Seelsorgerin Anita Novotny, Stefanie Dittrich, Leiterin des Hospizes St. Barbara, und Vera Thöne vom Sozialdienst des Hospizes (von links) laden zum Lichterfest, das der Trauer gewidmet ist.
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Seelsorgerin Anita Novotny, Stefanie Dittrich, Leiterin des Hospizes St. Barbara, und Vera Thöne vom Sozialdienst des Hospizes (von links) laden zum Lichterfest, das der Trauer gewidmet ist.

Lichterfest

Oberursel: Der Trauer Raum geben

Eine besondere Zusammenkunft im Rushmoor Park bietet in der schwierigen Pandemie-Zeit Gelegenheit zum individuellen Abschiednehmen.

Tagsüber ist der Rushmoor-Park ein Ort der Heiterkeit und der Bewegung. Am Samstagabend dient er dazu, Trauer einen Raum zu geben. Die Idee für dieses besondere Lichterfest hatten mit Vera Thöne und Regina Ruppert zwei Mitarbeiterinnen des Hospizes St. Barbara.

Vera Thöne, im Sozialdienst des Hospizes tätig: "Wir wollten mit diesem Angebot ein Zeichen setzen für die Menschen, die sich während der Corona-Zeit nicht richtig von ihren Liebsten verabschieden konnten."

Die Resonanz auf dass Lichterfest als Möglichkeit des Abschiednehmens überrascht selbst die Organisatorinnen. Stefanie Dittrich von der Leitung des Hospizes St. Barbara der Caritas konnte sage und schreibe 101 Anmeldungen verzeichnen. Mit diesem Angebot wolle man gemeinsam an die nahestehenden Menschen denken, die in den vergangenen zwei Jahren verstorben seien, schildert Seelsorgerin Anita Novotny den Gedanken hinter dieser Zusammenkunft.

Viele hätten aufgrund der Corona-Beschränkungen auf eine letzte Umarmung, ein letztes liebes Wort oder aber gemeinsame, kostbare Stunden verzichten müssen, weiß Novotny um das Seelenleid vieler Menschen in der Pandemie-Zeit.

Es ist nicht nur dunkel geworden im Park, der allein durch wenige Lichterketten an einzelnen Bäumen und ein Lichtermeer an Kerzen illuminiert wird. Die Kälte steigt von dem mit Laub bedeckten Boden auf und kriecht in die Knochen. Viele ziehen ihre Mützen tiefer ins Gesicht und rücken näher an ein Lagerfeuer heran, das den Mittelpunkt der Andacht bildet, durch die Anita Novotny die Teilnehmer führt.

Auf einer Bank neben ihr haben Yvonne Dröge und Alexander Holighaus Platz genommen. Er greift zu seiner Gitarre, sie nach dem Mikrofon - und schon werden die ersten Textzeilen von "Zünde eine Kerze an" angestimmt. Mitten in der Menschenmenge: die Schwestern Karen und Kerstin Janek. "Unsere Mutter ist vor zwei Jahren verstorben", erzählt Kerstin Janek. Wir möchten nun noch mal Abschied von ihr nehmen", sagt sie mit klarer Stimme und traurigen Augen.

Zeichen der

Hoffnung

"Trauer einen Raum geben" könne viele Facetten haben, weiß Seelsorgerin Novotny. Jeder setze sich mit seiner Trauer auf unterschiedliche Weise auseinander. Es gebe keinen richtigen und keinen falschen Weg. In der Trauer könne jedoch auch ein Zeichen der Hoffnung gesetzt werden, weiß Novotny: "Die Trauer öffnet das Herz für das, was in unserer Erinnerung geweckt wird." Dann zitiert sie aus dem Märchen vom Kleinen Prinzen. Hierin gibt es auch eine Auseinandersetzung mit dem Thema Abschied. Als der Kleine Prinz die Erde verlassen muss, heißt es: "Du wirst Sterne haben, wie sie niemand hat."

Auch der nächste musikalische Beitrag lässt Raum für den eigenen Umgang mit einem Thema, das die Seele für lange Zeit schwer macht. "Tears in Heaven" von Eric Clapton. Er hatte das Lied nach dem tragischen Tod seines damals vierjährigen Sohnes geschrieben. Heute hallen seine Zeilen, gesungen von vielen Menschen, mit einer Stimme durch den Oberurseler Park.

Wo Leid ist, gibt es auch Trost und Licht: Das ist eine der wichtigen Botschaften des Abends, und: "Im Tod gibt es keine Grenzen für die Liebe", gibt Anita Novotny den Menschen mit auf den Weg. Als Letztes ertönt "Von guten Mächten wunderbar geborgen", das Mut machende Lied, das Friedrich Bonhöfer seiner Verlobten 1944 gewidmet hat. Im Anschluss daran wird es erst einmal still um die aus die aus dem Feuer emporzüngelnden Flammen. Die Gedanken sind bei den Verstorbenen - ob Frauen, Männer, Kinder, Verwandte, Bekannte, Freunde. Sie sind unvergessen. Als letzte Geste wird eine Kerze für den Verstorbenen angezündet und das bereits vorhandene Lichtermeer um ein Symbol erweitert.

"Sie alle sind eingeladen, bei Speis und Trank noch ein bisschen zu verweilen", richtet sich die Seelsorgerin ein letztes Mal an diesem Abend an die Menschen. Sie sollen das Lichterfest nach eigenem Wunsch und Bedürfnis ausklingen lassen. Für manche bedeutet das ein Gespräch und für wiederum andere Verweilen in Stille. "Wir sehen das Ganze auch als ein Pilotprojekt, das durchaus Wiederholung finden könnte, wenn sich das herumspricht, dass es so etwas gibt", sagt Stefanie Dittrich, die sich durchaus auch über Spenden für das Hospiz St. Barbara mit seinen zwölf Betten freuen würde. Die Hospizarbeit sei zu 95 Prozent abgedeckt, die restlichen fünf Prozent müssten durch Spenden finanziert werden.

Elena Schemuth

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