"Machen Sie das Beste aus Ihrem Mandat!" Diesen Rat gab Rita Süßmuth der neuen Bundestagsabgeordneten Katja Adler bei einem Treffen mit auf den Weg.
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"Machen Sie das Beste aus Ihrem Mandat!" Diesen Rat gab Rita Süßmuth der neuen Bundestagsabgeordneten Katja Adler bei einem Treffen mit auf den Weg.

Interview

Oberursel: Katja Adlers erste Tage im Bundestag

Die FDP-Vorsitzende spricht über ihre Erfahrungen als frisch gewählte Bundesabgeordnete im "Hohen Haus".

Oberursel/Berlin -Es war der 26. September, als die Wähler bei der Bundestagswahl entschieden, dass nicht nur Markus Koob (CDU) als Direktkandidat des Hochtaunuskreises in den Deutschen Bundestag einziehen wird. Auch die Oberurselerin Katja Adler, Vorsitzende der Liberalen in der Brunnenstadt, bekam an jenem Tag über die Landesliste ein Ticket für den Einzug in den Deutschen Bundestag. Wie ist es, als frisch gewählte Bundestagsabgeordnete in das "hohe Haus" einberufen zu werden? Inka Friedrich hat mit der FDP-Politikerin gesprochen.

Frau Adler, kam es für Sie überraschend, in den Bundestag gewählt zu werden?

Dass ich eine Chance habe, hatte sich im Vorfeld bereits durch die Umfragewerte abgezeichnet, die sich dann ja auch bestätigt haben. Trotzdem ist eine Umfrage ja immer noch kein Wahlergebnis. Ich selbst habe mir ausgerechnet, dass ich etwa elf Prozent brauche, um in den Bundestag einziehen zu können. Als wir dann diese Marke geknackt haben, haben mir bereits einige Leute gratuliert. Doch die ganze Situation war absolut unwirklich, ich wollte an dem Abend immer nur die Bälle flach halten, da es Unglück bringt, frühzeitig zu jubeln. Als ich dann am nächsten Morgen um sechs Uhr aufgewacht bin, habe ich sofort aufs Handy geschaut. Und das platzte quasi vor Glückwünschen. Ein Kollege schrieb, dass er, mit einem Listenplatz hinter mir, in den Bundestag eingezogen ist. Da wurde mir bewusst: Auch ich habe es geschafft.

Sie sind ja Staatsbedienstete. Wie hat man an ihrer Arbeitsstelle reagiert, als man von ihrem Wahlerfolg hörte?

Ich hatte vorher für den Wahlkampf knapp vier Wochen Urlaub genommen, weil mir klar war, dass ich mich in den letzten Wochen vor der Wahl darauf konzentrieren muss. Der wurde mir genehmigt. Ich habe gleichzeitig Bescheid gesagt, dass es möglich ist, dass ich nach der Wahl nicht mehr zurückkomme, sondern dann direkt nach Berlin fahre. Das war okay für meine Abteilungsleiterin. Und so kam es dann auch. Ich habe sie am Montagmorgen angeschrieben und ihr gesagt, dass ich auf dem Weg nach Berlin bin.

Sind Sie am Montag tatsächlich schon in die Bundeshauptstadt gefahren?

Ja, das bin ich. Diese erste Fahrt als neue Bundestagsabgeordnete war zugleich eine Fahrt in einen vollkommen neuen Lebensabschnitt. Also ein ganz schöner Schritt für mich und wirklich sehr aufregend.

Gefällt Ihnen Berlin?

Berlin ist eine tolle und vielfältige Stadt. Da ist gefühlt immer was los, aber wenn man will, kann man dort auch Ruhe finden. Ich war schon öfter in Berlin und schätze die Stadt sehr wegen ihrer Unterschiedlichkeit, die sich in den verschiedenen Stadtteilen ausdrückt. Doch gleichzeitig ist es immer schön, nach Hause zu kommen - nach Oberursel. Denn dort ist meine Heimat.

Hat man Ihnen eine Wohnung gestellt?

Nein, eine Wohnung ist Privatvergnügen. Aber man bekommt Hilfe dabei, sich eine Wohnung zu organisieren. Notfalls hätte ich immer noch bei meinem Vater unterkommen können. Er wohnt eine knappe Stunde entfernt von Berlin.

Haben Sie bei Ihren ersten Schritten in Berlin von der Partei Unterstützung bekommen?

Ja, ich habe mich wirklich sehr gut von der Bundestagsfraktion abgeholt gefühlt. Am Montag fand die konstituierende Fraktionssitzung statt, bei der die alten und neuen Abgeordneten zusammenkamen. Natürlich war noch alles neu und alles groß. Aber bereits am Mittwoch und Donnerstag war das erste Bootcamp für uns "Neuankömmlinge".

Gab es vor Ort bereits ein Büro und ein Team für Sie?

Ein eigenes Büro habe ich noch nicht, das braucht noch etwas Zeit, bis andere Räumlichkeiten frei werden. Allerdings ist etwas in Aussicht. In der Zwischenzeit haben wir in der Fraktion sogenannte Tandems gebildet, in denen wir Büros mitbenutzen dürfen. Co-Working sagt man dazu heute auch. Das passt aber ganz gut, denn die FDP versteht sich als das aufregendste Start-up-Projekt der deutschen Politik. Die Zusammenarbeit klappt wunderbar, dafür sind wir alle sehr dankbar. Mein Team baut sich langsam auf. Ich habe mittlerweile vier tolle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefunden, davon drei in Berlin und eine im Wahlkreis.

Das erste Mal im Bundestag - wie war das für Sie?

Das war ein großartiges Gefühl. Ich war zwar auch schon mal im Reichstagsgebäude, allerdings immer nur als Gast oben auf der Empore. Als ich dann den unteren Eingang benutzen durfte, der nur für Bundestagsmitglieder vorgesehen ist, da war mir bewusst: Das ist jetzt etwas ganz Besonderes. Im Plenarsaal selbst ist nichts reserviert, außer den Plätzen für den Fraktionsvorstand. Alles sitzt dort kunterbunt gemischt, langjährige Abgeordnete sitzen neben Frischlingen. Es war für mich allerdings sehr ungewöhnlich, Frau Merkel und Herrn Steinmeier auf der Besuchertribüne sitzen zu sehen. Wen ich persönlich getroffen habe: Rita Süssmuth. Wir haben uns kurz unterhalten und auch ein gemeinsames Foto gemacht. Sie war da ganz unkompliziert. Sie wünschte mir viel Glück und Erfolg für meine Arbeit und hat gesagt, ich solle das Beste aus meinem Mandat machen. Das war sehr menschlich und vor allem sehr geerdet.

Kennen Sie Ihre Mitstreiter bereits?

Ja, einige kenne ich bereits aus dem Wahlkampf oder von früheren Begegnungen. Das war ein schönes Wiedersehen und eine sehr gute Stimmung. Denn es sind 28 neue Fraktionsmitglieder, insgesamt zwölf mehr als im vorherigen Bundestag. Das ist für uns als FDP ein großer Erfolg.

Waren Sie selbst bei den Koalitionsverhandlungen dabei?

Die Koalitionsverhandlungen laufen aktuell. Ich bin nicht dabei und habe auch gar nicht den Anspruch gestellt, jetzt dabei zu sein. Natürlich verfüge ich auch über Fachexpertise, aber ich fühle mich beim Start sehr wohl dabei, wenn erfahrenere Mitglieder der Fraktion diese Gespräche führen. Sie kennen ja sozusagen das Geschäft. Ich freue mich dann auf meinen Einsatz in den Ausschüssen.

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