresa-Straße kann Schmidt aber nicht nur deswegen verstehen. "Die Proteste halten sich ja in Grenzen. Die Leute versuchen, etwas zu verändern, nicht zu verhindern. Und das geht auch."

Weniger nachvollziehen kann er das Votum der Bürger in Sachen Ortsbeirat: Mehrheitlich hatten sie sich dafür ausgesprochen, dass ein regulärer Ortsbeirat, der im kommenden Jahr gewählt werden soll, das Sonderkonstrukt Beirat Bommersheim ersetzt. "Das war die größte Enttäuschung für mich!", sagt Schmidt. "Die Meinungsbildung im Beirat mit den vielen Vertretern aus dem Ort ist doch viel breiter, nicht so politisch. Die Menschen haben Bürgernähe abgewählt", schüttelt er ungläubig den Kopf.

Für den Ortsbeirat wird Schmidt, der im September 80 wird, nicht zur Wahl stehen. "Irgendwann ist Schluss." Schließlich ist er zufrieden mit seinem Ort, trotz allem. "In meinem Alter ist man das. Ich habe erlebt, was hier vor 60, 70 Jahren war. Jetzt ist doch alles gut, wie es hier aussieht. Und wir haben Frieden in Bommersheim." Von Manuela Reimer

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