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Oberursel: Erste Hilfe bei Magersucht

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Von: Katja Schuricht

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Dr. Heike Thomas, Esra Sevim Hishis (von links) und Uwe Simon sind in der Fachambulanz für die Hilfesuchenden da.
Dr. Heike Thomas, Esra Sevim Hishis (von links) und Uwe Simon sind in der Fachambulanz für die Hilfesuchenden da. © ksp

Die Klinik Hohe Mark hat eine neue Fachambulanz für Essstörungen in Betrieb genommen.

Oberursel -Die Situation ist alarmierend. „Es gibt immer mehr junge Menschen, vor allem Frauen, die unter einer Essstörung leiden und dringend Hilfe benötigen, und das nicht immer im stationären, sondern vor allem im ambulanten Bereich“, berichtet Dr. Heike Thomas, Oberärztin der Klinik Hohe Mark.

Auf diese Pandemie-bedingte Entwicklung und dem daraus resultierenden allgemeinen Platzmangel für Betroffene hat das Krankenhaus für Psychiatrie Psychotherapie, Psychosomatik und Suchtmedizin nun reagiert und in den vergangenen Monaten eine Fachambulanz für Essstörungen aufgebaut. „Uns war es wichtig, ein zeitnahes Angebot zu schaffen, um diese Versorgungslücke schnell schließen zu können“, betont Thomas.

Die Oberärztin leitet die neue Fachambulanz gemeinsam mit den beiden Psychologischen Psychotherapeuten Esra Sevim Hishis und Uwe Simon. Jetzt konnten die Räume im Erdgeschoss des Wohnheims, das früher als Schwimmbad für die Schwesternschaft, später dann als Lager genutzt wurde, für die ambulante Behandlung in Betrieb genommen werden. „Begonnen haben wir mit unserer Arbeit bereits im Oktober 2021“, so Heike Thomas.

Dank der Renovierung stehen ab sofort eigene Therapeutenzimmer zur Verfügung. In diesem Jahr wurden bereits 250 Patienten mit Essstörungen ambulant behandelt. „Mit dem jetzt fertigen, zusätzlichen Raumangebot sowie der sukzessiven Steigerung des therapeutischen Personals rechnen wir mit einer deutlichen Steigerung der Behandlungszahlen im kommenden Jahr“, heißt es von der Klinik. Das ambulante Angebot richtet sich an Erwachsene ab 18 Jahren, die aus eigenem Antrieb Unterstützung und Beratung im Umgang mit ihrer Krankheit suchen. Magersucht (Anorexia nervosa), Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa), psychisch bedingte Essanfälle ohne Gegenregulation (Binge-Eating-Störung) und weitere Erkrankungen aus dem Spektrum der Essstörungen werden laut Heike Thomas behandelt. Der Vorteil der ambulanten Versorgung liegt für das Expertenteam auf der Hand: „In der Ambulanz können wir Betroffenen Erste Hilfe anbieten, sie regelmäßig sehen und falls notwendig auf einen stationären Aufenthalt bei uns vorbereiten“, fasst Uwe Simon zusammen.

Auch andersherum mache die Ambulanz Sinn: Nach einer stationären Behandlung können Patienten weiter von der Fachambulanz betreut werden, zum Beispiel, um die Wartezeit zu überbrücken, bis ein Platz bei einem niedergelassenen Psychotherapeuten frei wird.

Über die fachliche Kompetenz verfügt die Oberurseler Einrichtung bereits länger: Im stationären Bereich kann die Klinik auf 20 Jahre Erfahrung bei der Behandlung von Essstörungen zurückblicken. „Insgesamt sind wir jetzt in unserer Therapiegestaltung durch unsere Essstörungsambulanz flexibler geworden“, stellt Esra Sevim Hishis fest. Ziel sei zudem, Betroffenen Therapien anzubieten, auch wenn sie diesen noch skeptisch gegenüber stehen. „Die besten Heilungschancen sowie der Schutz vor chronischen Verläufen besteht, wenn die Betroffenen sich frühzeitig professionelle Hilfe suchen“, sagt Uwe Simon. Denn: „Wir erleben es oft, dass der Erstkontakt erst nach jahrelanger Leidensgeschichte stattfindet“, erläutert er.

Die Therapie besteht aus verschiedenen Bausteinen, die individuell zum Zuge kommen, erklärt Heike Thomas. Dazu zähle die Intervention in akuten Krisen, Klärung stationärer Behandlungsbedürftigkeit, ambulante Nachsorge nach einer stationären Therapie oder verhaltenstherapeutische und tiefenpsychologische Maßnahmen.

Die Ambulanz

ist telefonisch unter (0 61 71) 2 04 30 73 oder per E-Mail an essstoerungsamulanz@hohemark.de erreichbar.

25 Prozent mehr magersüchtige Mädchen und junge Frauen wegen Pandemie

Essstörungen, besonders die Magersucht, sind lebensbedrohliche, psychische Erkrankungen, die bei jungen Menschen in Kombination mit Depressionen und Angststörungen pandemiebedingt stark zugenommen haben. Das zeige eine aktuelle Studie der Krankenkasse DAK bei weiblichen Jugendlichen, wie es seitens der Klinik Hohe Mark heißt. Der Anteil junger Patientinnen stieg allein in 2021um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Da diese Erkrankung sich oft bis ins Erwachsenenalter fortsetzt, bedeutet das, dass auch der ambulante Therapiebedarf in den kommenden Jahren dementsprechend stark zunehmen werde. Experten gehen davon aus, dass im Verlauf des gesamten Lebens von 1000 Mädchen und Frauen 14 an einer Magersucht, 19 an einer Bulimie und 28 an einer Binge-Eating-Störung (psychisch bedingte Essanfälle ohne Gegenregulation) erkranken. Bei Jungen und jungen Männern sind es zwei, die an Magersucht, sechs, die an Bulimie und zehn, die an einer Binge-Eating-Störung leiden. Mit dem Angebot einer Essstörungs-Ambulanz entwickelt sich die Klinik Hohe Mark strategisch in die Richtung des zusätzlichen Aufbaus komplexer ambulanter und sektorübergreifender Versorgungsstrukturen weiter, wie Krankenhausdirektorin Anke Berger-Schmitt erklärt. Das geschehe unter dem Aspekt der Synergie, also unter Nutzung der vorhandenen Infrastruktur der Klinik, wie sie betont. Nach der Trauma-Ambulanz ist die Essstörungs-Ambulanz jetzt das zweite ambulante Angebot im Krankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Suchtmedizin. Mehr auf www.hohemark.de ksp

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