Die feierliche Grundsteinlegung am 13. Juli 1969.
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Die feierliche Grundsteinlegung am 13. Juli 1969.

50 Jahre Kirchenneubau

Oberursel: Geistliche Heimat unter dem Dach von St. Sebastian gefunden

  • VonMatthias Pieren
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Die katholische Pfarrei in Stierstadt feiert die Einweihung ihrer neuen Kirche im Juli 1971.

"Wenn ich zurückblicke, würde ich es genauso wieder machen", sagt Paul Gerecht am Ende des Gespräches und lächelt dabei seiner Frau Agnes zu, die seinem Fazit voll zustimmt. Unter dem Dach der alten katholischen Pfarrkirche in Stierstadt haben sich die beiden kennengelernt und 1969 auch geheiratet. "Bei unserer Trauung hatten die Handwerker bereits am Bau der neuen Kirche gehämmert", sagt Agnes Gerecht und blickt auf ihre Hochzeit zurück.

Unter dem Dach des Ende 1970 fertiggestellten und am 4. Juli 1971 feierlich eingeweihten Neubaus hat sich Familie Gerecht immer willkommen gefühlt und in der Gemeinschaft der Pfarrgemeinde eine geistliche Heimat gefunden. Das Paar engagierte sich stark in der Gemeinde und gestaltete das Gemeindeleben aktiv mit. Wenn die Gemeinde ab diesem Sonntag eine Woche lang den 50. Geburtstag des Kirchenneubaus feiert, wird sich gewiss nicht nur die Familie Gerecht von Herzen an das reiche Gemeindeleben der zurückliegenden fünf Jahrzehnte erinnern. Dorfkirchen sind gewiss architektonisch eine Meisterleistung, oftmals sind sie zugleich auch Wahrzeichen eines Ortes, zumindest aber eine bedeutende Ortsmarke - im Idealfall steht die Kirche auch heute noch mitten im Ortsgeschehen. Das gilt auch für St. Sebastian. Doch ihre Bedeutung und die großen Möglichkeiten entfaltet eine Kirche dann, wenn viele Menschen dort "im Namen des Herrn" zusammenkommen. "Zuerst habe ich mich in unserer Kirche engagiert. Erst danach als Ortsvorsteher", sagt der 77-jährige Paul Gerecht. "Doch eigentlich fließt für mich beides zusammen, weil ich doch mit Leib und Seele Stierstädter bin." Nach wie vor besuchen Agnes und Paul Gerecht regelmäßig sonntags den Gottesdienst. Nach wie vor sind die Heiligen Messen in Stierstadt auch gut besucht - zumindest war das vor der Pandemie mit rund 120 Gläubigen so. Durch die Hygiene- und Sicherheitskonzepte ging die Zahl der Gottesdienstbesucher in den vergangenen 15 Monaten freilich deutlich zurück.

"Wenn ich nicht in die Kirche gehe, fehlt mir etwas", sagt der Schreinermeister. "Als ich noch im Berufsleben stand, war mir der Gottesdienst vor allem auch deshalb so wichtig, weil ich einfach einmal eine Stunde abschalten konnte und zur Ruhe kam."

Dankbar für die

Gemeinschaft

Wie ihr Mann ist auch Agnes Gerecht heute dankbar, unter dem Dach der Kirche eine gute Gemeinschaft erlebt zu haben. Zusammen haben sie im Festausschuss Gemeindefeste und Fahrten organisiert. Ihre Kinder fanden "in der Kirche" immer Gleichaltrige zum Spielen. Bereits Anfang der 1960er-Jahre hatten sie sich in der Pfarrei kennen und lieben gelernt. "Wir haben zusammen mit vielen 16- bis 20-Jährigen im Jugendheim Fastnacht gefeiert", berichtet Agnes Gerecht von den Anfängen. "Ich möchte die Zeit nicht missen." Es war 1967, als sich der damals 35-jährige Pfarrer Alfred Bienek mit dem 1969 erstmals gewählten Pfarrgemeinderat und dem Kirchenvorstand ernsthaft mit der Planung des Kirchenneubaus befasste.

"Ein wesentlicher Grund für den Neubau war der schlechte Zustand der alten Kirche, außerdem begann in Stierstadt damals ein neuer Abschnitt in der Stadtentwicklung durch die Erschließung neuer Baugebiete", berichtet Anita Obst, die die bevorstehende Festwoche mitorganisiert hat, von den grundsätzlichen Überlegungen für den Neubau.

Stierstadt war im Zuge der hessischen Siedlungsprojekte als Schwerpunkt mit einem Bevölkerungszuwachs von mehreren Tausend Menschen geplant - was sich später so freilich nicht erwies. Die Pfarrei beauftragte den Frankfurter Architekten Bernhard Weber, einen Kirchenraum für rund 500 Personen zu schaffen und das Kirchenschiff im Sinne der sich wandelnden Liturgie zu gestalten. "Außen sollten der historische Baubestand und der aus dem 14. Jahrhundert stammende Kirchturm bestehen bleiben", so Obst. "Eine weitere Bedingung war, dass das alte Kirchenschiff erst dann abgerissen wird, wenn der Neubau fertig ist." Vor 50 Jahren wurde die neue Kirche mit dem alten, denkmalgeschützten Turm dann am 4. Juli 1971 feierlich eingeweiht. Die Stierstädter feierten den Gottesdienst mit Weihbischof Kampe unter Mitwirkung des Kirchenchores unter der Leitung von Rainer Obst und der Blaskapelle

Die Gemeinde bedauert, den 50. Geburtstag des Kirchenneubaus nicht im großen Rahmen feiern zu können. Doch unter den bekannten Auflagen wird man am Sonntag um 9.30 Uhr einen Familiengottesdienst mit dem Musizierkreis unter Leitung von Christof Sulzbach feiern.

Am Freitag, 9. Juli, gestaltet der Musizierkreis um 20 Uhr eine Abendandacht in der Kirche mit geistlichen "Hits" aus den vergangenen Jahrzehnten. Am Sonntag, 11. Juli, lädt die Pfarrei dann für 9.30 Uhr zu einem feierlichen Gottesdienst als Kirchweihfest, den Pfarrer Norbert Stähler zelebrieren wird.

Zu allen Veranstaltungen benötigt die Gemeinde eine Anmeldung über die Homepage www.kath-oberursel.de oder unter der Telefonnummer (0 61 71) 97 98 00.

Zum Kirchenjubiläum ist in der Kirche eine kleine Ausstellung mit Bildern und Berichten aus der Zeit des Neubaus zu besichtigen. Die Kirche ist täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet. . Matthias Pieren

Fröhlich und der Gemeinde verbunden wie eh und je: Agnes und Paul Gerecht vor der Pfarrkirche St. Sebastian.

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