So soll das Baugebiet einmal aussehen. Rechts am Rand verläuft der Zimmersmühlenweg.
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So soll das Baugebiet einmal aussehen. Rechts am Rand verläuft der Zimmersmühlenweg.

Gewässer

Oberursel: "Eine aktive Wassereinleitung hat es nicht gegeben"

Der Neumühlen-Investor weist den Verdacht zurück, den Urselbach verschmutzt zu haben. Das Regierungspräsidium kontrolliert wöchentlich.

Fischesterben im Urselbach, eine massive Störung der Kläranlage durch zu hohe Schadstoffkonzentration. Dazu massive Erdbewegungen auf der Baustelle "Neumühle" am Zimmersmühlenweg, dort, wo einst eine Bronzefabrik und die Firma Hessenglas arbeiteten, wodurch Schwermetalle in den Boden gelangten. So dauerte es auch nicht lange, bis ein Zusammenhang zwischen Fischesterben und Baustelle diskutiert wurde, zumal der BUND nach eigenen Angaben einen ungenehmigten Abfluss in den Urselbach festgestellt haben will und deswegen Strafanzeige gestellt hat

Der Investor "Neumühle GmbH Oberursel GmbH", eine eingetragene Tochter des Bauentwicklers Pecan Development, und die Stadt haben darauf reagiert und baten am Mittwoch zu einer Baustellenbesichtigung auf das knapp drei Hektar große Areal. "Es ist uns ein Anliegen, das hier alles möglichst transparent abzuwickeln", sagte der geschäftsführende Gesellschafter Markus Brod von Pecan Development. Alle Arbeiten erfolgten in enger Absprache mit den Behörden, das Regierungspräsidium (RP) sei wöchentlich auf der Baustelle und entnehme Proben. Gebaut werde erst, wenn der Boden von den Altlasten befreit und dies auch vom RP bescheinigt worden ist, betonte er.

Dass der Boden auf dem Areal trotz einer bereits in den 1990er Jahren vorgenommenen Altlastensanierung nach wie vor belastet ist, ist unbestritten. Doch bislang habe es keine "böse Überraschungen gegeben", so Brod. Die große Unbekannte seien die noch im Boden versteckten Bauwerke gewesen, die nirgends dokumentiert wurden. Dazu zählt auch ein Kanal, der in den Urselbach entwässert hat. "Hier hatten wir vom RP die Auflage, diesen Kanal freizulegen und zu untersuchen, damit er zurückgebaut werden kann", so Brod. Und genau das habe man getan. Da aber der Urselbach tiefer liege als der Grundwasserspiegel, habe sich im Kanal das Grundwasser angesammelt. "Seit 30 Jahren fließt das Wasser so in den Urselbach ab", sagte Brod, nur sei es jetzt durch die Offenlegung des Kanals erstmals sichtbar geworden. Das Grundwasser selbst sei unbedenklich.

"Eine aktive Wassereinleitung in den Urselbach hat es von uns bisher nicht gegeben", unterstrich der Gesellschafter. Erst in den kommenden Wochen werde man damit beginnen - nach dem Okay des RP -, das Grundwasser abzupumpen und in das städtische Kanalnetz einzuleiten. "Von der Wasserqualität her wäre es auch möglich gewesen, es in den Urselbach zu führen", sagte Brod.

Auf dem Baugrundstück selbst sind riesige Erdhaufen aufgetürmt. Diese sind nach Schadstoffen sortiert und werden entsprechend abgefahren. Die Schadstoffe, zumeist Schwermetalle, sind in den Schotterbergen fest gebunden. "Wäre dies nicht der Fall hätten wir die Auflage, diese Berge mit Planen abzudecken, um ein Auswaschen der Schadstoffe zu verhindern", betont Brod. Ebenfalls aufgeschüttet ist riesiger Haufen Muttererde, mit dem das Areal aufgefüllt werden soll.

Eine weitere Unbekannte ist der zehn Meter breite Schutzstreifen zwischen Baugebiet und Urselbach. Hier haben Bodenproben ergeben, dass der Boden belastet sei. Doch Abhilfe zu schaffen sei gar nicht so einfach. Denn eigentlich dürfe der Schutzstreifen aus Naturschutzgründen nicht angerührt werden, erklärte Brod. Das RP empfahl, den Boden abzutragen, doch derzeit werde noch das genaue Vorgehen zwischen den Behörden abgestimmt.

Vonseiten der Stadt unterstrich Stadtplaner Arnold Richter, dass ein Zusammenhang zwischen Baustelle und Fischesterben auszuschließen sei. "Wir wissen, dass die Schadstoffe über eine Zuleitung aus dem Kanal in die Kläranlage gelangt sind. Die Baustelle ist aber gar nicht an das städtische Kanalnetz angeschlossen und scheidet daher aus", sagte er.

Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) unterstrich die Bedeutung des Bauvorhaben für Oberursel: Mehrere Büro- und Gewerbegebäude mit vier bis fünf Vollgeschossen, ein neues Schulgebäude für die Kettler-La-Roche-Schule mit Wohnheim, 97 Wohneinheiten , davon 78 in Mehrfamilienhäusern mit vier Vollgeschossen und zur Urselbachaue hin 19 zweigeschossige Einfamilienhäuser. 20 Prozent der Wohnungen sind in dem Segment bezahlbarer Wohnraum auf 20 Jahre festgeschrieben. Die Kaltmiete darf bei der Erstvermietung nicht höher als 10 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche sein und die Stadt darf die Personen benennen, die hier einziehe dürfen.

Das Baugebiet bringe Oberursel viele Vorteile, fasste Brum zusammen: Die Top-Lage mit der Nähe zu S- und U-Bahn, einer guten Infrastruktur, Parkmöglichkeiten mache das Gebiet für Wohnungsbau und Gewerbeansiedlung attraktiv. Zudem sei geplant, dass auf dem Gelände auch noch eine Kindertagesstätte errichtet wird. Hier sei man in Gesprächen mit einem kirchlichen Träger, so der Rathaus-Chef.

Die Bodenvorbereitung für Bebauung und Erschließung des Grundstücks soll im dritten Quartal abgeschlossen werden. Laut Markus Brod soll noch in diesem Jahr ein erster Bauantrag gestellt werden. Die Hochbauarbeiten könnten dann 2022 beginnen, die ersten Bauten voraussichtlich Ende 2023 bezogen werden.

Alexander Wächtershäuser

Auf dem kompletten Areal befinden sich riesige Bauschutthügel, die vom Lastwagen abgefahren werden.
Die Hügel sind nach Schadstoffklassen kategorisiert, so dass sie den Vorgaben entsprechend entsorgt werden können.
Hans-Georg Brum, Arnold Richter und Markus Brod (v.l.) besichtigen den Kanal, der sich mit Grundwasser gefüllt hat. Im Hintergrund ist der Schutzstreifen zu erkennen, dessen Boden belastet ist. Hier laufen derzeit Gespräche zwischen Behörden, wie der Bereich zu sanieren ist.

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