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Oberursel: Hygieneprobleme durch Überpopulation

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Von: Manuela Reimer

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Je mehr gefüttert wird, umso mehr Nilganse, andere Wasservögel sowie Nutrias bevölkern die Gemarkung.
Je mehr gefüttert wird, umso mehr Nilganse, andere Wasservögel sowie Nutrias bevölkern die Gemarkung. © picture alliance/dpa

Das Tierefüttern am Maasgrundweiher und im Rushmoorpark wird verboten. Wer zuwiderhandelt muss mit bis zu 5000 Euro Geldstrafe rechnen.

Oberursel -Jetzt wird der Nilgans-Population in Oberursel Einhalt geboten: Der Bau-, Umwelt- und Klimaschutzausschuss (BUKA) und der Haupt-, Finanz- und Digitalisierungsausschuss (HFDA) haben das geplante Verbot der Fütterung von Wasservögeln, Nutrias und anderen Wildtieren beschlossen.

Am 24. November hat das Stadtparlament das letzte Wort - danach kann die städtische „Gefahrenabwehrverordnung über aggressives und organisiertes Betteln, wildes Zelten und Nächtigen, Lärmbelästigung durch Straßenmusik, wildes Plakatieren, Beschriften, Bemalen und Besprühen sowie Füttern von Wasservögeln und anderen Wildtieren“ entsprechend ergänzt werden: „Es ist verboten, Wasservögel oder andere Wildtiere am Maasgrundweiher oder am Weiher im Rushmoorpark zu füttern.“ Verbotsschilder dieses Inhalts sollen an allen Zugangswegen zu den beiden Gewässern aufgestellt werden - Kostenpunkt: rund 3000 Euro.

Teurer wird’s dann für Zeitgenossen, die die Tiere füttern. „Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu 5000 Euro geahndet werden“, heißt es in der Verordnung. Die Stadtpolizei will die Einhaltung nach Kräften überwachen - es gebe aber auch die „Möglichkeit der Hinweisgebung aus der Bürgerschaft“.

Eine Fütterung von freilebenden Wasservögeln und anderen wildlebenden Tieren sei nicht notwendig, schreibt die Stadt in der Beschlussvorlage. „Das natürliche Nahrungsangebot ist auch im Winter völlig ausreichend.“ Eine zusätzliche Fütterung könne gravierende Auswirkungen auf Tiere und Natur haben: „Dabei verlieren die Tiere ihre natürliche Scheu vor den Menschen und werden träge.“ Unfälle im Straßenverkehr, Angriffe durch freilaufende Hunde und andere Vorkommnisse führten zu einer „Gefährdung der öffentlichen Sicherheit“.

Darüber hinaus werde mehr gebrütet und mehr Artgenossen wanderten zu. Die Wildtiere, einmal gewöhnt an den Menschen, beträten öffentliche Wege und Plätze, um Futter zu verlangen. „Dies führt zu Verschmutzung von Gehwegen, Straßen und privatem Eigentum durch Exkremente.“ Tierkot und Brotreste gelangten auch ins Wasser, wo sich giftige Bakterien bilden könnten.

Tierschutzverein ganz anderer Meinung

Der Tierschutzverein Oberursel, der um Stellungnahme gebeten wurde, sieht die Sache anders. „Nilgänse, Kanadagänse, Enten und Nutrias werden nicht durch die Fütterung angezogen, sondern durch das Wasser“, so die Tierschützer. Man sei nicht gegen ein Fütterungsverbot, heißt es in der Stellungnahme weiter - wolle sich aber weiterhin um die Tiere kümmern dürfen: „Wir schauen nach verletzten Tieren, um sie einfangen zu können und im Notfall zum Tierarzt zu bringen. Durch Anfüttern mit geringen Futtermengen ist das Einfangen verletzter Tiere für Mensch und Tier weniger stressig.“ Nicht mehr zu füttern, helfe auch nichts gegen verdreckte Wege, meint der Tierschutzverein: „Die Gänse müssen die Wege überqueren, um an das Gras zu kommen, von dem sie sich ernähren.“

Trotz der Stellungnahme soll für den Tierschutzverein keine Ausnahme gemacht werden - da waren sich Verwaltung und Politik einig. „Man kann nicht einer Personengruppe erlauben zu füttern und anderen nicht, das versteht am Ende keiner mehr“, sagte Andreas Bernhardt (OBG) im HFDA.

Zudem sei die Nilgans - wie die Nutria - keine heimische Art. Bernhardt: „Es muss jetzt ein klares Signal geben, so kann es nicht weitergehen. Sonst haben wir jeder bald eine im Hof sitzen.“ Es gebe eine Überpopulation und dadurch auch ein hygienisches Problem, ergänzte Dr. Claudia von Eisenhart Rothe (Klimaliste). „Das sind Wildtiere, die eingedämmt werden müssen. Der Tierschutzverein soll sie bitte nicht vermenschlichen.“

Auch Christina Herr (Grüne) sprach davon, dass es sich „nicht um Heimtiere“ handle. „Das Anfüttern ist absolut kritisch. Und wir würden dazu hier nicht sitzen, wenn nur geringe Mengen verfüttert würden. Das hier sind die richtigen Maßnahmen.“

Bis auf die Linke, die sich enthielt, stimmten alle Fraktionen für das ausnahmslose Fütterungsverbot. „Man muss etwas gegen die Viecher tun. Aber wir wollen, dass der Tierschutzverein uns weiterhin hilft und verletzte Tiere einfängt, die ja auch aggressiv werden können, die kann man da nicht einfach rumlaufen lassen“, meinte Fraktionschef Ingmar Schlegel. „Ich weiß nicht, ob sich die Organisation jetzt vor den Kopf gestoßen fühlt.“

Die Stadt jedenfalls will mit dem Verein nach der Beschlussfassung „erneut in Kontakt treten“: „Ziel ist eine Fortführung der intensiven Betreuung und Kontrolle des Bestands durch den Tierschutzverein, auch wenn kein Anfüttern mehr möglich ist.“ mrm

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