Mit der Radhacke und viel Muskelschmalz rücken die Naturschützer jungen Bäumen und Fremdgewächsen zu Leibe, um eine Verbuschung der Heide zu verhindern.
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Mit der Radhacke und viel Muskelschmalz rücken die Naturschützer jungen Bäumen und Fremdgewächsen zu Leibe, um eine Verbuschung der Heide zu verhindern.

Pflegeeinsatz

Oberursel: Eine Plackerei, die Spaß macht

  • VonRobin Kunze
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Naturschützer befreien die Stierstädter Heide von unliebsamem, artfremdem Bewuchs und erhalten so das typische Heidekraut.

Oberursel -Ihre Hauptaufgabe trägt die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) bereits im Namen. Die zahlreichen Mitglieder der verschiedenen Ortsgruppen arbeiten hart dafür, dass der Wald in seiner Vielfalt als Lebensraum und Naherholungsort erhalten bleibt. Hin und wieder muss die SDW allerdings auch andere vor dem Wald beschützen. Wie das aussieht und warum es notwendig ist, konnte man am vergangenen Samstag auf der Stierstädter Heide sehen.

Dieses im Vordertaunus einzigartige Biotop unterhalb des Sportplatzes an der Königsteiner Straße ist nämlich umringt vom Forst und droht von diesem in Beschlag genommen zu werden. "Die angrenzenden Kiefern und Pappeln werfen ihre Samen stets aufs Neue auf der Heide aus", berichtet Matthias Holzhausen, Vorsitzender der Oberurseler Waldschützer. Da diese Fremdgewächse die Heidevegetation zu verdrängen drohen und so wiederum Lebensraum für Insekten und Eidechsen verschwinden würde, steht die SDW der Stierstädter Heide seit mittlerweile vier Jahrzehnten zur Seite.

Was für Außenstehende wie leichte Gartenarbeit klingt, ist in Wahrheit viel mehr als nur ein bisschen Unkrautrupfen. "Es ist wirklich, wirklich anstrengend", betont Annika Haas, die am frühen und an sich kühlen Samstagmorgen bereits ihre Jacke und den Pullover abgelegt hat. Mit einer Spitzhacke und ordentlich Muskelschmalz geht die Leiterin der Waldjugend dem widerspenstigen Besenginster, einem weiteren Fremdgewächs, an den Kragen. Oder besser gesagt: An die Wurzeln, denn das zunächst unscheinbare Gestrüpp hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten tief in den Boden der Heide gegraben.

Viermal im Jahr sind die freiwilligen Helfer auf der insgesamt zwei Hektar großen Fläche aktiv und im vergangenen Jahr wurde die Aufgabe sogar mit einer nur fünfköpfigen Truppe bewältigt. "Es macht allerdings umso mehr Spaß, desto größer die Gruppe ist", beteuert Haas. Da einige Mitglieder der Oberurseler SDW Verpflichtungen auf dem Fürstlichen Gartenfest in Langen nachkommen mussten, befürchtete man erneut eine geringe Beteiligung. Allerdings hatte sich bereits gegen 10 Uhr ein Dutzend Helfer eingefunden, darunter auch Mitglieder der im vergangenen Jahr neu formierten Waldjugend. "Man merkt den Kindern an, dass sie es nach dem langen Lockdown so dringend brauchen, mal wieder gemeinsam raus zu können", berichtet Haas.

Der Einsatz auf der Stierstädter Heide war ideal für die Familien der Waldjugendmitglieder. Zu tun gab es für alle Altersgruppen genug, schließlich hatte der BSO einen großen Container zur Verfügung gestellt, der bis 15 Uhr mit Fremdgewächsen befüllt werden wollte. Für die dringend benötigten Pausen der Plackerei bot sich der angrenzende Spielplatz an. Zudem hatte die SDW Sitzgarnitu-ren, kleine Snacks und Getränke bereitgestellt.

Und zur Mittagszeit wurde ein kleiner Brauch gepflegt, der ein Stück Zivilisation in die Kulturlandschaft brachte. "Wir bestellen dann immer Pizza, die uns hierher geliefert wird", verrät Matthias Holzhausen. Auf die Kalorien musste am Samstag niemand achten bei so viel anstrengender Arbeit. Das Heidekraut hat dank der Helfer jetzt wieder genügend Raum zum Sprießen.

Robin Kunze

Annika Haas und Matthias Holzhausen kommen bei den Pflegearbeiten ganz schön ins Schwitzen, allerdings mache es auch viel Spaß, sagen die beiden.

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