Luchs M12
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Der Luchs „M12“ auf dem Gelände der Frankfurt Finance School.

Seltenes Tier

Traurige Nachricht: Wilder Luchs aus Oberursel eingeschläfert

Ein wilder Luchs hatte sich in Oberursel angesiedelt. Wegen einer Erkrankung musste er jedoch eingeschläfert werden.

Update vom Freitag, 30.10.2020, 10.16 Uhr: Seit Anfang September gehörte der Luchs namens „M12“ zum festen Inventar von Oberursel – nun teilt der Hochtaunuskreis mit, dass die seltene Wildkatze am Donnerstag (29.10.2020) eingeschläfert werden musste. Der Grund: eine Viruserkrankung. Wie aus einer Mitteilung des Hochtaunuskreises hervorgeht, soll der Luchs „M12“ sich in der vergangenen Woche nur noch im Garten eines Wohnhauses in Oberursel aufgehalten haben und dabei einen trägen Eindruck gemacht haben.

Das Verhalten von „M12“ rief Expertinnen und Experten des nahegelegenen Opel-Zoos auf den Plan, die sich sofort an die Untersuchung des Tieres aus Oberursel machten. Für die Untersuchung wurde der Luchs kurzfristig im Opel-Zoo untergebracht. Die traurige Diagnose: Der Luchs „M12“ hatte Staupe, eine für Haushunde bereits seit Jahrhunderten typische Krankheit. Da das Gehirn von „M12“ im Laufe der Erkrankung bereits irreparable Schäden erlitten hatte, blieb letztlich keine andere Wahl, als das Wildtier einzuschläfern. „Er war am Ende nicht mehr in der Lage, sich aus eigener Kraft zu putzen und zu fressen“, teilt der Hochtaunuskreis mit.

Sportplatz-Fotos aus Oberursel entschlüsseln Geheimnis des wilden Luchses „M12“

Update vom Mittwoch, 09.09.2020, 15.22 Uhr: Das Rätsel um den Luchs, der an der Frankfurt International School (FIS) in Oberursel gesichtet wurde, scheint gelüftet. Das Tier hat laut dem hessischen Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) eine mehrere Hundert Kilometer lange Reise hinter sich: Er sei aus dem Harz über Umwege in den Taunus gekommen. Bei dem am Freitag entdeckten Luchs handele es sich um ein männliches Tier, das den Namen „M12“ trägt. Anhand der Fotos, die auf dem Sportplatz der Schule entstanden waren, sei er identifiziert worden.

Damit steht auch die Reiseroute von M12 fest: Das Tier war demnach im April 2018 bei Bad Pyrmont besendert worden. Der Luchs wanderte laut BUND zunächst durch Nordrhein-Westfalen und kam Mitte August 2018 nach kurzen Stippvisiten für längere Zeit nach Hessen. Im November 2018 sei allerdings bei Vogelsberg der Sender ausgefallen, hieß es. Nach einer Sichtung von „M12“ in Baden-Württemberg wurde der Luchs im Januar 2020 bei Hanau sowie ab August mehrmals im Raum Taunus beobachtet.
Zwar wandern dem BUND zufolge alle erwachsenen Jungluchse auf der Suche nach einem Revier umher. Die von „M12“ zurückgelegte Strecke sei allerdings ungewöhnlich. Erstaunlich sei auch, dass „M12“ das dicht besiedelte Rhein-Main-Gebiet durchquert habe, hieß es. Luchse gelten demnach als sehr scheu.

Vorsichtig tastet sich der Luchs auf das Sportfeld an der Frankfurt International School vor..

Oberursel: Sensation an Schule (FIS) – Wilder Luchs kommt mitten auf Sportplatz

Erstmeldung vom Samstag, 05.09.2020, 09.58 Uhr: Oberursel – Das war ein außergewöhnlicher Moment am Freitagmorgen (04.09.2020): Ganz vorsichtig tastete sich ein Luchs auf das Sportfeld an der Frankfurt International School in Oberursel. Tatsächlich: ein Luchs! Nicht nur, dass eine Sichtung der ebenso scheuen wie seltenen Wildkatzen in freier Wildbahn unglaublich schwierig ist - es ist auch ungewöhnlich, dass sich das Tier so im freien Gelände zeigte, sich dort hinlegte und interessiert die Gegend beobachtete, bis es von der Polizei wieder zurück in den Wald getrieben wurde.

Wilder Luchs zeigt sich auf Sportplatz in Oberursel

Förster Luis Kriszeleit habe bei allen Einrichtungen, die Luchse halten dürfen, nachgefragt, ob dort ein Tier vermisst werde, berichtet später BSO-Chef Michael Maag, in dessen Zuständigkeit der Stadtwald fällt. Da dies nicht der Fall war, sei davon auszugehen, dass es sich tatsächlich um ein wildes Tier gehandelt habe. Außerdem informierte der Förster alle Jäger über die Sichtung und wies darauf hin, dass die Tiere streng geschützt seien.

Dass im Oberurseler Stadtwald ein Luchs lebt, war bis Freitag unbekannt. "Jäger haben berichtet, dass es im Usinger Land ein Luchs-Paar geben soll", weiß Michael Maag zu berichten. Es könnte also sein, dass es eines dieser beiden Tiere ist oder dass es sich um Nachwuchs der beiden handelt. Genaueres wisse man nicht. Bei dem gesichteten Luchs, so der BSO-Chef, handele es sich wahrscheinlich um ein männliches Tier, in der Jägersprache "Kuder" genannt. Von der Größe her könnte es ein Jungtier sein. Dies würde dafür sprechen, dass es ein Nachkomme des Luchs-Paares aus dem Usinger Land ist.

Oberursel: Keinerlei Gefahr für Menschen durch Luchs

"Es ist eine schöne Nachricht im Sinne des Naturschutzes", sagt Maag und betont, dass von dem Tier keinerlei Gefahr für den Menschen ausgehe. Allerdings: Hunde und Katzen könnten schon dem scheuen Beutegreifer zum Opfer fallen. Nahrung gibt es für den Luchs im Stadtwald allerdings genug: Ein ausgewachsener Luchs benötige etwa ein bis zwei Rehe als Nahrung im Laufe einer Woche. Und davon gebe es - gerade im Bereich Oberstedten - eine ganze Menge.

Auch beim BUND und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) war man am Freitag von der Meldung begeistert. "Es war richtig und wichtig, den Wald und den Quellbereich bei der Frankfurt International School zu retten", sagt Christoph von Eisenhart Rothe vom SDW. Vor sieben Jahren sei es gelungen, die Umgebung der FIS von Bebauung freizuhalten. Dort könne der Luchs also heute "durchwandern" - und der SDW-Mann schlägt sogleich vor, eine Grünbrücke auf Höhe der FIS über die Bundesstraße 455 zu errichten, die nicht nur der Luchs, sondern auch andere Wildtiere nutzen könnten.

Bereits Ende August sei ein Luchs im Friedrichsdorf gesehen worden. Dabei könne es sich um das gleiche Tier gehandelt haben. Die jetzige Entwicklung sei umso bemerkenswerter, da die scheue Wildkatze noch vor zwei Jahrzehnten als nahezu ausgestorben galt. (Alexander Wächtershäuser)

Transparenzhinweis: In einer vorherigen Version hatten wir missverständlich formuliert, dass der Luchs in Oberursel eingeschläfert wurde. Er war aber kurzzeitig zur Untersuchung im Opel-Zoo in Kronberg, wo Experten ihn untersuchten. Wir haben das korrigiert.

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