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Oberursel: Füttern der Nilgänse und Nutrias soll bestraft werden

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Von: Christiane Paiement-Gensrich

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Nilgänse hinterlassen Kot auf Wegen und Plätzen.
Nilgänse hinterlassen Kot auf Wegen und Plätzen. © Jens Priedemuth

Die Stadt hat von Vogelkot und den wühlenden Nagern am Maasgrundweiher und im Rushmoorpark die Nase voll. Laut einer Beschlussvorlage soll nun die Gefahrenabwehrverordnung entsprechend geändert werden, um das Füttern der Tiere mit Geldstrafe zu belegen.

Oberursel -Wer Wasservögel, Nutrias und andere Wildtiere, die am Maasgrundweiher und am sogenannten „Entenweiher“ im Rushmoorpark leben, füttert, soll künftig Strafe zahlen. Und zwar bis zu 5000 Euro. Das sieht eine Beschlussvorlage vor, die heute im Bauausschuss und am Donnerstag im Hauptausschuss auf der Tagesordnung steht. Wenn die Mehrheit der Stadtverordneten einverstanden ist, soll die Gefahrenabwehrverordnung der Stadt um den Passus mit dem Fütterungsverbot ergänzt werden. Gelten soll die Änderung vom neuen Jahr an. Die Zustimmung gilt als wahrscheinlich, denn am 20. Juli hatte die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat damit beauftragt, die Gefahrenabwehrverordnung um genau dieses Fütterungsverbot zu ergänzen.

Als Begründung soll folgender Text hinzugefügt werden: „Eine Fütterung von freilebenden Wasservögeln und anderen wildlebenden Tieren ist nicht notwendig. Das natürlich vorkommende Nahrungsangebot ist, auch im Winter, völlig ausreichend.“ Zusätzliche Fütterung führe zur Überfütterung und könne gravierende Auswirkungen auf Tiere und Natur haben. „Dabei verlieren die Tiere ihre natürliche Scheu vor den Menschen und werden träge.“ Unfälle im Straßenverkehr und Angriffe durch freilaufende Hunde führten zur Gefährdung der Tiere und der öffentlichen Sicherheit. Die Tiere gewöhnten sich an den Menschen, bettelten Spaziergänger auf öffentlichen Wegen und Plätzen um Futter an und hinterließen Kot auf Gehwegen, Straßen und privatem Eigentum. Durch das übermäßige Futterangebot würden die Tiere auch zum vermehrten Brüten animiert und es wanderten mehr Tiere aus den umliegenden Bereichen zu. „Diese Übervölkerung führt dazu, dass übermäßig viel Tierkot in das Wasser gelangt und das Gewässer verunreinigt.“ Außerdem könnten sich durch Kot und nicht aufgenommene Brotreste Bakterien bilden, die für Wasservögel und andere Tiere giftig seien und zum Tod führen könnten.

Auch der Nutria ist ein Abschnitt gewidmet. Das Nagetier, das auch Biberratte oder Sumpfbiber genannt wird, stammt ursprünglich aus Südamerika und wurde - wahrscheinlich schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts - zur Pelzgewinnung in Deutschland angesiedelt. Seit 2016 wird es auf der EU-Liste der invasiven, gebietsfremden Tierarten geführt.

Ökologische Schäden

In der Gefahrenabwehrverordnung soll es nun heißen: „Die Nahrungsaufnahme von Nutriagruppen kann sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Schäden verursachen.“ Nutrias könnten großflächig Ufervegetation abfressen und sie vernichten. Damit verschwänden Brut- und Schutzräume für Wasservögel, Fische und Amphibien. Ein Zufüttern stärke die Population und vergrößere damit das Schadpotenzial. Weil die Biberratten gern graben, seinen zudem befestigte Uferbereiche gefährdet. Das betreffe vor allem am Maasgrundweiher die neu befestigten Uferabschnitte sowie den Überlauf. Aber auch am Weiher im Rushmoorpark seien bauliche Uferbereiche, etwa der Abfluss in den Urselbach gefährdet. Schilder mit der Aufschrift: „Füttern von Wasservögeln und anderen Wildtieren verboten“ sollen an allen Zugangswegen zu den beiden Weihern angebracht werden und 2500 bis 3000 Euro kosten. Auch über die Familienfreundlichkeit des Verbots hat sich die Stadt Gedanken gemacht. Die Kinder könnten nun zwar nicht mehr durch Füttern in Kontakt mit Wasservögeln und anderen Wildtieren treten, heißt es. Wenn ihnen aber erklärt werde, welche negativen Folgen mit dem Füttern der Tiere verbunden sind, hätten sie die Gelegenheit zu erfahren, „dass es darum geht, sich nicht bloß um die Tierfütterung zu kümmern, sondern auch Verantwortung für das Tierwohl und die Natur insgesamt zu übernehmen.“ Durch die erhoffte Verringerung der Tierpopulation rund um die Weiher werde zudem der Spielplatz im Maasgrund weniger verkotet. Und das Risiko von Tier-Angriffen auf Menschen sinke.

Der Tierschutzverein Oberursel sieht die Sache etwas anders. Er möchte die Tiere weiter anfüttern und hätte von der Stadt gern die Erlaubnis dazu.

Die Stadt wolle trotzdem keine Fütterungs-Ausnahmeregelung für den Tierschutzverein, heißt es in der Begründung zur Beschlussvorlage. Nach der Beschlussfassung sei jedoch geplant, mit dem Tierschutzverein erneut in Kontakt zu treten. Ziel sei eine Fortführung der intensiven Betreuung und Kontrolle des Tierbestandes an beiden Weihern.

Tierschutzverein naturgemäß anderer Meinung

Der Tierschutzverein hatte bereits Ende September Stellung genommen: „Nilgänse, Kanadagänse, Enten und Nutrias werden nicht durch die Fütterung angezogen, sondern durch das Wasser. Hätten wir keine Teiche, wären sie gar nicht da.“ Der Verein sei nicht gegen ein Fütterungsverbot, was die Schilder bewiesen, die seit Jahren an den Teichen stünden. Sie seien in Absprache mit der Stadt aufgestellt und vom Tierschutzverein bezahlt worden. Auf den Schildern werde darauf hingewiesen, dass sich der Verein täglich um die Tiere kümmere. Genau das geschehe auch: „Wir schauen nach verletzten Tieren, um sie einfangen zu können und im Notfall zum Tierarzt zu bringen.“ Durch Anfüttern mit geringen Futtermengen sei das Einfangen für Mensch und Tier weniger stressig, so die Begründung.

Vermehrtes Brüten zudem nichts mit Fütterung zu tun, sondern mit dem Fortpflanzungstrieb, heißt es weiter. Außerdem spiele der Klimawandel eine erhebliche Rolle, da die erste Brut durch mildere Winter fast zwei Monate früher beginne und Vogelpaare dadurch im Herbst noch einmal brüten könnten. Das massenhafte Auftreten von Jung-Nilgänsen im Maasgrund sei damit zu erklären, dass die Junggänse bis zu ihrer Geschlechtsreife im Alter von drei Jahren in Gruppen herumzögen und sich an Gewässern niederließen, wo sie gewöhnlich vom ansässigen älteren Nilgans-Paar sofort vertrieben würden. Da das ansässige Nilganspaar schon länger verletzt sei, habe es die Junggänse nicht vertreiben können. Inzwischen seien aber alle Junggänse wieder weg, weil sich ein neues Paar angesiedelt und die Junggänse offenbar vertrieben habe.

Die Gehwege würden auch ohne Fütterung weiterhin verkotet, weil die Gänse die Wege überqueren müssten, um an das Gras zu kommen, von dem sie sich ernährten. Das „Umkippen“ des Teich-Wassers könne auch mit zu vielen Fischen und deren Kot zu tun haben, so der Tierschutzverein. cg

Eine Nutria schwimmt im Maasgrundweiher. Die Nager untergraben gern die Uferbefestigung.
Eine Nutria schwimmt im Maasgrundweiher. Die Nager untergraben gern die Uferbefestigung. © jp

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