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Oberursel: Nachhaltig und vielfältig gegen Erziehermangel

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Reges Interesse herrscht an den vielen Infostände und -tischen mit Bildern, Texten und Erklärungen rund um die Schule und ihre Ausbildungsangebote.
Reges Interesse herrscht an den vielen Infostände und -tischen mit Bildern, Texten und Erklärungen rund um die Schule und ihre Ausbildungsangebote. © jari

Die Ketteler-La-Roche-Schule wirbt bei ihrem Schulfest und Tag der offenen Tür um Nachwuchs für ihre besonderen Ausbildungsgänge für den pädagogischen Bereich.

Oberursel -Unter dem Motto „Wir sind Viele(s) und wollen mehr“ hat die Ketteler-La-Roche-Schule am Samstag Interessierte zu ihrem Schulfest ein. Doch hinter diesem Spruch steckt mehr als auf den ersten Blick. Das wurde den Besuchern sofort klar, als sie die bunt gestalteten Themenräume betraten. Denn diese widmeten sich nicht nur relevanten Themen wie der Nachhaltigkeit oder der Diversität, sondern sollten auch mehr Menschen für einen Beruf im Erziehungswesen begeistern.

In einem der vielen Räume liegen Tücher auf dem Tisch und in der Ecke steht eine große Wanne mit grauer Brühe. „Das ist eine Masse aus altem Papier“, erklärt Rosa. Sie lernt an der Ketteler-La-Roche-Schule und betreut heute die Papierwerkstatt. „Hier wollen wir zeigen, wie es funktionieren kann, Kindern den Wert des Rohstoffs Papier näherzubringen.“

Dafür haben sie und ihr Mitschüler Jona mehrere Stationen aufgebaut, um aus altem Papier neues zu erschaffen. Zunächst werden die kleinen Papierstücke mit einem Rahmen aus dem Wasser gesiebt, danach glattgebügelt und anschließend getrocknet. „In der Kita wird oft schnell einfach Papier genommen, ohne darüber nachzudenken“, sagt Rosa. Mit solch einer Aktion könne man den Kindern jedoch veranschaulichen, dass Papier eben nicht selbstverständlich sei und man damit nachhaltig umgehen müsse. Die Papierwerkstatt ist jedoch nur eines von zahlreichen Projekten zum Thema Nachhaltigkeit. Denn gleich nebenan geht es um Minimalismus und um die Frage, ob Kinder sich für Holzspielzeug oder doch für das Tablet zum Spielen entscheiden, wenn sie die Wahl haben. „Fast alle Kinder wählen das digitale Spielzeug“, wissen die Schüler. Doch dieses führe oftmals schlichtweg zu einer Reizüberflutung. Aber Minimalismus spiele nicht nur bei der Wahl des Spielzeugs eine Rolle. „Einkaufen ist das beste Beispiel, denn man kann nachhaltig und mit Bedacht einkaufen oder aber einen Impulskauf machen“, erklären die angehenden Pädagogen und verweisen auf das Tauschregal. Eine nachhaltige Alternative zum bloßen Konsum.

Gegen Mobbing und rassistische Sprache

All das soll Kindern spielerisch vermittelt werden und kann Kindern und Erziehern große Freude bereiten, das möchten die Schüler deutlich machen. Auch vermeintlich trockene Themen wie die Mülltrennung lassen sich kreativ gestalten. „Wir haben einen Basketballkorb über dem Papiermüll montiert“, erzählt Aaron, der sich mit seiner Arbeitsgruppe mit diesem Aspekt der Nachhaltigkeit beschäftigt hat.

Nebenan geht es um Vielfalt und Diversität. Nicht nur die Ketteler-La-Roche-Schule schreibt sich diese Werte auf die Fahne. Auch Kindern sollen sie vermittelt werden. Deshalb dreht sich in diesen Räumen alles um offene Diskussionen über Themen wie Mobbing oder rassistische Sprache. „Die Besucher sind eingeladen, sich aktiv an Gesprächen und Mitmachaktionen zu beteiligen“, erklären die Schüler, die alle Aktionen im Raum selbst entwickelt haben.

Auf diese eigenständige und wochenlange Vorbereitung der Schüler ist Schulleiterin Ursula Maurer mächtig stolz. Die rund 350 Schüler seien äußerst motiviert gewesen, diesen Tag bestmöglich zu gestalten und zu zeigen, wofür die Schule steht. „Denn wir möchten demokratisches Gedankengut bewahren und den Kindern, die von unseren Schülern einmal betreut werden, diese Werte mit auf den Weg geben“, sagt Maurer.

Außerdem sei es ihr ein großes Anliegen, gegen den Fachkräftemangel im Erziehungswesen anzukämpfen. „Das Motto unseres heutigen Festes soll zum einen unsere Diversität zeigen und deutlich machen, dass wir Vieles sind. Zum anderen wird betont, dass wir mehr wollen und brauchen.“ Damit meint die Schulleiterin die fehlenden Fachkräfte, denn Nachwuchs werde dringend benötigt. „Deshalb bin ich umso glücklicher, dass unser Haus heute so gut besucht ist und wir zum ersten Mal seit Corona bei einem Fest wieder mit Interessierten in direkten Kontakt treten können.“

Vorab habe die Schule ebenfalls keine Mühen gescheut und mit Plakaten in der Stadt oder dem Besuch von Ausbildungsmessen auf sich aufmerksam gemacht. Dieser Plan scheint aufgegangen zu sein, denn in der Cafeteria, die an diesem Tag einem Marktplatz gleichen soll, sitzen viele Besucher beisammen und lassen sich die Speisen und Getränke schmecken. „Auch hierbei haben wir auf Nachhaltigkeit geachtet und genau überlegt, was wir verkaufen“, ergänzt Ursula Maurer. Eine konsequente Umsetzung der Werte und Prinzipien. Die Schulleiterin hofft, dass dies gut ankommt und sich so mehr junge Menschen für einen Beruf im Erziehungswesen entscheiden.

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