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Oberursel: Eine perfekt passende Genossenschaft

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Von: Gabriele Calvo Henning

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In Oberursel fühlen sich die Genossen wohl. Die Herrenmühle ist der Sitz von "DenktMit"
In Oberursel fühlen sich die Genossen wohl. Die Herrenmühle ist der Sitz von "DenktMit" © Jochen Reichwein

Die eigene Idee umsetzen, die Dinge selbst in die Hand nehmen, das Besondere anbieten - es gibt viele Motive für Gründer, ihr eigenes Unternehmen an den Start zu bringen. Wir stellen junge Gründungen in Oberursel vor, die es weniger als fünf Jahre gibt. Das gilt auch für die IT-Spezialisten von "DenktMit eG". Sie sind alle schon länger im Geschäft, haben jetzt eine Genossenschaft gegründet und dabei Erstaunliches erlebt.

Sie sind Genossen und gleichzeitig einzelne Unternehmer und Freiberufler, die in ihrem Metier Geld verdienen wollen. Was sich ein bisschen wie die Quadratur des Kreises anhört, ist bei der frisch gegründeten IT-Genossenschaft "DenktMit", die ihren Sitz in der Herrenmühle hat, Programm. Dafür haben sich zehn IT-Spezialisten zusammen getan. Das eigentliche Geschäft, nämlich Softwarelösungen für Unternehmen, Firmen und Betriebe individuell und über gängige Standardlösungen hinaus zu entwickeln, Prozesse zu optimieren und Kunden auf dem Weg der Digitalisierung umfassend zu beraten, beherrscht jeder von ihnen seit Jahren. So hätte es weitergehen können: Jeder strampelt für sich und manchmal als Partner in gemeinsamen IT-Projekten.

Jetzt hat mit der frisch gegründeten Genossenschaft alles ein Dach und die Kunden haben einen zentralen Ansprechpartner. "Sie wissen, dass "DenktMit" eine Marke ist, über den sie Zugriff auf viele IT-Fachspezialisten haben", erklärt Marius Schmidt die Grundidee. Damit könnten je nach Bedarf gut funktionierende Teams zusammengestellt werden. "Für uns ist der Vorteil, dass wir nach außen stärker und präsenter sind", fügt Johannes Ernst hinzu und das über Oberursel hinaus, denn einige Genossen sitzen auch in Nordrhein Westfalen und in Bayern.

Faire Regeln und Transparenz

Für die Rechtsform der Genossenschaft haben sie sich ganz bewusst entschieden, erklärt Schmidt. "Die Genossenschaft ist die einzige Rechtsform, die Beteiligungen fair regelt." So habe jedes Mitglied unabhängig davon, wie viele Anteile gehalten werden, also mit wie viel man Geld einsteigt, eine Stimme in der Generalversammlung, die Vorstand und Aufsichtsrat wählt. "Sobald ein Anteil gezeichnet und freigegeben ist, ist man vollwertiger Genosse mit allen Rechten und Pflichten. So etwas wie Juniorpartner gibt es bei uns nicht." Basisdemokratie nennt es Schmidt, der wie Ernst gewähltes Vorstandsmitglied ist.

Ein weiterer Pluspunkt sei die große Transparenz. Denn als Genossenschaft muss man Mitglied in einem genossenschaftlichen Prüfverband sein, der extern prüft, ob die Satzung stimmt, das Wirtschaftskonzept trägt und es genug fachliche wie wirtschaftliche Kompetenzen gibt. "Am Ende geht es darum, dass die Genossen dem Vorstand Vertrauen können, dass der die Geschäfte in ihrem Sinne führt", so Schmidt weiter.

Zwei Jahre lang habe man alle möglichen Rechtsformen durchdiskutiert, sogar die Gründung einer Partei stand mal kurz zur Debatte. "Am Ende sind wir dann doch wieder bei der Genossenschaft gelandet," sagt Daniel Roth, weil sie die beste Basis für eine faire Kooperation auf Augenhöhe biete. Das passe wiederum zu der Philosophie, mit der wie man den Kunden begegne. Die jedenfalls hätten keine Probleme mit diesem Zusammenschluss, seien im Gegenteil sehr aufgeschlossen, auch wenn so manche Rechtsabteilung erst noch lernt, wie man Beraterverträge mit der Genossenschaft abschließt, so Sven Köppel, der Münsteraner unter den Genossen.

Richtig Nerven habe es allerdings gekostet, überhaupt valide Informationen über Genossenschaften zu bekommen. Bei Banken, Notaren und sogar Steuerberatern waren da erst mal viele Fragezeichen. Manche konnte eine Genossenschaft, die Gewerbesteuer zahlt, nicht von einem gemeinnützigen Verein unterscheiden. Für manch andere war "Genossenschaft" purer Kommunismus.

Sogar den passenden Prüfverband fand man erst in Berlin. "Das war zum Teil furchtbar", erinnert sich Ernst. Verwunderlich, gehört die Genossenschaft zu den ältesten Rechtsformen. Im Hochtaunuskreis gibt es rund 12, hat Schmidt nachgezählt. Wirklich Hilfe habe man erst von anderen Genossenschaften bekommen, die ihre Erfahrungen mit den ITlern teilten. Trotz aller Schwierigkeiten sind sie davon überzeugt: "Die Genossenschaft passt für uns perfekt."

Gut vernetzt mit

neuen Ideen

Jetzt ist alles unter Dach für die die zehn Genossen, die weitere aufnehmen möchten. Sie arbeiten gerne von Oberursel und besonders gerne von der schönen Herrenmühle aus, in der einige von ihnen schon länger sitzen. Dort hat man weitere Büroräume zugemietet. Viele der Genossen haben familiäre und persönliche Verbindungen in Stadt und Region. "Die Stadt toll und lebenswert", schwärmt Schmidt. Das Gründerklima sei gut, auch wenn die Wirtschaftsförderung auf dem Weg zur Genossenschaft weniger helfen konnte. Beim Thema Digitalisierung sind die Genossen ohnehin die Experten. "Was wir über die Wirtschaftsförderung aber bekommen haben, war, dass wir uns besser vernetzen konnten", so Köppel. Der Kontakt sei super. Man erreiche schnell jemanden, sogar am Wochenende. Die Wege sind kurz, das schätzen die Genossen sehr.

Auch, dass die Stadt plane, demnächst einen Digitalrat ins Leben zu rufen, könne man nur unterstützen. Dabei wolle man sich gerne einbringen. Beim digitalen Gründerdialog der Wirtschaftsförderung habe man schon vorgeschlagen, regelmäßig eine öffentliche digitale Sprechstunde anzubieten. "Davon könnten viele profitieren, auch Leute die gründen wollen", sagt Schmidt. Eine Hand wäscht die andere: "Wir haben einen kleinen Werbeeffekt und geben gleichzeitig unser Wissen weiter." Das sei ganz im Sinne der Gemeinwohlökonomie, noch so ein Thema, dass die IT-Genossen gerne voranbringen wollen. Mehr zur neuen Genossenschaft und ihrem Geschäftsfeld im Internet unter www.denktmit.de alv

Sie gehören zu IT-Genossenschaft "DenktMit": (v.l.) Johannes Ernst, Daniel Roth, Sven Köppel, Marius Schmidt und Matthias Weiße
Sie gehören zu IT-Genossenschaft "DenktMit": (v.l.) Johannes Ernst, Daniel Roth, Sven Köppel, Marius Schmidt und Matthias Weiße © Jochen Reichwein

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