Schulleiter Julian Stey, Lions-Club-Mitglied Frank Lammert, EKS-Bereichsleiterin Prävention Sabine Grubschat und Nicole Kroh von der Realschulleitung (v. l.) freuen sich, dass die EKS nach zwei Jahren Pause im Februar wieder eine Präventionswoche machen kann.
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Schulleiter Julian Stey, Lions-Club-Mitglied Frank Lammert, EKS-Bereichsleiterin Prävention Sabine Grubschat und Nicole Kroh von der Realschulleitung (v. l.) freuen sich, dass die EKS nach zwei Jahren Pause im Februar wieder eine Präventionswoche machen kann.

Vorbeugung

Oberursel: Junge Menschen für Krisen rüsten

  • VonFlorian Neuroth
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Die Erich-Kästner-Schule will Jugendliche gegen Mobbing, Drogen und für den konstruktiven Umgang mit Konflikten stark machen. Dazu veranstaltet sie erstmals wieder eine Präventionswoche.

Oberursel -Erwachsen werden ist nicht leicht. Gibt es für Jugendliche schließlich so einige Fragen und Problematiken, die während der Kindheit noch keine oder nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Sabine Grubschat sind die Sorgen und Nöte Heranwachsender vertraut.

Mobbing, Rassismus, Konflikte innerhalb der Klasse und des Freundeskreises, Drogen und andere Süchte - all das seien Herausforderungen, mit denen Jugendliche konfrontiert würden, sagt Grubschat, die Beratungslehrkraft für den Bereich Prävention an der Erich Kästner-Schule (EKS) Oberursel ist. Aus ihrer Tätigkeit an der EKS weiß sie auch: "Im Schulalltag bleibt leider oft zu wenig Zeit dies zu thematisieren. Dabei brauchen gerade Themen wie soziales Lernen und Mobbingprävention Zeit, um besprochen zu werden", befindet die Pädagogin.

Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen aus der Steuerungsgruppe der EKS machte sie sich daher bereits vor einigen Jahren Gedanken wie die Schule ihren Schülerinnen und Schülern ein geeignetes Rüstzeug für Konfliktsituationen vermitteln könnte. "Uns war klar, dass wir den Schülerinnen und Schülern etwas im präventiven Bereich anbieten müssen. Denn häufig sind wir interventiv unterwegs, lösen Probleme also erst, wenn sie bereits aufgetreten sind."

Prävention sei, wie das Beispiel Mobbing zeige, unheimlich wichtig. "Denjenigen, die mobben, ist oft gar nicht klar, dass es sich bei ihrem Verhalten eben nicht um Spaß gehandelt hat", sagt Grubschat.

Ergebnis dieser Überlegungen war die Durchführung einer sogenannten Präventionswoche, die nach ihrer Premiere im Jahr 2019 und corona-bedingter Absage in den vergangenen beiden Jahren, im Februar des kommenden Jahres nun zum zweiten Mal stattfinden wird.

Fünf Tage lang sollen die Schülerinnen und Schüler in Workshops, Vorträgen und Ausflügen lernen, sich selbst helfen zu können, Handlungsstrategien für schwierige Situationen parat zu haben, informiert zu sein und den Mut zu haben Beratungsstellen zu kontaktieren.

"Das Ziel ist, die Schülerinnen und Schüler bestmöglich auf unterschiedliche, altersspezifische Herausforderungen vorzubereiten", erklärt EKS-Lehrer Kevin Bingsohn, der ebenso wie Grubschat, Nicole Kroh aus der Leitung des Realschulzweigs und Anke-Maria Nolte dem vierköpfigen Organisationsteam der Präventionswoche angehört. Jede Klassenstufe behandele daher andere Themen.

Konflikte konstruktiv

bewältigen lernen

Während es in der fünften Klasse etwa um soziales Lernen und konstruktive Konfliktbewältigung geht und die Siebtklässler sich mit Cyber-Mobbing beschäftigen, stehen in anderen Jahrgängen die Themen Schutz vor Missbrauch, Sucht, Drogen, Rassismus sowie der Umgang mit Krisen auf dem Programm.

Finanziert wird die Woche vom Lionsclub Oberursel. "Als die Idee an uns herangetragen wurde, waren wir sofort begeistert", sagt Lionsclub-Mitglied und EKS-Wohltäter Frank Lammert. "Das Thema ist unserer Meinung nach nicht nur ziemlich spannend, sondern vor allem auch sehr relevant", findet der Oberurseler.

Dass Lammert und seine Vereinskollegen dies auch ernst meinen, zeigte sich bereits im vergangenen Jahr. Vom abermaligen Ausfall des Schulprojektes ließen sich die Kooperationspartner nämlich nicht entmutigen und ermöglichten 13 Lehrerinnen und Lehrern der EKS stattdessen eine Fortbildung im Rahmen des Lionsclub-Programms "Lionsquest", wo die Teilnehmer in der didaktischen Vermittlung ebenjener Themen geschult wurden, die während der Präventionswoche im Fokus stehen.

Mit im Boot sind zudem diverse weitere Institutionen aus der Region wie das Kinderbüro, die Bildungsstätte Anne Frank, das Oberurseler Café portstrasse, Pro Familia oder das Kinder- und Jugendtelefon. So wird die neunte Jahrgangsstufe unter dem Motto "Weltauswahl Eintracht - Woher kommen die Frankfurter Jungs" im Eintracht Museum vorbeischauen und die Achtklässler werden nicht nur die Jugend- und Suchtberatungsstelle besuchen, sondern sich in der Klinik Hohemark auch mit suchtkranken Menschen unterhalten. "Es geht darum, dass die Jugendlichen verschiedene Beratungsstellen kennenlernen und wissen, an wen sie sich wenden können", erklärt Grubschat.

Das Programm sei daher bewusst niedrigschwellig gehalten. "Wir wissen, dass die Barrieren, sich Hilfe zu holen, ansonsten oft sehr hoch sind", sagt die Lehrerin, die überzeugt ist, dass die Projektwoche gerade in einer Zeit, in der die Verbindung von Schule und Schülern angesichts fehlenden Präsenzunterrichts zuweilen etwas abgebrochen ist und viele Jugendliche vermehrt im Netz unterwegs sind und dort Hate Speech oder Rassismus kennenlernen, besonders wichtig ist. Florian Neuroth

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