Kurz vor dem Einbringen der gesammelten Eichensamen erklärt Revierförster Luis Kriszeleit (rechts) den Kindern und Lehrerinnen einer der fünften Klassen der FIS genau, was dabei zu beachten ist. Fotos: Jens Priedemuth
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Kurz vor dem Einbringen der gesammelten Eichensamen erklärt Revierförster Luis Kriszeleit (rechts) den Kindern und Lehrerinnen einer der fünften Klassen der FIS genau, was dabei zu beachten ist.

Pflanzaktion

Oberursel: FIS-Schüler bringen Eichensamen in Stadtwaldboden

  • vonGabriele Calvo Henning
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Die Aktion ist Teil des Umweltunterrichts an der Internationalen Schule. Die Kinder sollen früh Nachhaltigkeit, Natur- und Klimaschutz erleben und begreifen.

Look, there's a worm, a baby worm", ruft die elfjährige Moa als sie im Wald oberhalb der Altkönigstraße unter dem Laub einen kleinen Wurm im Waldboden entdeckt. Zusammen mit ihren 17 Freunden einer der fünften Klassen der Frankfurt International School (FIS) ist sie an diesem Dienstagvormittag "outdoor", also draußen. In der Nähe einer so gut wie freigeschlagenen Waldfläche beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler zusammen mit ihrer Klassenlehrerin Karen Pauly und der Umweltpädagogin Maryam Hilger mit den Fragen nach dem Klimawandel, der Erd-erwärmung und dem Ökosystem Wald.

Der Ausflug in den in Schulnähe gelegenen Teil des Stadtwaldes gehört zu dem Themenkomplex "Global Awareness" (etwa: globale Achtsamkeit), mit dem sich die fünften Klassen an der FIS zurzeit fächerübergreifend beschäftigen. Was liegt da näher, als sich mit einem Ausflug in die Natur über die Waldschäden zu informieren, die, Klimakrisen bedingt, durch Sommerdürren und Schädlingsbefall längst augenfällig geworden sind - nach notwendigen Fällungen hat der Wald kahle Stellen.

Nach einer spielerischen Entdeckungseinheit haben die Kinder auf dem Waldboden im Kreis Platz genommen und sprechen mit Umweltpädagogin Hilger darüber, welche Perspektiven es gibt, wenn es um die Erderwärmung und die Klimakrise geht. Geht es nur um lokale Ereignisse oder hängt nicht doch alles miteinander zusammen, so dass es auch den globalen Blick braucht? "Hier im Wald sind die Dinge nicht weit weg und wir können sie genau sehen", sagt eines der Schulkinder und ein anderes ergänzt: "Den Klimawandel gibt es auf der ganzen Welt. Was woanders passiert, betrifft uns auch. Vielleicht können wir von einander lernen, um die Situation für alle zu verbessern." Diese Kinder haben erfasst, was es heißt, lokal zu handeln und global zu denken. Ihnen ist klar, dass die Natur genauso wie die Luft zum Atmen eben nicht teilbar ist. Sogar über wirtschaftliche Zusammenhänge machen sie sich ihre Gedanken. Länder, die zu schwach sind, um alleine auf umweltfreundlichere Energien zu setzen, müsse von anderen geholfen werden, über nationale Grenzen hinweg. Kindermund tut eben doch Wahrheit kund.

Mithilfe bei der Waldverjüngung

Dann, als der städtische Revierförster Luis Kriszeleit zu der Schülergruppe stößt, wird es konkret, geht es doch auch darum, ganz aktiv dem leidenden Wald zu helfen. "Danke, dass ihr heute hier seid, um mitzuhelfen den Wald so umzubauen, dass er besser mit den Klimaveränderungen zurecht kommt", begrüßt Kriszeleit die Kinder. Nicht zum ersten Mal ist er mit Gruppen unterwegs, um Eicheln in den Boden zu bringen. Zusammen mit seinem Team und professionellen Pflanzern hat er zudem in diesem Frühjahr schon 8000 Baumsetzlinge im Wald eingepflanzt, um die natürliche Verjüngung des Waldes zu unterstützen.

"Eigentlich verteilen Tiere die Eichelsamen, die ja selbst unbeweglich sind, im ganzen Wald. Jetzt seid ihr mal die Eichelhäher und Eichhörnchen und übernehmt diese Aufgabe", gibt Kriszeleit das Kommando. Ausgestattet mit mitgebrachten Bechern schwärmen die Kinder aus, um mit viel Spaß und Hallo unter dem trockenen Laub nach Eicheln zu wühlen.

Währenddessen ist Zeit, um mit der Umweltpädagogin Maryam Hilger über den Umweltunterricht an der FIS zu sprechen, den sie dort seit zwei Jahren gibt und der schon bei den ganz kleinen im Kindergarten beginnt und bis zur fünften Klasse geht. "Wir haben ganz verschiedene Lerninhalte. Wichtig ist es uns, dass wir diese immer auch erlebbar und damit greifbar für die Kinder machen." Das geschieht mit dem Gemüseanbau im eigenen Küchengarten oder auch, wenn es um das Thema Energiegewinnung geht, beispielsweise mit dem Bau eines Wasserrades, das vom Urselbach angetrieben wird.

Spannender als in der Schule zu sitzen

Das Konzept kommt an. Die elfjährige Moa findet die heutige Waldaktion super: "Es macht Spaß, wir sind an der frischen Luft und lernen viel über die Natur und die Bäume." Für Anna Carolina (11) ist es "spannender als in der Schule zu sitzen und vielleicht bekommen andere Kinder auch Lust, so etwas zu machen." Kurz danach beginnen die Kinder auf der freien Waldfläche ihre gesammelten Eicheln in die Erde zu bringen, so wie Förster Kriszeleit es vorgemacht hat: Erst die obere, trocken Bodenschicht wegschieben, dann mit den Händen oder einem Stock Löcher in die fruchtbare, feuchte Muttererde bohren, die Eicheln hineinlegen und wieder zuscharren.

Der elfjährige McKay hat ganz genau zugehört und weiß deshalb, dass der beste Platz für die Aussaat nah an einem der Baum-stümpfe ist. "So wird der Samen vor Wind, Austrocken und auch vor Tieren besser geschützt." Für ihn macht die Klassenaktion absolut Sinn: "Das Pflanzen ist wichtig. Man sieht, dass hier nicht mehr viel steht, deshalb muss man unbedingt etwas tun." Gabriele Calvo Henning

Mit einem guten Blick hat FIS-Schüler McKay den idealen Pflanzplatz für seine Eicheln neben einem Baumstumpf gefunden.

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