Claudia Solomons (rechts) und Kathrin Ehrmann setzen auf Vernetzung im Stadtteil.
+
Claudia Solomons (rechts) und Kathrin Ehrmann setzen auf Vernetzung im Stadtteil.

Lebensqualität

Oberursel: Für mehr Miteinander - analog wie digital

  • VonGabriele Calvo Henning
    schließen

Seit gut einem Jahr läuft das von Land, Caritas und Stadt geförderte Sozialraumprojekt in Bommersheim. Es wächst und gedeiht und macht die Jugend zum Schwerpunktthema in diesem Jahr. Und die braucht Treffpunkte.

Oberursel -"Unser Projekt ist wie ein Baum, der erst einmal Wurzel schlagen muss. Er ist jetzt noch ein kleines Pflänzchen, wird aber weiter wachsen." Fast schon poetisch beschreibt Claudia Solomons das Sozialraumprojekt, das seit gut einem Jahr in Bommersheim läuft und das sie zusammen mit Kathrin Ehrmann für die Caritas betreut. Gefördert wird die auf fünf Jahre angelegte Gemeinwesenarbeit zur Hälfe vom Land, Caritas und die Stadt Oberursel sind mit jeweils 25 Prozent dabei. Das gemeinsame Ziel: Die Bevölkerungsgruppen in dem heterogenen Quartier über Generationen und Herkünfte hinweg in Kontakt zu bringen.

"Es gibt viele tolle Leute hier im Stadtteil mit guten Ideen und unglaublich viel Expertenwissen", hat Ehrmann in den vergangenen Monaten festgestellt. Was aber fehle, seien Möglichkeiten der analogen wie digitalen Kommunikation, um die Menschen besser zu vernetzen. Vor allem aber fehle es an Treffpunkten im Stadtteil, sagen die Projektleiterinnen.

Für sie ging es zum Projektstart vor gut einem Jahr erstmal darum, sich und ihre Arbeit bekannt zu machen und in vielen Gesprächen herauszufinden, was im Stadtteil geht und wo es Ansatzpunkte für mehr Miteinander geben könnte. Dabei galt und gilt das Prinzip der Aktivierung: Nicht "von oben" fertige Angebote vorsetzen und auf Interesse hoffen. Umgekehrt soll's laufen: Die Bedarfe der Menschen abholen und verknüpfen ist eine Stoßrichtung. Die andere ist, die Menschen mit städtischen Ansprechpartnern konkret ins Gespräch zu bringen, zum Beispiel wenn es darum geht, städtische Flächen mit einer breiten Bürgerbeteiligung zu Begegnungsorten zu entwickeln. Wenn das Projekt in vier Jahren ausläuft, sollen tragfähige Strukturen entstanden sein, die von den Stadtteilbewohnern weiterhin genutzt werden können.

Hier soll etwas zusammenwachsen

Unter dem Namen "Bommersheim.da-wächst-was-zusammen" ist einiges in Bewegung gekommen. So ist auf Initiative aus der katholischen St. Aureus und Justina Gemeinde ein Gemeinschaftsgarten ins Leben gerufen worden. Eine Gruppe Aktiver, die querbeet aus dem Stadtteil kommen, kümmert sich und schafft zugleich einen neuen Treffpunkt. Mit dabei ist auch die evangelische Kreuzkirchengemeinde. Deren Pfarrer Ingo Schütz unterstützt das Stadtteil-Projekt aktiv und stellt die Räume fürs Büro im Gemeindezentrum zur Verfügung (siehe Infobox).

Eine Aktionswoche im Mai musste wegen Corona digital laufen, dennoch konnten Ideen aus der Bevölkerung gesammelt werden, wie die für einen Eltern-Kind-Treff oder einen Treff für Senioren, die mehr möchten als nur Kaffee trinken. Auch beim von Stadtteilbewohnerin Marion Rodney initiierten ersten "Tag der Höfe" war man präsent und unterstützte das bürgerschaftliche Engagement aktiv.

In diesem Jahr wollen Solomons und Ehrmann einen Schwerpunkt beim Thema Jugend setzen und zählen dabei auf die Unterstützung des Jugendzentrums "Portstrasse" und dessen mobile Jugendarbeit. "Wir wollen den Jugendlichen zuhören und mögliche Kooperationspartner für sie finden." So könnten die jungen Leute aktiv mitgestalten und Verantwortung für ihre Belange übernehmen, wünschen sich die Projektleiterinnen. Zugleich wolle man das generationsübergreifende Miteinander in den Blick nehmen.

So ein Generationsprojekt könnte durchaus die geplante Broschüre für Bommersheim werden, für die noch Mitstreiter gesucht werden. Sie funktioniert zunächst wie ein Freundebuch, das weiter gereicht wird und sich mit Wissenswertem, persönlichen Geschichten und Historischem füllt. Ein Redaktionsteam soll die Infos aufbereiten, so dass sie schließlich an bestimmten Punkten im Quartier auf Infotafeln nachgelesen oder über einen QR-Code auf dem Smartphone en passant abgerufen werden können. Analog trifft digital, jede und jeder soll abgeholt werden, ob alt oder, jung, alteingesessen oder zugezogen, damit Bommersheim weiter zusammenwächst.

Das Projektbüro hat immer montags von 10 bis 12 Uhr offene Sprechstunde. Telefonisch sind die Mitarbeiterinnen unter 01 51-15 10 59 92 oder 01 70-7 99 49 79 zu erreichen. alv

Ort im Ort gesucht

Wegen des Kita-Neubaus auf dem Gelände der Kreuzkirchengemeinde wird im Sommer das Büro des Sozialraumprojekts abgerissen. Neue Räume sind dringend gesucht, gerne in Kooperation mit Partnern und am liebsten in Kombination mit weiteren Räumlichkeiten als Treff- und Kommunikationspunkt für Menschen, die etwas bewegen möchten. Kontakt: solomos@caritas-hochtuanus.de oder ehrmann@caritas-hochtaunus.de. alv

Ein Teil des Gemeinschaftsgarten-Teams im vergangenen Sommer: Karin Friedrichs, Kathrin Ehrmann, Julia Moitzfeld, Robert Palutke und Pfarrer Ingo Schütz (von links).

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare