Die Vorstadt mit ihrem 1970er-Jahre-Charme soll aufgewertet werden, um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen.
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Die Vorstadt mit ihrem 1970er-Jahre-Charme soll aufgewertet werden, um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen.

City-Attraktivität

Oberursel: Einkaufsmeile Vorstadt "entstauben"

  • VonManuela Reimer
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Die Stadt erhält 250 000 Euro aus dem Landesförderprogramm "Zukunft Innenstadt". Das reicht zwar nicht, um alles umzukrempeln, aber die Planung kann beginnen.

Oberursel -Die Töpfe in Wiesbaden anzuzapfen, hat man mehrfach versucht, jetzt ist es so weit: In den kommenden beiden Jahren greift das Land der Stadt unter die Arme, um die City attraktiver zu machen. Eine Viertelmillion Euro fließen aus dem Förderprogramm "Zukunft Innenstadt" nach Oberursel - insgesamt 62 500 Euro muss die Stadt dazulegen, verteilt auf die Haushaltsjahre 2022 und 2023. Sowohl der Bau-, Umwelt- und Klimaschutzausschuss als auch der Haupt-, Finanz- und Digitalisierungsausschuss haben ihr OK gegeben. Am 18. November entscheidet das Stadtparlament.

"Dass wir diese Förderung bekommen haben, ist großartig", freute sich Bürgermeisterin Antje Runge (SPD) im Bauausschuss. Das Programm biete die Chance, die Aufenthaltsqualität zu steigern sowie Fußgängerzone und Altstadt besser zu vernetzen. In einer Innenstadt gehe es heutzutage schließlich nicht mehr nur ums Einkaufen. "Die Menschen suchen ein Erlebnis. Man will flanieren und sich treffen." Es gelte, "Räume zu schaffen, wo Menschen sich wohlfühlen". Was auch bedeuten könne, dass die Innenstadt autofreier werde - "wir rücken die Fußgänger in den Fokus, die dort bummeln".

Fest steht: Oberursel müsse handeln, "bevor wir hinten dranhängen im Vergleich zu anderen Städten unserer Größe". Runge: "Wir haben jetzt die Möglichkeit, die Stadt neu zu denken. Das tut nach Corona auch dem Einzelhandel gut."

Im Sommer

beworben

Die Bewerbung der Stadt im Sommer gehe auf eine Kooperation der Wirtschaftsförderung mit dem Selbstständigenforum Fokus O., der Lokalen Oberurseler Klimainitiative und anderen Experten zurück, wie die Rathauschefin hervorhob. Die vorgesehenen Maßnahmen beinhalten denn auch einen "fachlich ausgewogenen Mix aus den Ressorts Stadtentwicklung, Klimaschutz, Wirtschaft und Soziales sowie Gesellschaft und Kultur", heißt es in der Beschlussvorlage. Konkret aufgelistet sind fünf bewilligte "Schwerpunktmaßnahmen" als "erste Vorschläge", die nun diskutiert werden sollen: ein "Integriertes Freiraum- und Platzgestaltungskonzept", die "Ausstattung des öffentlichen Raums" zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität und unter Berücksichtigung des Klimawandels, die Entwicklung eines "zukunftsfähigen Wochenmarktkonzeptes mit Erlebnischarakter", außerdem die Entwicklung von digitalen Anreizen sowie von "Dialogformaten zur dauerhaften Einbeziehung der Bürger und maßgeblichen Akteure". Bei den einzelnen Vorhaben werde Kommunikation wesentlicher Bestandteil sein: "Wenn die Stadt nur etwas hinstellt, wird es nicht akzeptiert", erklärte Runge. Es gelte, die Bürger "zum Mitmachen einzuladen".

Auch die Fraktionen freuten sich. "Endlich gab es den Zuschlag - wir bekommen 250 000 Euro vom Land, da sind unsere 62 500 Euro gut investiert", so Michael Reuter (CDU). Im Programm sieht er die Chance, Orschels Einkaufsmeile Vorstadt zu entstauben. "Das ist eine der letzten Straßen in Oberursel, in der noch Quecksilberdampflampen stehen. Wir wollten die Vorstadt angehen, den Beschluss gab es. Jetzt kann alles aus einem Guss geplant werden."

Mittel reichen für

die Planung

Nur Stadtplanungschef Arnold Richter dämpfte die Euphorie, zumindest ein bisschen: Zwar stamme die Vorstadt aus den 1980er-Jahren, was man ihr auch ansehe, doch mit dem Geld aus Wiesbaden komme man nicht allzu weit. "Die Vorstadt bautechnisch zu erneuern, geht nicht mit den Mitteln. Aber wir können planen", sagte Richter. Sei es doch nicht damit getan, "einfach drei, vier Bäume irgendwo hinzustellen".

Die Innenstadt-Vitalisierung soll "zügig" angestoßen werden: Das Förderprogramm ist so angelegt, dass die zugesagten Mittel bis Ende 2023 abgerufen werden müssen, auch der städtische Anteil muss bis dahin ausgegeben sein. "Prima, das ist zeitnah", kommentierte Andreas Bernhardt (OBG) im Hauptausschuss. Und Elenor Pospiech (SPD) stellte fest: "Manchmal muss man Geld in die Hand nehmen, um noch mehr Geld zu bekommen."

Die 62 500 Euro müssen per Verwaltungsänderungsliste erst noch in den Haushalt aufgenommen werden. Christina Herr (Grüne) bat darum, dass eine Auflistung der einzelnen Beträge und Maßnahmen schon mit der Einladung zur nächsten Ausschusssitzung verschickt wird - könne es bei dem ein oder anderen Vorhaben doch zu kontroversen Diskussionen kommen. "Damit wir diesen Prozess gemeinsam gut gestalten können, brauchen wir mehr Beratungszeit."

Manuela Reimer

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