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Oberursel: Neue Marschrichtung fürs Rathaus

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Von: Gabriele Calvo Henning

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Schön geht anders. Das altbewährte, aber in die Jahre gekommene Rathaus vom St. Ursula-Turm aus gesehen.
Schön geht anders. Das altbewährte, aber in die Jahre gekommene Rathaus vom St. Ursula-Turm aus gesehen. © Reichwein, Jochen

Ob Neubau an gleicher Stelle, nebenan oder Kernsanierung des Altbaus: Die Planung soll schnell gehen. Das gibt Bürgermeisterin Antje Runge vor. Bis zum Sommer soll die Entscheidung für eine der drei Optionen gefallen sein.

Oberursel -35,6 Millionen Euro werden aktuell für die Sanierung des Rathauses aufgerufen. Da kann man ja gleich neu bauen, mag sich der eine oder die andere denken und ist damit gar nicht so weit weg von den Überlegungen, die in den vergangenen Wochen in Verwaltung, Magistrat und in Gesprächen mit der Politik angestellt worden sind. Diese liegen, wie bereits berichtet, als Beschlussvorlage zur politischen Entscheidung vor. Bürgermeisterin Antje Runge (SPD) hat diese nun in einem Pressegespräch zusammen mit dem Betriebsleiter des Bau und Service Oberursel (BSO) Michael Maag und dem Chef der Stadtplanung Arnold Richter näher erläutert.

Unter der Voraussetzung, dass die ursprünglichen Sanierungsbeschlüsse aus 2020 aufgehoben werden, stehen drei Optionen zur Diskussion: Eine Kernsanierung, bei der das aus der Mitte der 1970er Jahre stammende Gebäude bis aufs Gerüst abgebaut werden muss. Alternativ dazu gibt es zwei Neubauvarianten. Bei der einen wird, wenn auch komplett neu gestaltet, auf dem alten Platz ein neues Gebäude errichtet. Wie bei der Kernsanierung müssten die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung für eine Zeit ausziehen. Bei der zweiten Neubau-Möglichkeit könnte die Stadtverwaltung erstmal bis zum Umzug bleiben, während auf dem Areal des jetzigen Parkplatzes an der Oberhöchstadter Straße neu gebaut wird.

Jede dieser Varianten hat Vor- und Nachteile. Alle vereint auf der Plus-Seite, dass sie voraussichtlich nicht vier Jahre dauern werden, wie es die im laufenden Betrieb durchgeführte Sanierung getan hätte.

Ein Nachteil der Kernsanierung ist wohl, dass Abstriche bei der Energieeffizienz gemacht werden müssten. Ein kernsaniertes Gebäude würde es auf einen KfW-55-Standard bringen, ein Neubau auf den besseren KfW-40-Standard. "Bei der Kernsanierung wird es Verluste bei der Dämmung von Erdgeschoss und Keller geben" nennt BSO-Betriebleiter Maag einen Grund. Dagegen würde es ein Neubau ermöglichen, von Anfang an auf eine energieeffizientere, nachhaltigere Bauweise mit modernen Materialien zu setzen, so Stadtplaner Richter.

"Jetzt sind Ideen gefragt", sagt Bürgermeisterin Runge, die in der Neuplanung nicht nur eine große Chance für die Entwicklung des kompletten Areals mitten in der Stadt inklusive einer möglichen Wohnbebauung sieht. Ein kernsaniertes oder gar neues Rathaus könnte zudem auf moderne Anforderungen an flexible Arbeitsplatzmodelle inklusive Homeoffice und Sharingmöglichkeiten antworten. Zwar wird darüber jetzt nicht entscheiden, ins Kalkül sollte das Für und Wider der Optionen aber gezogen werden.

Nun geht es erst einmal darum, die alten Sanierungsbeschlüsse aufzuheben und die Optionen intensiv zu prüfen. Dabei ist der Zeitplan eng. "Jetzt muss eine neue Entscheidung her", betont die Rathauschefin, auch mit Blick auf eine gesunde und zumutbare Arbeitsumgebung für die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung. Dafür müssten alle Kräfte in der Verwaltung, beim BSO und in der Politik zusammengezogen werden. Bis zum Sommer solle die Entscheidung für eine der drei Optionen gefallen sein, gibt Runge die Marschrichtung vor.

Günstiger wird es wohl nicht

Dabei sieht es so aus, dass die neuen Planungen nicht günstiger werden. Die Rathaus-Frage bleibt ein Großprojekt, auch wenn sich Runge, Richter und Maag jetzt noch nicht auf konkrete Zahlen festlegen. "Die Sanierungkosten über vier Jahre oder die Kernsanierung in einem Zug unter Auszug der Mitarbeitenden sind zuverlässig berechnet", so Runge. Für einen Neubau aber gebe es bislang nur eine Kostenschätzung.

Sollten die Stadtverordneten Anfang Februar der Beschlussvorlage zustimmen, können damit Eckdaten für einen Neubau präzisiert und die Baukosten durch ein sogenanntes Markterkundungsverfahren ermittelt werden. Dabei werden konkret Bauunternehmen angesprochen, mit dem Ziel realistische Baupreise als Grundlage für eine Beauftragung zu erhalten. Ist das getan, kann über konkrete Zahlen gesprochen werden. Sie werden zeigen, welchen finanziellen Handlungsspielraum es für ein neues oder kernsaniertes Rathaus gibt. alv

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