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Oberursel: Große Bescherung im Kulturcafé Windrose

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Auf der neuen Bank sitzen Michael Behrent (Windrose) und Anette Metzdorf (Kunstgriff). Neben Dirk Müller-Kästner steht Sabine Grünberg, die die Spende vom iPunkt überreicht.
Auf der neuen Bank sitzen Michael Behrent (Windrose) und Anette Metzdorf (Kunstgriff). Neben Dirk Müller-Kästner steht Sabine Grünberg, die die Spende vom iPunkt überreicht. © caro

Der Integrationsverein und Kunstgriff beschenken sich eingerahmt von vorweihnachtlicher Kleinkunst gegenseitig.

Oberursel -Kurz vor den Feiertagen geht es besinnlich zu im Kulturcafé Windrose - wenn auch mit einem etwas anderen Weihnachtsprogramm. Am letzten „Kleinen Mittwoch“ in diesem Jahr bietet Hartmut Spannagel ein buntes Potpourri aus Liedern, Geschichten und Gedichten, von unterhaltsam bis nachdenklich. Doch zuvor gibt es - es ist schließlich bald Weihnachten - Geschenke.

Und gleich das erste ist ein ganz besonderes, geht es doch ums Sehen und Gesehen werden in Zeiten, in denen Abstand halten Alltag geworden ist. Und darum, Verständigung auch dann aufrecht zu erhalten, wenn gemeinsame Worte fehlen. Das Auge war daher auch das Motto der „Interkulturellen Woche“, in der am 1. Oktober 2021 das internationale Begegnungsfest „Orschel in Concert - Vielfalt mit Musik“ auf dem Rathausplatz stattfand.

Hierzu hatte die Kreisverwaltung Bänke zur Gestaltung bereitgestellt, die anschließend den öffentlichen Raum zieren dürfen. Die Bank, die der „Kunstgriff“ dem Verein Windrose überreicht, wurde von Kindern vieler Nationen gestaltet. Vor dem Schriftzug auf der Rückenlehne „Schau mir in die...“ zieren unzählige Augen die ganze Bank.

Die Veranstalter von „Orschel in Konzert“, KSfO, Kunstgriff und Windrose waren sich damals schon einig, dass die Bank in das neue Domizil der Windrose einziehen soll. Und so überreichte Anette Metzdorf vom Kunstgriff diese besondere Bank an Michael Behrent von Windrose.

Und schon geht es weiter mit der Bescherung: Sabine Grünberg, die Chefin vom Geschenkeladen iPunkt, überreicht dem Kunstgriff eine Spende von mehr als 600 Euro. „Ich bin begeistert von den Kunstgriff-Aktivitäten“, so Grünberg, „und so kam der Gedanke, zum 15-jährigen Bestehen der Ideenwerkstatt iPunkt beim Herbsttreiben 2021 eine Losaktion für den Kunstgriff zu starten.“

Das nächste Geschenk war für alle: ein vorweihnachtlicher Kleinkunstabend. Das Programm dazu lieferte Hartmut Spannagel, der passend zur Adventszeit unter anderem Christian Morgensterns „St. Expeditus“ vortrug. Die Pakete mit Heiligenreliquien, die Nonnen in Übersee für ihre neue Klosterkirche erhalten, tragen die Aufschrift „Expedit“. Kurzerhand entsteht die Geschichte vom heiligen Expeditus, die Morgenstern in seinem Gedicht kurzweilig beschreibt.

Gleich zweimal unterhält Spannagel mit Liedern von Jürgen von der Lippe und den Gebrüdern Blattschuss Michael Behrent (Windrose) und Anette Metzdorf (Kunstgriff). Neben Dirk Müller-Kästner steht Sabine Grünberg, die die Spende vom iPunkt überreicht hat. „Weihnacht ist da“ ist ein satirisches Augenzwinkern, dass vom Glanz der besinnlichen Zeit, nicht zuletzt dank eines strahlenden Atomkraftwerks erzählt.

Anspruchsvoll für das Publikum wird es beim Refrain von „Aufguss 09“. Mehrfach singt Spannagel den Zungenbrecher vor, ehe er die Gäste auffordert: „Und jetzt singen alle mit beim Refrain.“ Zwischendurch kommt Nachdenkliches von Erich Kästner und Werner Schneyder.

„Der Kunstgriff hat eine Bühne für Kleinkunst gesucht“, berichtet Dirk Müller-Kästner vom Verein. „Im ersten Lockdown haben wir zusammen mit der Windrose das Studio Orschel gegründet, seitdem arbeiten wir zusammen und nutzen hier die Bühne.“

Wie bedeutsam eine gute Vernetzung ist wird auch an diesem „Kleinen Mittwoch“ deutlich.

