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Der Leerstand in der neuen Passage ist auch ein Grund,warum die Traditionsfirma Rompel im kommenden Jahr schließt. 

Innenstadt

Paukenschlag im Einzelhandel: Traditions-Kaufhaus Rompel macht dicht

Gerüchte kursieren in Oberursel schon länger. Nun ist es offiziell: Das Kaufhaus Rompel macht im Mai 2020 zu. Die Gründe dafür sind vielschichtig.

Oberursel – Man darf mit Fug und Recht behaupten: Eine Institution schließt ihre Pforten. Die Firma Rompel macht am 31. Mai nächsten Jahres zu. Damit geht eine mehr als 120-jährige Firmengeschichte zu Ende. Leicht habe man sich die Entscheidung nicht gemacht, sagt Geschäftsführer Andreas Kügel, doch wenn man über Jahre immer weniger Gewinn, mitunter Verlust einfahre, dann mache es irgendwann keinen Sinn mehr.

Haushalts-, Spielzeug- und Hobbyartikel bietet Rompel in seinem Ladengeschäft im Holzweg 14 an. Dazu kommt noch Rompel Select in der Vorstadt 36, wo es alles rund ums Grillen gibt. Rompel hat seit Generationen einen Ruf über die Oberurseler Stadtgrenzen hinaus. Doch auch der gute Name hat nicht davor geschützt, dass die Geschäfte in den vergangenen Jahren rückläufig waren.

Oberursel: Aus des Kaufhaus Rompel trifft auch die 17 Mitarbeiter

Das Aus trifft auch viele Beschäftigte. Den 17 Mitarbeitern wurde bereits gekündigt. "Ich bin zuversichtlich, dass wir zwei Drittel von ihnen in neue Stellen vermitteln können", sagt Kügel. Die Gründe, warum die Geschäfte rückläufig sind, seien vielschichtig, meint der Geschäftsführer. 

Dass man während des Baus der neuen Rompel-Passage Einbußen erleiden werde, sei klar gewesen, aber jetzt gebe es dort noch immer Leerstand. "Wir hatten uns eigentlich erhofft, dass von der Passage neue Impulse für den Oberurseler Handel ausgehen", sagt Kügel. Aber wenn die Läden leer stünden, könne auch nichts belebt werden. "Das ist das Schlimmste, was passieren konnte."

Rompel-Chef: Oberursel hat sich von florierendem Einzelhandel verabschiedet

Der Rompel-Chef glaubt, dass man sich in Oberursel von einem florierenden Einzelhandel in der Innenstadt ohnehin schon verabschiedet habe: "Investiert wurde in die Gewerbegebiete an der Peripherie, wie Zeilweg oder nördliche Riedwiese." Die City sei wenig beachtet worden. Hier gebe es vorwiegend Gaststätten, Bäcker oder Optiker. "Aber wer in die Kneipe gehen will, mag keine Einkaufstaschen schleppen", weiß Kügel. "Der bestellt lieber im Internet."

Der Onlinehandel habe ebenfalls seinen Teil dazu beigetragen, dass Rompel nun schließen wird. "Früher hatten wir für Kindergeburtstage Geschenke-Boxen, in die das Kind seine Wunschgeschenke legen konnte und die dann von den Gästen gekauft wurden. Mittlerweile gibt es die Amazon-Wunschliste", zählt Kügel ein Beispiel auf. Da müssen die Eltern nicht mehr in den Laden, sondern erledigen das mit einem Klick von zu Hause aus.

Chef beklagt "Beratungsdiebstahl" in Oberurseler Kaufhaus Rompel

Besonders ärgert Kügel aber das, was er "Beratungsdiebstahl" nennt. Gerade bei Küchenmaschinen oder Grills komme es häufig vor, dass Kunden ins Geschäft kommen, sich 30, 40 Minuten beraten ließen, bis sie genau wissen, was sie wollen - um es dann kostengünstiger im Internet zu bestellen. "Selbst die Hersteller glauben ja nicht mehr an uns Einzelhändler und bauen eigene Vertriebswege auf", sagt der Geschäftsmann resigniert. Jede Firma habe ihren Onlineverkauf, und bei den Preisen, die dort aufgerufen werden, könne der Einzelhandel nicht mithalten.

Ob er sich trotz dieser widrigen Bedingungen entschlossen hätte, sein Geschäft tatsächlich aufzugeben, wisse er nicht, sagt Kügel. Doch dann habe sich die Gelegenheit ergeben, den Firmensitz im Holzweg an einen Interessenten zu vermieten. Das habe ihn die Situation überdenken lassen, und aufgrund der Gemengelage habe man sich dann zu diesem Schritt entschieden.

Rompel zieht aus: Neuer Mieter für Oberurseler Immobilie gefunden

Der neue Mieter werde zum 1. Juli 2020 einziehen. "Es wird wieder ein Gewerbe sein, wenn auch nicht unbedingt ein Einzelhändler", sagt Kügel. Der Mieter übernimmt die Verkaufsflächen im Erdgeschoss und im ersten Stock, ebenso das Untergeschoss, das aber umgestaltet werde. Insgesamt stehen somit rund 1000 Quadratmeter Ladenfläche zur Verfügung. Der Mietvertrag gehe über zehn Jahre.

Schon jetzt laufen die Vorbereitungen für den Ausverkauf bei Rompel, der Anfang November beginnt. Bis zur endgültigen Schließung Ende Mai werde es diverse Verkaufsaktionen geben.

Von Alexander Wächtersbach

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