1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus
  4. Oberursel

Oberursel: Die Welt ist zu groß für 50 Quadratmeter

Erstellt:

Von: Robin Kunze

Kommentare

Noch sind die neuen Räumlichkeiten des Weltladens eine Baustelle, aber Peter Matthäy und Christiane Becker vom Vorstand können sich das neue Ladengeschäft bereits bildlich vorstellen.
Noch sind die neuen Räumlichkeiten des Weltladens eine Baustelle, aber Peter Matthäy und Christiane Becker vom Vorstand können sich das neue Ladengeschäft bereits bildlich vorstellen. © Jens Priedemuth

Der Weltladen steht vor dem Umzug, denn die aktuellen Räumlichkeiten sind längst zu klein geworden. Die finale Finanzierung soll per Crowdfunding erreicht werden.

Oberursel - Aktuell braucht es noch sehr viel Fantasie, um sich die zukünftige Nutzung der Räume des Alberti-Gebäudes auszumalen. Die Innenansicht der leerstehenden Immobilie in der Strackgasse wird momentan noch von unverputzten Wänden, wuchtigen Säcken mit Mörtel, allerlei Werkzeug und großformatigen Styroporplatten dominiert. Wenn die Sanierung allerdings abgeschlossen ist, dann wird sich dort eine ganz neue Welt auftun. Schließlich wird nebst dem Kulturcafé Windrose und einer Arztpraxis auch der Weltladen im Alberti-Gebäude seine Pforten neu eröffnen. "Im September wollen wir umziehen", sagt Vorstandsmitglied Christiane Becker. Endlich, muss man eigentlich hinzufügen, denn den beengten Räumlichkeiten in der Unteren Hainstraße ist der Weltladen längst entwachsen.

Angefangen hatte man 2008 auf rund 25 Quadratmetern, und schon 2013 wurde das gegenüberliegende Ladengeschäft mit angemietet. Die nutzbare Fläche verdoppelte sich, zudem hat man drei Kellerabteile als Lagerfläche zur Verfügung. Doch das mittlerweile reichhaltige Sortiment an fair gehandelten Waren, darunter neben Kaffee und Schokolade auch Kunsthandwerk, verlangt mehr Platz zur Entfaltung. Am neuen Standort wird man davon genug haben. "Im Alberti-Gebäude haben wir dann 100 Quadratmeter, die wir separat von den anderen Mietern nutzen können", erklärt Peter Matthäy, der sich um die Finanzen des Ladens kümmert. Diese sind momentan der springende Punkt: Was die Miete angeht, so sei Vermieter Heinrich Alberti dem Weltladen sehr entgegengekommen, aber die Kosten für die Inneneinrichtung stelle eine echte Hürde für den ehrenamtlich geführten Weltladen dar.

Rund 70 000 Euro müssen investiert werden, um den Laden so auszustatten, dass die Betreiber ihrem eigenen Anspruch gerecht werden. Das Mobiliar soll beispielsweise aus Echtholz sein, aber aus heimischer Produktion, um lange Transportwege zu vermeiden. "Wir haben unsere Ansprüche an die Qualität, aber auch an den Nachhaltigkeitsgedanken der Einrichtung", sagt Becker. Da der Weltladen als Wirtschaftsbetrieb dem 1993 gegründeten und gemeinnützigen Eine-Welt-Verein Oberursel angehört, konnten die Betreiber nur sehr bedingt Rücklagen ansparen. "Wir haben da alle Register gezogen, aber es reicht noch nicht ganz", sagt Matthäy. Eine Summe von 10 000 Euro ist noch offen. Über "TaunaCrowd", der Crowdfunding-Plattform der Oberurseler Stadtwerke, möchte man nun das Geld einnehmen.

Schokolade aus

Ghana ist ein Renner

Mit dem Thema Crowdfunding hatte das Team des Weltladens bereits 2020 gute Erfahrungen gemacht. Ebenfalls über "TaunaCrowd" wurde eine neue Registrierkasse finanziert. Damals kamen 1851 Euro zusammen. Jetzt wird eine deutlich größere Summe benötigt, doch die Tendenz ist vielversprechend. Gestern war die Hälfte der erforderlichen 10 000 Euro gespendet. "Im Grunde sind es ja gar keine Spenden, es ist vielmehr ein Geben und Nehmen", betont Christiane Becker, die für das Fundraising des Weltladens verantwortlich zeichnet. Unterstützer des Crowdfundings erhalten nämlich kleine Prämien, darunter Einkaufsgutscheine, erlesene Weine oder vollmundige Kaffeebohnen. "Und wir stellen die fair gehandelten Waren für Oberursel zur Verfügung, eine Alternative gibt es im Umkreis nicht", so Becker.

Zu den bei den Kunden beliebtesten Waren im Sortiment des Weltladens gehört die Fair-Trade-Schokolade. Christiane Becker selbst ist von der Marke "FairAfric" begeistert, einerseits wegen der Qualität der Tafeln, anderseits aber auch wegen der Geschichte hinter dem Produzenten. Hendrik Reimers lernte zwischen 2013 und 2015 den afrikanischen Kontinent als deutscher Rucksacktourist kennen, 2016 gründete er aufgrund der gesammelten Eindrücke "FairAfric", und seitdem wird in Ghana Schokolade hergestellt. Und zwar komplett, vom Anbauen der Rohstoffe bis zum Design der hübschen farbenfrohen Verpackungen.

"Genau diese Wertschöpfungskette vor Ort ist das, was wir unterstützen wollen", betont Matthäy. Rund 70 Prozent des weltweiten Kakaos stamme aus Afrika, aber nur knapp ein Prozent der Schokolade wird dort produziert. Das Geld, das mit afrikanischen Rohstoffen weltweit verdient wird, landet zum größten Teil nicht auf dem Kontinent. Ein Umstand, der sich dank Firmen wie "FairAfric" und durch die Unterstützung von Weltläden und deren Vertrieb ändern lässt. Übrigens: Das Geld zur Firmengründung holte sich Reimers - und hier schließt sich ein schöner Kreis zum Oberurseler Weltladen - über eine Kampagne auf "Kickstarter", der ersten globalen Crowdfunding-Plattform.

Das neue Domizil im Erdgeschoss des Alberti-Gebäudes wird aber nicht nur mehr Platz für solche Produkte und die dazugehörigen Geschichten bieten. Im ersten Stock werden zudem Büro- und Seminarräumlichkeiten zur Verfügung stehen, die für kulturelle Angebote genutzt werden können. Bis zum 15. Mai läuft die "TaunaCrowd"-Kampagne noch. Wer den Weltladen beim Umzug in die neuen Räumlichkeiten auf diesem Wege unterstützen möchte, der findet auf der Homepage www.taunacrowd.de/weltladen weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Spende.

Die Mitarbeiterinnen Irmgard Buggert-Fehn (links) und Margret Brötz im bisherigen Laden, der nicht mehr genügend Platz bietet.
Die Mitarbeiterinnen Irmgard Buggert-Fehn (links) und Margret Brötz im bisherigen Laden, der nicht mehr genügend Platz bietet. © Jens Priedemuth
Das Alberti-Gebäude in der Außenansicht. Hier wird der Weltladen auf 100 Quadratmetern bald heimisch.
Das Alberti-Gebäude in der Außenansicht. Hier wird der Weltladen auf 100 Quadratmetern bald heimisch. © Jens Priedemuth

Auch interessant

Kommentare