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Das beliebte Fischerstechen auf dem Maasgrundweiher hätte in diesem Jahr seine 19. Auflage. Wegen des Verbots von Großveranstaltungen, als eine Maßnahme gegen die Ausbreitung des Coronavirus, wurde es nun abgesagt. Archivfoto: Jochen Reichwein

Corona-Krise

Oberursel: Kunstgriff sagt Großveranstaltungen ab - Orscheler Sommer ohne Fischerstechen

Oberursel ringt mit dem Coronavirus. Zahlreiche beliebte Veranstaltungen müssen 2020 ausfallen.

Oberursel - Es ist definitiv: Wegen der Corona-Pandemie wird es in diesem Jahr kein Fischerstechen und auch kein Seifenkistenrennen geben. Das hat Dirk Müller-Kästner, Vorsitzender des Vereins Kunstgriff, der den Orscheler Sommer organisiert, bestätigt. Auch das Begegnungsfest und ein auf der Bleiche geplantes Symphoniekonzert wird es nicht geben.

Das Spektakel auf dem Maasgrundweiher und das Rennen in der Strackgasse gehören zu den Highlights und sind Publikumsmagneten mit bis zu 2000 Besuchern. Genau das ist das Problem, denn Menschenansammlungen müssen vermieden werden. Schon jetzt gilt ein Verbot für Großveranstaltungen bis Ende August.

Corona trifft Orscheler Sommer bis ins Mark

Zwar weiß im Moment noch niemand so genau, ob dieses Verbot in die Verlängerung geht, sicher ist, dass schon diese erste Frist den Orscheler Sommer bis ins Mark trifft. Das "Draußen-und-Gratis-Event", ehrenamtlich organisiert und getragen von den Kunstgrifflern und etlichen Unterstützern aus hiesigen Vereinen und anderen Organisationen, hat sich in den vergangen drei Jahrzehnten zu einer Veranstaltungsreihe gemausert, die nicht mehr wegzudenken ist. Im vergangenen Jahr zählten die Organisatoren rund 40 einzelne Veranstaltungen. Nicht nur die Innenstadt ist Spielort, die Kunstgriffler sind ganz gezielt auch in die Stadtteile gegangen.

Im Zeichen von Corona stellt sich der Kunstgriff-Vorstand im Moment die Frage, welche Veranstaltungen vielleicht doch noch gerettet werden können und sei es, dass sie in abgespeckter Form laufen. Alle paar Tage treffen sich deshalb die Vorstandmitglieder, natürlich nicht physisch, sondern virtuell per Online-Konferenz. Man habe bereits diverse Ideen, so Müller-Kästner, alles aber stehe und falle mit den Vorgaben vom Land und die seien eben noch nicht da. "Das heißt für uns, dass wir schon weiter planen, aber alles noch in der Schwebe ist." Das müsse so auch den Künstlern gegenüber kommuniziert werden, die für den diesjährigen Orscheler Sommer eigentlich schon gesetzt waren. Was die Vorkehrungen in Sachen Gesundheitsschutz angehe, so ist Dirk Müller-Kästner da eindeutig: "Wir machen nichts, was nicht erlaubt ist." Zudem sei es keinem der ehrenamtlich Engagierten zuzumuten, die Verantwortung für die Einhaltung der Kontaktbeschränkungen zu übernehmen.

Auch KSfO sucht nach neuen Formaten

Der Kunstgriff generiert seine Einnahmen für das Event durch den Verkauf von Speisen und Getränken und aus Spenden. Beim Budget wird der Kulturverein außerdem von der Stadt und dem Kultur- und Sportfördervereins (KSfO) finanziell unterstützt, von denen im vergangenen Jahr unter anderem 7000 Euro beziehungsweise 8000 Euro kamen. Beim KSfO bedauert man die diesjährige Entwicklung. Geschäftsführer Udo Keidel-George spricht von einer Tragödie auf mehreren Ebenen, denn "der Orscheler Sommer ist eine echte Institution, für alle Bürger zugänglich und getragen von einem großen ehrenamtlichen Engagement." Man dürfe auch die Künstlerinnen und Künstler nicht vergessen, deren Auftragslage auf Null gefallen sei und die im Moment "durch alle Raster fallen".

Insgesamt gelte es nun, neue Formate für kulturelle Veranstaltungen zu entwickeln, die, und das betont Keidel-George ausdrücklich, allen Abstands-, Kontakt- und Hygienevorgaben, die wegen Corona gelten, entsprechen. Dazu gehöre unter anderem, dass Zu- und Ausgänge kontrolliert werden. Der KSfO-Geschäftsführer geht im Moment davon aus, dass in absehbarer Zeit Veranstaltungen mit 50 bis 100 Personen möglich sein könnten. Alles hängt nun davon ab, welche Vorgaben es von der Landesregierung gibt.

Von Gabriele Calvo Henning

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