1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus
  4. Oberursel

Oberursel: Der Bach lässt sich keiner Partei zuordnen

Erstellt:

Von: Matthias Pieren

Kommentare

Das hat sich gelohnt: Freiwillige haben die Auenwiesen und den Ufersaum des Bachlaufs von Unrat und Müll befreit.
Das hat sich gelohnt: Freiwillige haben die Auenwiesen und den Ufersaum des Bachlaufs von Unrat und Müll befreit. © map

Die Grünen und ihre Helfer sammeln Müll in den Urselbachauen. Immerhin: Der Bach hat eine gute Wasserqualität.

Oberursel -Ein kompletter Satz alter Autoreifen war ganz gewiss der größte Umweltfrevel, der bei der Müllsammel-Aktion entlang des Urselbachs zwischen Weißkirchen und dem Stadtrand an der Krebsmühle aufgedeckt wurde. Wie jedes Jahr hatten die Grünen aus Oberursel zum alljährlichen Großreinemachen entlang der Lebensader der Brunnenstadt eingeladen. Doch der Einladung waren keinesfalls nur Parteimitglieder gefolgt. Es waren an die 20 Bürger, die acht Müllsäcke voller achtlos weggeworfenem Unrat zusammen getragen hatten.

"In diesem Jahr waren neben Freunden, engagierten Wegbegleitern und natürlich auch Parteimitgliedern der Grünen, gut die Hälfte aller Aktiven Bürger, die ich zuvor überhaupt nicht gekannt habe", sagt Ilja Moreth vom Parteivorstand der Grünen erfreut. "Jedes Jahr sind Neulinge dabei, von denen einige immer wieder kommen."

Gewiss, die Bachreinigung gehört zu den regelmäßigen Veranstaltungen, zu denen die Grünen aus Oberursel einladen. Doch keinesfalls sei die Aktion eine Werbeveranstaltung für eine Mitgliedschaft in seine Partei. Vielmehr biete die Einladung die Möglichkeit für bürgerschaftliches Engagement im Sinne des Umweltschutzes - über die Parteigrenzen hinweg.

"Der Bachlauf ist gerade in Weißkirchen ein Schmuckstück. Der gesamte Urselbach wird von vielen Menschen aus unserer Stadt geliebt und geschätzt", sagt etwa auch Georg Eckinger, der sich wie Ilja Moreth im Ortsbeirat von Weißkirchen engagiert - jedoch für die CDU. "Der Bach lässt sich keiner Partei zuordnen."

Als Mitglied der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie (HGON) wirft er gerade auch auf die Tier- und vor allem die Vogelwelt in den Auen am Ortsrand einen kundigen Blick. "Die Wasserqualität ist für einen Bach in einem städtischen Ballungsgebiet gut", sagt Eckinger. "Heute konnten wir sogar Bachflohkrebse beobachten. Für Gebirgsstelzen ein optimales Futter."

Aus Sicht des Vogelkenners lohnt sich ein Moment des Innehaltens und der Vogelbeobachtung auch deshalb, weil hier immer wieder auch Grünspechte und auch der Eisvogel zu beobachten ist. Auf seinem 16 Kilometer langen Weg von der Quelle am Nordhang der Weißen Mauer bis zu seiner Mündung in die Nidda, kann der Urselbach in Weißkirchen weitestgehend im natürlichen Bachbett mäandrieren.

Bei Hochwasser

gefährlich

Das schätzt auch Claus Schradin, der mit dem Urselbach groß geworden ist. In der Siedlung Wiesenau südöstlich von Niederursel aufgewachsen, hat der 71-Jährige seine gesamte Kindheit am Bachlauf verbracht. "In den 1950er Jahren hatten wir eine freie Kindheit pur", sagt Schradin, der ebenfalls Mitglied bei den Grünen ist.

Jeden Nachmittag hätte er sich mit anderen Kindern jeden Alters "uff de Gass" getroffen. Später sei man gemeinsam hinüber zum Bachlauf gegangen. Die Ideen seien ihnen beim Spielen nie ausgegangen. "Wir haben am Bach gespielt, aber auch gelernt, dass er im Winter bei Hochwasser auch hochgefährlich sein kann."

Für sie als Kinder sei es damals aufregend gewesen, dass sich das Wasser des Urselbachs mal blau, mal grün, mal rot und ein anderes Mal gelb gefärbt habe. "Die Färberei in Oberursel hatte die Siebdrucknetze im Bachlauf ausgewaschen." Zum Glück sei heute in der Bevölkerung und gerade auch in der Industrie längst ein größeres Umweltbewusstsein gewachsen. Dennoch sieht der Naturfreund gerade im Ökosystem eines Bachlaufs einen ganz sensiblen Sensor für Veränderungen. In diesem regenreichen Winter führe der Bach natürlich viel Wasser. Doch früher sei der Urselbach nie ausgetrocknet, wie es in den Dürre-Sommern 2018 bis 2020 beinahe der Fall gewesen sei.

"Heute freue ich mich über die vielen Schneeglöckchen in den Auenwiesen", sagt Claus Schradin. "Bevor das Wohnviertel rund um die Grundschule erschlossen wurde, wuchsen hier entlang des Bachlaufs sogar Orchideen und Blindschleichen waren hier zuhause."

Auch interessant

Kommentare