„Michelle Spillner, ihres Zeichens Zauberkünstlerin und dem Kunstgriff ebenfalls verbunden, stellte den Kontakt zu Hartmut Spannagel her“, berichtet Müller-Kästner. Und der gibt nach der Pause vertiefte Einblicke in die sprachlichen Besonderheiten seiner rheinländischen Herkunft. So ist etwa das Motto „wer weiß, wofür es gut ist“ weit verbreitet zwischen Köln und Düsseldorf, ebenso wie der Begriff „aggressive Gehemmtheit“, der laut Spannagel vermutlich schon so manchen Krieg im Rheinland verhindert hat.

Mit Konrad Beikircher zitiert der Künstler des Abends einen Südtiroler, den es nach Bonn verschlagen hat und der dort mit großer Freude seine Liebe zur (Erklärung der) dortigen Sprache auslebt. Nach „lange Samstag en d’r City“ von den Bläck Fööss und Lars Reichows „Wir sind die Sieger“ gibt es mit „Goodnight Irene“ von Eric Clapton ein zum Abschluss passendes Schlaflied.

Der nächste kleine Mittwoch findet am 11. Januar im Kulturcafé Windrose statt, der nächste Poetry Slam am 15. Februar.

Wie sich Weltoffenheit, Toleranz und integrative Kraft und Förderung alternativer Kunst und Kultur ergänzen können

In den 1970er Jahren haben sogenannte Gastarbeiter aus Südeuropa den Verein Windrose gegründet. Seine Feste, Vorträge und Veranstaltungen boten Gelegenheit zum Kennenlernen und Austausch. Die Windrose engagiert sich für eine gleichberechtigte, weltoffene und demokratische Gesellschaft, gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und ist politisch und weltanschaulich unabhängig. Zusammen leben und feiern und den Dialog zwischen den Kulturen fördern sind ebenso Teil der Philosophie wie Förderung und Motivation geflüchteter Familien bei der Integration. Zugewanderte Familien in schwierigen Lebenslagen werden unterstützt, beraten und begleitet. Die Arbeit erfolgt überwiegend ehrenamtlich und wertschätzend. Als verlässlicher Akteur agiert Windrose in der Kommune, für ihre Förderer und in ihren Kooperationsprojekten. Zum Beispiel für den Deutschkurs mit Kinderbetreuung, der es mit Müttern ermöglicht, die Sprache zu lernen. Auch die Pflege der Kultur des Heimatlandes ist ein Thema, daher werden etwa für Schulkinder zwei Farsi-Kurse angeboten. Oder die Schülerhilfe „Ach so“, die Kindern und Jugendlichen intensive Unterstützung und Förderung anbietet. Mit dem Kulturcafé Windrose im Kommunikationszentrum Altstadt steht unter den Schlagworten „Spannend, lecker, gemütlich, cool“ ein Treffpunkt für alte und neue Orscheler zur Verfügung. Mehr auf https://windrose-oberursel.de.

Den Verein Kunstgriff gibt es seit 1985. Neben der Organisation eigener Veranstaltungen agiert der Verein als Vermittler und Förderer von alternativer Kunst und Kultur. Regionale Musikgruppen, Autoren oder Künstler erhalten ein Forum zur Präsentation: https://kunstgriff-oberursel.de. Mit dem „Studio Orschel“ haben die beiden Vereine gemeinsam ein Format entwickelt, das einen Austausch auch im Corona-Lockdown ermöglichte. Meist montags werden im Kulturcafé Menschen zum Talk über politische, historische, soziale, kulturelle und alle möglichen anderen Themen eingeladen. Die Foren werden von den Vereinsvorsitzenden moderiert. Die Runden werden dann immer live im Internet gestreamt.

Alle bisherigen sind auf https://www.youtube.com/@studioorschel4030 abrufbar. caro

Musikalisch, lyrisch und literarisch etwas andere Weihnachtsbetrachtungen liefert Hartmut Spannagel.
Musikalisch, lyrisch und literarisch etwas andere Weihnachtsbetrachtungen liefert Hartmut Spannagel. © caro
Diese von Kindern mit Augen gestaltete Bank steht als Geschenk des Vereins Kunstgriff ab sofort im Kulturcafé Windrose.
Diese von Kindern mit Augen gestaltete Bank steht als Geschenk des Vereins Kunstgriff ab sofort im Kulturcafé Windrose. © caro

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