1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus
  4. Oberursel

Oberursel: Heimatgeschichte am Dreimärkerstein

Erstellt:

Von: Matthias Pieren

Kommentare

Christian Grohmann nimmt auf dem Grenzstein Platz. Hinten Horst Eufinger vom GKO Ortsvorsteher Walter Gernhard.
Christian Grohmann nimmt auf dem Grenzstein Platz. Hinten Horst Eufinger vom GKO Ortsvorsteher Walter Gernhard. © map

Der Geschichts- und Kulturkreis Oberstedten und der Ortsbeirat unternehmen einen besonderen "Grenzgang". Er führt in die Historie der Gemarkungsgrenzen, als das Dorf noch eigenständig war.

Oberstedten -Der Dreimärkergrenzstein vis-à-vis des dahinplätschernden Dornbachs wurde einst gewiss nicht als Sitzgelegenheit zum Rasten an der Gemarkungsgrenze zwischen Oberursel und Bad Homburg gesetzt. Dennoch wurde Ortsbeiratsmitglied Christian Grohmann (OBG Freie Wähler) von Ortsvorsteher Walter Gernhard (CDU) gebeten, darauf Platz zu nehmen.

Gespannt waren die Augen von 18 Bürgerinnen und Bürgern auf den OBG-Mann gerichtet: Was würde nun wohl passieren? Hatte sich Grohmann gar ortspolitisch etwas zuschulden kommen lassen, weshalb er vom politischen Kontrahenten, dem CDU-Mann, nun in aller Öffentlichkeit zur Rechenschaft gestellt wurde?

Im Gegenteil: Wie überall in Ortsbeiräten üblich, ziehen auch in Oberstedten alle im Ortsbeirat vertretenen Mitglieder aus fünf verschiedenen Parteien zumeist an einem Strang - zum Wohle des Oberurseler Stadtteils. Doch etwas Heimatkunde kann für die lokalen Ortsbeiräte nicht schaden, hatte sich der Geschichts- und Kulturkreis Oberstedten (GKO) gedacht, und mit dem Ortsbeiratsvorsitzenden zu einem Grenzgang eingeladen.

"Früher gab es in ganz vielen Dörfern Grenzgänge. Wir wollen diese Tradition auch bei uns wieder aufleben lassen", erläuterte Horst Eufinger, zweiter Vorsitzender des GKO. Wie einst, waren Bürgerinnen und Bürger am Samstag eingeladen, sich bei einer rund zweieinhalbstündigen Wanderung zu vergewissern, wo genau die örtlichen Gemarkungsgrenzen verlaufen.

"Ursprünglich diente der Grenzgang der Ortskenntnis, damit die Menschen aus dem Ort wussten, bis wohin sie im Wald ihr Brennholz einsammeln dürfen. Zugleich hat man immer auch den jungen Leuten im Ort gezeigt, wie groß das Dorf eigentlich ist", so Eufinger.

Klar, dass die aktuelle Einladung natürlich auch von Lokalpolitikern wie Christian Grohmann dankend angenommen wurde. Und nun also saß dieser auf jenem Dreimärkerstein im Fokus der Blicke von 18 neugierigen Wandersleuten, die entlang des Dornbachs auf dem Wiesengrund der nahen Mühlen hierher gelaufen waren.

Kontroverse bei der

Flurbereinigung

"Der Dreimärkerstein markiert den Punkt, an dem das bis 1972 noch eigenständige Oberstedten an die Oberurseler und Bad Homburger Gemarkung stieß", so Eufinger. "Die Entscheidung für eine neue Grenzziehung im Rahmen der Gebietsreform war äußerst umstritten, weil Oberstedten seinerzeit seine Eigenständigkeit aufgab und als Stadtteil in Oberursel aufging."

Die Kontroverse flackerte im Jahre 1981 erneut auf, als im Zuge der anstehenden Flurbereinigung debattiert wurde, ob die drei nahen Mühlen nun Bad Homburg zugeschlagen werden sollten. Während die Inhaber und Bewohner der dortigen Reitmeistermühle sich zur Kurstadt orientieren wollten, war das in der Prökenmühle ganz anders.

"Wir haben seinerzeit wirklich alles daran gesetzt und gekämpft, dass wir zu Oberstedten und Oberursel gehören", berichtete Helmut Hölscher bewegt. "Wir sind bis heute unglücklich darüber, dass der Dornbach Grenzbach wurde und wir seither Bad Homburger sind." Geschichtskenner und Heimathistoriker Horst Eufinger erinnerte daran, dass nach der Unterschrift Lokalpolitiker und Vertreter aus Oberstedten zu den Mühlenbesitzern kamen, um diese als Mitbürger zu verabschieden. "In Bad Homburg hat man diese geänderte Grenzziehung sehr kühl vollzogen und ohne weiteres Interesse die Neubürger in die Einwohnerstatistik aufgenommen." An diesem geschichtsträchtigen Ort also wurde Christian Grohmann ausgewählt. Er musste auf dem Dreimärkergrenzstein Platz nehmen und wurde von Eufinger und Gernhard symbolhaft auf den kalten Stein "gedotzt", so dass dem OBG-Mann der hiesige Grenzverlauf einprägsam in Erinnerung bleiben wird. Trotz anderer politischen Couleur waren sich Grohmann, Gernhard und auch Eufinger gewiss, dass das neue Format der wandernden Begegnung von Lokalpolitik und Bürgerschaft weiter an Bedeutung gewinnen wird und beim nächsten Mal weit mehr Leute anziehen wird.

Auch interessant

Kommentare