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Oberursel: Die Mobile-Homes sollen weichen

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Von: Gabriele Calvo Henning

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Seit Jahren beschäftigt die Politik die Notunterbringung in den Wohncontainern. Jetzt soll die Stadt endlich ein Konzept vorlegen.
Seit Jahren beschäftigt die Politik die Notunterbringung in den Wohncontainern. Jetzt soll die Stadt endlich ein Konzept vorlegen. © jp

Die Stadtverordneten pochen auf ein städtisches Konzept für die Unterbringung Obdachloser. Geeignete Standorte sollen nun geprüft werden.

Mindestens seit 2020 beschäftigt sich die Oberurseler Politik mit den Wohncontainern auf der sogenannten Rolls Royce Wiese. Seinerzeit wurde per Beschluss der Magistrat aufgefordert, eine Planung samt Kostenschätzung vorzulegen, um den dort untergebrachten obdachlosen Menschen feste Wohnungen anzubieten. Die Mobile-Homes, auch "Trailer- Homes" genannt, gibt es immer noch und damit auch Anlass für die Politik nachzuhaken und nochmals ein Konzept einzufordern.

So geschehen in der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstagabend in der Stadthalle. Zentral war eine Beschlussvorlage aus dem Sozial-, Bildungs- und Kulturausschuss (SBKA), den die Kooperation aus CDU und Grünen zusammen mit der FDP auf den Weg gebracht hatten. "Für eine angemessene Unterkunft zu sorgen, gehört zu den Kernaufgaben einer Kommune", betonte Fiona Becker (Grüne). Dabei dürften die "Trailer- Homes" nur eine kurzfristige Lösung und kein Ersatz für eine dauerhafte Unterbringung in Wohnungen sein. Die Mobile-Homes seien sozial wie auch ökologisch bedenklich, so Becker.

Die jetzt mit der Mehrheit der Stadtverordneten und gegen die Stimmen der AfD beschlossene Vorlage fordert vom Magistrat ein Konzept, wie die Mobile-Homes durch Wohnungen in Gebäuden abgelöst werden können. Damit stellt sich die Frage: Neubau oder Umzug? Geprüft werden soll, ob es ein städtisches Grundstück gibt oder ob Gebäude der Stadt, von sozialen Trägern oder in Privatbesitz existieren, die genutzt werden könnten.

Um zu verhindern, dass dort eine Art Ghettosituation entsteht, soll auf die soziale Durchmischung geachtet werden, was beispielsweise mit der Errichtung eines Studentwohnheims passieren könnte. Zudem legt der Beschluss eine Kooperation mit einem sozialen Träger für eine sozialpädagogische Betreuung nah.

Weniger "Show" und dafür schnelles Handeln

Zwar stimmte die Linke schließlich der Beschlussvorlage zu, dennoch kritisierte Dietrich Andernacht, dass diese "ziemlich viel Show enthält". Er stieß sich an dem Begriff "Trailer Homes", mit dem die aktuelle Wohnsituation beschönigt werde. Auch fehlten Andernacht konkrete Schritte. Ein Konzept zu fordern, sei grundsätzlich in Ordnung, "aber es muss jetzt schnell gehandelt werden", mahnte er an.

Die AfD bewertete die Vorlage als "Partikularantrag", der zu kurz greife und dem man so nicht folgen könne. Es sei wichtiger zu einem Gesamtkonzept zu kommen, das allen 800 Wohnungssuchenden in Oberursel gerecht werde, so Claudia Koch-Brandt.

Auf die Frage, warum sich an der Wohnsituation in den Containern bislang nichts geändert hat, hatte zuvor im Rahmen der Fragestunde Erster Stadtrat Christof Fink (Grüne) für die Verwaltung geantwortet.

Wegen der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Problemen bei der Notunterbringung habe man sich noch nicht mit den geforderten Planungen beschäftigen können. Jetzt gehe es erstmal um die Grundstücks- oder Gebäudesuche. Die Nachfrage von Sabine Kunz (SPD), ob damit schon begonnen worden sei, verneinte Fink mit dem Hinweis, dass der Magistrat das zusammen mit der Stadtplanung noch klären werde.

Auch die aktuelle Situation an den Wohncontainern war Gegenstand der Diskussion. So wollte die SPD ebenfalls wissen, ob das Wohnumfeld kindgerechter und familienfreundlicher mit Spielgeräten oder Sitzmöglichkeiten gestaltet werden könne. Fink schloss aus, solche Aufenthaltsmöglichkeiten für Kinder im Außenbereich zu schaffen, weil sich dort in den Abendstunden Erwachsene aufhalten würden, was zu Konflikten mit der Nachbarschaft führen würde. Auf Nachfrage von Doris Mauczok (SPD), ob es konkrete Beschwerden gegeben habe, verneinte Fink. Aber es gebe an anderen Stellen Erfahrungen mit solchen Effekten. Insgesamt bemühe man sich von Verwaltungsseite, gerade für Familien den Aufenthalt in der Notunterkunft so kurz wie möglich zu halten, so Fink.

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